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Der Choreograf, dem die Stars vertrauen

Selatin Kara unterrichtet an der Tanzakademie Minkov und hat unter anderem schon mit Michael Jackson zusammengearbeitet

Die Liste jener Persönlichkeiten, mit denen Selatin Kara schon zusammengearbeitet hat, ist lang und prominent besetzt. Dennoch bleibt der Tanzlehrer ziemlich bodenständig. Der 44-Jährige gibt in Winnenden in der Tanzakademie Minkov Unterricht.

„Springt über meine Arme. Leicht wie ein Vogel“, ruft Selatin Kara (Mitte), und seine Schülerinnen setzen die Anweisungen um. Foto: A. Palmizi

© ALEXANDRA PALMIZI

„Springt über meine Arme. Leicht wie ein Vogel“, ruft Selatin Kara (Mitte), und seine Schülerinnen setzen die Anweisungen um. Foto: A. Palmizi

Von Tobias Klecker

WINNENDEN. Er hat mit Michael Jackson getanzt und über das Tanzen viele andere Stars kennengelernt. Selatin Kara choreografiert für Tanzszenen in Kinofilmen, Fernsehsendungen, Theaterstücken und mehr. In der Branche ist er ein gefragter Mann. Und dennoch findet er Zeit, um in Winnenden an der Tanzakademie Minkov Auszubildende im dritten Jahr zu unterrichten.

Wie er nach Winnenden gekommen ist? „Ich bin falsch in die S-Bahn eingestiegen“, scherzt er. „Nein. Es kam eine Anfrage rein, ob ich noch Zeit habe. Ich kenne die Verantwortlichen hier schon länger, und die Atmosphäre hat mir gefallen“, erzählt Kara. „Es ist unfassbar, für wen Selatin schon getanzt hat. Große Künstler und Ballettschulen sind dabei“, sagt Akademieleiterin Kathrin Minkov. Sie war es auch, die seinen Auftritt im Winnender Kino eingefädelt hat. Doch dazu später mehr.

Mit 17 zum Tanzstipendium nach Los Angeles

Als Selatin Kara 17 Jahre alt war, entdeckte ihn ein Choreograf von Michael Jackson. Er lud Kara nach Los Angeles ein. „Als ich dort ankam, schaute ich erst einmal stundenlang beim Training zu. Ich traute mich nicht, direkt mitzutrainieren“, so der gebürtige Heilbronner. Als er dann doch Mut fasste, überzeugte er die Trainer schnell, erhielt ein Tanzstipendium. „Den Verantwortlichen ging es nicht nur um das Tänzerische. Auch die Persönlichkeit hat eine große Rolle gespielt“, erzählt der 44-Jährige. Dabei haben deutsche Tugenden wie Disziplin und Fleiß ihm sehr geholfen. Rund um Michael Jackson gibt es auch Jahre nach seinem Tod noch Missbrauchsvorwürfe und Gerüchte. Darauf angesprochen sagt Kara, dass er in seiner Zeit in Los Angeles nichts davon mitbekommen habe.

In Deutschland war Kara unter anderem für die Choreografie von „Deutschland sucht den Superstar“ verantwortlich. „Dieter Bohlen ist privat eine sehr coole Sau“, sagt Kara. „Was er in seinen Shows macht, ist Business, und so unterhält er Deutschland seit Jahren.“ Auch für die RTL-Sendung „Alles was zählt“ war Kara zwei Jahre lang als Choreograf tätig. Kara lebt in Plattenhardt und trainiert nicht nur angehende Profis an der John-Cranko-Schule in Stuttgart und in der New York City Dance School, sondern jeden Mittwoch auch in Winnenden. „In der Zeit, in der ich hier bin, sind sie meine Stars“, sagt Kara. Und die acht Tänzerinnen geben in der Übungsstunde, die der 44-Jährige charmant anleitet, alles. Kara macht bei den meisten Übungen selbst mit, gibt den Takt vor, ruft: „Fünf, sechs, sieben, acht und go!“ Dabei schnipst er mit den Fingern, macht immer wieder die Musik aus und korrigiert die Tänzerinnen: „Ihr müsst fokussiert sein, dürft den Boden unter den Füßen nicht verlieren, okay? Ihr dürft nie die Leidenschaft verlieren, auch wenn ihr unter Strom steht.“ Noch während er das sagt, versuchen die Schülerinnen wie verzaubert seine Tipps umzusetzen, üben weiter an ihren Drehungen und Sprüngen. Ob es für sie etwas Besonderes ist, mit solch einem erfolgreichen Dozenten zu arbeiten? „Es ist auf jeden Fall etwas anderes“, erzählt eine Schülerin. „Verglichen mit anderen Dozenten fühlt man sich schon gepushter und mutiger, wenn er dabei ist.“

Kara spielt im Disney-Film einen Tanzjuror

„Vielleicht nehme ich ja mal ein paar Mädels von hier zu einem Dreh mit. Aber sie müssen gut sein“, sagt Kara, der erst jüngst an einem Kinofilm mitgewirkt hat. „Vier zauberhafte Schwestern“ heißt dieser Jugendfilm, der unter anderem in Winnenden im Olympia-Kino ausgestrahlt wurde. Kara war bei der Premiere dort, beantwortete Fragen zur Arbeit am Set und gab seinen Fans Autogramme. Für den Film hat Selatin Kara die Tanzszenen choreografiert. „Das war nicht leicht. Es spielten teilweise Zehnjährige mit, die nicht tanzen konnten. Außerdem soll es kein Tanzfilm sein. Man muss abwägen, was passt und was nicht“, erzählt Kara, der auch eine Rolle im Film hat. Er ist Juror und spielt sich quasi selbst. „Disney hat mich engagiert. Für den Dreh waren wir in Belgien, Wien, Coburg und in Südtirol“, sagt er.

Vielleicht schaffen es seine Schülerinnen von der Tanzakademie irgendwann auch einmal auf die große Bühne? „Es ist egal, ob sie aus London, Paris oder Winnenden kommen. Jeder kann ein Star werden. Viele wollen aber zu schnell ihre Ziele erreichen. Von nichts kommt nichts.“

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Erstellt:
13. Februar 2020, 11:30 Uhr

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