Der Cup soll in den Breisgau
Nach dem Einzug ins Halbfinale der Europa League träumen die euphorisierten Freiburger vom ganz großen Coup – und wollen zudem über Stuttgart auch ins Pokalfinale nach Berlin.
Von sid
Vigo/Freiburg - Beim Rückflug aus Galizien war die Trophäe zwar noch nicht an Bord, doch mit weniger als der 65 Zentimeter großen Silberware möchten sich die Überflieger des einst so kleinen SC Freiburg nun nicht mehr zufrieden geben. „Jetzt wollen wir alles“, sagte der euphorisierte Sportvorstand Jochen Saier: „Wenn man da steht, wo wir stehen, dann will man natürlich das Maximum erreichen. Einfach, weil es eine besondere Gruppe ist und weil ich schon das Gefühl habe, dass es auch ein besonderes Jahr werden kann.“ Der Cup soll also erstmals in den Breisgau.
Nach dem größten Erfolg der Clubgeschichte, dem ersten Einzug des Fußball-Bundesligisten in ein Europacup-Halbfinale, beschlich auch Lothar Matthäus dieses Gefühl. „In dieser Verfassung traue ich dem SC noch viel mehr als das Halbfinale zu“, sagte der Rekordnationalspieler bei RTL: „Wenn sie das wiederholen können, ist wirklich mehr drin.“
Zuvor hatten die Breisgauer in beeindruckender Art und Weise Celta Vigo aus der Europa League geworfen. 3:1 (2:0) gewann die Mannschaft von Trainer Julian Schuster das Viertelfinal-Rückspiel in Spanien. Nach dem 3:0 im Hinspiel stand am Ende in der Addition ein unglaubliches 6:1 gegen den Tabellensechsten aus La Liga. In der Vorschlussrunde trifft Freiburg auf Sporting Braga – nur die Portugiesen stehen noch zwischen dem SC und dem Finale am 20. Mai in Istanbul.
„Das ist etwas Außergewöhnliches, etwas Unglaubliches“, sagte Saier: „Wenn ich den Saisonverlauf anschaue und auf welchem Level wir jetzt alle drei Tage spielen können, dann ist das schon wirklich beeindruckend.“ Und die Freiburger Festspiele gehen weiter. Am Sonntag treffen die Breisgauer in der Bundesliga auf den 1. FC Heidenheim, am Donnerstag kommender Woche steht das Pokal-Halbfinale beim VfB Stuttgart an. Danach muss der SC im Europacup am 30. April zunächst auswärts in Braga ran, eine Woche später steigt das Rückspiel.
„Ende April diesen Rhythmus haben zu dürfen, ist für uns alle sehr besonders. Wir sind froh und dankbar darüber“, sagte Schuster, der von „diesen Abenden noch meinen Kindern und Enkeln erzählen“ möchte. Doch bei aller Demut sollten sich die kommenden Freiburger Gegner besser warm anziehen, denn Schuster will mehr: „Wir haben einen weiteren Schritt geschafft, sind aber noch nicht am Ende. Feiern werden wir Ende Mai, aber jetzt gibt es keine Ablenkungen, wir bleiben auf diesem Weg.“ Auch der Erfolgshunger des Abwehrchefs ist noch nicht gestillt. „Wir sind sehr, sehr ambitioniert als Mannschaft und Verein“, sagte Matthias Ginter: „Das wollen wir durchziehen, weil wir auch wissen, dass wir ganz hart runtergebrochen noch gar nichts erreicht haben. Da wollen wir dranbleiben.“
In Vigo trafen Igor Matanovic per Traumtor (33.) sowie Yuito Suzuki (39. und 50.) für die Freiburger. Das Tor durch Williot Swedberg (90.+1) war zu wenig für die chancenlosen Spanier. Vor dem Ehrentreffer hatte der SC längst den Schongang eingelegt, Schuster nahm mehrere Leistungsträger früh vom Platz. Alle sollen fit bleiben – schließlich will der SC alles.
