„Der Garten gibt mir so viel zurück“

Schneiden, Pflanzen, Düngen, Ernten: In einer Miniserie begleiten wir die leidenschaftliche Gärtnerin Stefanie Layer bei den Arbeiten in ihrem Garten durch das Jahr. In Folge eins geht es um die Gartenarbeiten, die von März bis Mai anfallen.

Wir begleiten die Hobbygärtnerin Steff Layer durchs Jahr. Sie freut sich auf die kommenden Monate – trotz viel Arbeit im Garten. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Wir begleiten die Hobbygärtnerin Steff Layer durchs Jahr. Sie freut sich auf die kommenden Monate – trotz viel Arbeit im Garten. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Sie ist, besser: sie war Bürokauffrau – ein Beruf, der nicht recht zu ihr passte, eigentlich „die Hölle“, sagt sie heute, denn Stefanie (Steff) Layer ist ein kreativer Mensch, der sich entfalten will und muss, naturverbunden und sensibel, zugleich jemand, der zupackt und leidenschaftlich gern auch die sogenannten Männerarbeiten im Haus verrichtet. Zudem ist sie eine begabte Malerin und gelernte Goldschmiedin und Schmuckdesignerin, dazu kommt ihre Liebe zur Natur, kurzum: „Der Tag könnte länger sein.“ Im lange viel zu kalten März lag der Garten noch im Winterschlaf, sagt sie. Aber ganz untätig bleibt sie trotzdem nicht. Weil sie es nicht erwarten konnte, hat sie bereits im viel zu warmen Februar alles geschnitten, was welk war, Fetthenne, Sommerflieder, Rosen, Lavendel, denn „jeder Schnitt ist ein Wachstumsimpuls“.

Die gärtnerische Grundregel klingt wie eine Metapher. Damit ist die Atmosphäre gesetzt, in der der Austausch mit jemandem wie Steff Layer stattfindet. Das Leben wird in seiner ganzen Komplexität begriffen, bestaunt und gelebt. Freunde wie der Demeter-Gärtnermeister Hans Felger teilen diese Wesensart, und man liebt es, miteinander zu fachsimpeln, Erfolge und Misserfolge zu teilen und mitunter die Früchte der Arbeit gemeinsam zu genießen.

Viele wichtige Lektionen hat sie von ihrer Oma bekommen.

Bis jetzt konnte Steff Layer noch Karotten, Lauch, Grünkohl und Rosenkohl ernten, die Gefriertruhe ist noch voll, Bohnen, Beeren und Erbsen sowie selbst gemachtes Sauerkraut und Marmelade und auch eingemachte Tomaten sind noch da. Die Vorjahresernte wurde bei Weitem nicht aufgebraucht, da hat die Gärtnerin schon Spinat und Radieschen gesät, Kompost eingearbeitet, Knoblauch gesteckt, gerade der wird immer wunderschön, sagt sie.

Aufgewachsen ist sie in Völkleshofen, wo es immer einen riesigen Garten gab. „Wir waren immer mit unserer Omi dort und haben geholfen.“ Steff hat drei Geschwister, zum Teil in einiger Entfernung, aber: „Wir haben alle schöne Gärten.“ Denn die Omi hat ihnen etwas mitgegeben fürs Leben, das sie immer wieder zurückdenken lässt an die Kindheit. Sie arbeitete in Ludwigsburg und hat oft Sämereien aus dem Blühenden Barock mitgebracht.

So lernten die Enkel das Säen, Pikieren und Pflanzen. Der Reiz, etwas zu hegen und zu pflegen, um zu sehen, was daraus erwächst, mit Blühpflanzen etwas Hübsches zu kreieren und kleine Schöpfungsprozesse zu erleben, ist Steff Layer geblieben, und oft erinnert sie sich an die Tipps und Tricks ihrer Omi.

Sie freut sich auf die Monate Mai und Juni, wenn im Gemüsegarten gepflanzt werden darf, wenn er später seinen ganzen Reichtum offenbart und es langsam ans Ernten geht – das gibt wieder eine Riesenauswahl, sagt sie, und ihr Ehepartner Tilmann, ein passionierter Koch, wird seine Freude in der Küche haben. Die Regie im Garten überlässt er seiner Frau, hilft aber gern und oft. Dem Unkrautjäten im Schneidersitz gewinnt er meditative Züge ab, sehr zur Freude von Steff, die dadurch ein wenig entlastet wird. Seit acht Jahren bewirtschaftet sie den Garten in Backnang, 2017 hat sie auch noch den Nachbargarten übernommen, dessen Zustand ebenfalls eine Herausforderung darstellte. Steff arbeitet ohne künstliche Dünger, Blaukorn, Gifte, und der Erfolg gibt ihr recht.

Nach den Eisheiligen im Mai kommen die im Haus vorgezogenen Setzlinge nach draußen: Tomaten, Paprika, Peperoni. Steffs Nachbarin und Ratgeberin Karen sät sogar alles selbst aus und kauft gar keine Pflänzchen. „Wahnsinnig viel Arbeit!“ Aufwand und Platzbedarf sind so groß, dass Steff für sich beschlossen hat, ihre Setzlinge in Zukunft zum Teil zu kaufen. Und Hans Felger bestätigt: „Setzlinge zu ziehen ist eine wunderschöne Arbeit, es braucht aber gute Voraussetzungen.“

Hans und Steff ratschlagen noch ein wenig über Fruchtfolgen und Aussaatpläne, über das Sprechen mit Pflanzen, das für Steff selbstverständlich ist, gerade auch bei Blühpflanzen. Sie redet ihnen gut zu und verspricht ihnen beispielsweise, sie zu versetzen, wenn sie sich nicht wohlfühlen an ihrem Standort. Auch für Hans ist das alltäglich: „Pflanzen sind lebendige Wesen, und emotionale Menschen haben natürlich eine Beziehung zu ihnen.“ Für ihn gibt es auch kaum eine Trennung zwischen Zier- und Nutzgärten. Etwa ziehen Blühstreifen im Gemüsegarten Nützlinge an und vertreiben schädliche Insekten.

„Ich warte jetzt schon richtig darauf, dass ich loslegen kann“, sagt eine ungeduldige Steff Layer und freut sich auf die Saison. „Der Garten gibt mir schließlich so viel zurück.“

Wichtige Gartenarbeiten im Frühjahr

März und April: Gehölzschnitt abschließen, zur Forsythienblüte die Rosen beschneiden, Dünger ausbringen (am besten Kompost), Stauden pflanzen, pflegen, düngen, teilen und schneiden, Forsythien pflanzen, Kübelpflanzen fit machen, Stiefmütterchen und Hornveilchen pflanzen, Gemüse im Haus vorziehen (Paprika und Chili),Kartoffeln pflanzen. Gehölze pflanzen, immergrüne Pflanzen umsetzen, Rasen vertikutieren, düngen, säen, Wildblumenwiese anlegen, Erdbeeren pflanzen, Petersilie aussäen, Zucchini vorziehen, gegebenenfalls Kartoffeln pflanzen, Rhabarber pflanzen, Kräuter im Beet aussäen.

Mai: Unkraut an der Wurzel bekämpfen, Rosen in Form bringen, Pfingstrosen pflanzen, schneiden, pflegen, Dahlienknollen pflanzen, Buchsbaum in Form schneiden, Bohnen, Kürbisse, Gurken, Tomaten pflanzen, Lavendel schneiden, pflanzen, pflegen, Knollen der Frühblüher ausgraben, säubern, lagern.

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Erstellt:
6. April 2021, 06:00 Uhr

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