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Der Ofen kommt künftig zu den Kindern

Das neue mobile Backhaus des 99 Mitglieder starken Dorf- und Backhausvereins Waldrems ist am Wochenende vor der Radsporthalle feierlich eingeweiht worden. Die Stadt Backnang hat die Patenschaft übernommen.

Den Vereinsmitgliedern Angelika Bäßler, Katja Fuchs und Lothar Frey (von links) sind die Flammkuchen am Samstag perfekt gelungen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Den Vereinsmitgliedern Angelika Bäßler, Katja Fuchs und Lothar Frey (von links) sind die Flammkuchen am Samstag perfekt gelungen. Foto: J. Fiedler

Von Wolfgang Gleich

BACKNANG. In Waldrems ist die Welt noch in Ordnung – ganz offensichtlich zumindest, wenn es um das Backhaus geht. Dass künftig nicht nur dort der Schornstein raucht und unnachahmlich schmeckende Holzofenbrote, Salzkuchen, Flachswickel und Pizza gezaubert werden, das kündigte Heinz Holzwarth, der Vorsitzende des Backhausvereins, bei der Einweihung vor der Radsporthalle in Waldrems am Samstagabend an.

Auslöser des Projekts war der Besuch eines Backnanger Kindergartens im vergangenen Jahr. Im Laufe des Busfahrt, bei der die Kindergärtnerinnen alle Hände voll damit zu tun hatten, ihre Schäfchen zusammen und unter Kontrolle zu halten, hatte der ebenfalls mit transportierte Teig gehörig an Form eingebüßt. Was lag also näher, erzählte Holzwarth, als sich Gedanken darüber zu machen, wie man in Zukunft das Backhaus zu den Kindern bringen könne. Die Lösung lag in einem mobilen Backhaus, montiert auf einen Anhänger.

Ach ja, und kosten sollte es möglichst auch nichts, zumindest nicht die Vereinskasse. Also mussten Sponsoren her, sowohl für den Holzbackofen selbst wie auch für den Anhänger und dessen Umrüstung. Schließlich musste das gespendete Exemplar nicht nur renoviert, sondern auch seiner neuen Bestimmung entsprechend aufgerüstet werden: Auf der Ladefläche waren Schienen anzubringen, damit der satte 480 Kilogramm schwere Ofen, der sich beim Transport über der Achse befindet, zum hinteren Ende, seiner Betriebsposition, bewegt werden kann.

Beim Backen muss der Ofen im Wasser stehen, sonst begibt sich der Belag auf Wanderschaft.

Dann galt es noch, das Transportmittel mit stabilen Stützen zu versehen, damit der Ofen während des Betriebs auch im Wasser steht. Denn, da waren sich die für den Ofenbetrieb, das Beschicken und das Vorbereiten des Backguts verantwortlichen Katja Fuchs und Lothar Frey einig, eine Schräglage könnte womöglich unvorteilhafte bis fatale Folgen auf das Backergebnis haben, wenn sich zum Beispiel bei einem Salzkuchen der flüssige Belag in Schieflage auf Wanderschaft begeben und den Boden verlassen würde.

Bei dem Ofen selbst handelt es sich um ein Wunderwerk modernster Technik. Geheizt wird er in einem separaten Raum unterhalb des eigentlichen Backbereichs mit Holzscheiten; dadurch sei auch kontinuierlicher Dauerbetrieb bei gleichbleibender Backtemperatur möglich, begeisterten sich Fuchs und Frey. Und es müssten nicht vor jeder Beschickung erneut im Backraum „Gräle“ verbrannt und mit der kontinuierlich abfallenden Temperatur jongliert werden.

Der mit Schamotte ausgekleidete Backraum selbst ist rechtwinklig, wodurch in seinem Innenraum überall stets dieselbe Temperatur herrsche, so die Erklärung der beiden Backspezialisten. Das Backgut müsse also nicht umgebeugt werden. Die Temperatur selbst werde über ein Außenthermometer kontrolliert, und ein elektrisch betriebenes Gebläse könne dazugeschaltet werden, sodass sogar auf zwei Ebenen gleichzeitig gebacken werde könne. Der Gipfel des Luxus ist für Lothar Frey, dass eine bereits im Verein vorhandene Backwanne exakt in den 65 mal 100 Zentimeter großen Backraum passt, sodass selbst Spanferkel und Schweinenacken perfekt gelingen.

Damit sich die Sponsoren auch persönlich davon überzeugen konnten, dass ihr Geld und ihre Sachleistungen genau richtig angelegt sind, hatte der Verein am Samstag vor der Radsporthalle zum Probebacken und -essen eingeladen. Die perfekt gelungenen Flammkuchen sowie die dazu gehörenden flüssigen Begleiter servierten Anna Idler und Angelika Bäßler, Martin Fuchs war für den Getränkenachschub verantwortlich und die Patenschaftsurkunde für den „Mobi-Back von Rems“ unterzeichnete für die Stadt Backnang Stefan Setzer.

Die Stadt heizt notfalls auch ein

Die Patenschaftsurkunde für das mobile Backhaus, die Backnangs Baudezernent Stefan Setzer für die Stadt Backnang unterzeichnete, hat den folgenden Wortlaut:

„Ab heute ist die Stadt Backnang vertreten durch Herrn Setzer mein Pate. Sie wird mich auf meinen Wegen begleiten. Sie wird immer für mich da sein und mir hilfreich zur Seite stehen. Notfalls auch beim Einheizen, Auskehren oder bei der Beschaffung von Feuerholz. Sie dankt mir für meine Einsätze in Kindergärten, Schulen, sozialen Einrichtungen und bei öffentlichen Veranstaltungen. Sie hat stets ein offenes Ohr für meine Anliegen und derer, die betreuen und pflegen.“

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Erstellt:
14. September 2020, 06:00 Uhr

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