Der Zukunftsplan mit dem Erfolgstrainer

Der VfB Stuttgart möchte den Vertrag von Sebastian Hoeneß verlängern – noch vor Beginn der kommenden Saison.

Vater des Höhenflugs: Sebastian Hoeneß hat den VfB vom letzten Tabellenplatz auf Rang drei geführt.

© Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Vater des Höhenflugs: Sebastian Hoeneß hat den VfB vom letzten Tabellenplatz auf Rang drei geführt.

Von David Scheu

Stuttgart - Das Jahr ist noch recht jung, beim VfB Stuttgart sind aber schon wichtige personelle Weichen gestellt worden. Mit gleich drei Stammkräften haben die Verantwortlichen die ursprünglich bis 2025 laufenden Arbeitspapiere vorzeitig verlängert, in kurzen Abständen innerhalb weniger Wochen. Erst mit Mittelfeldspieler Enzo Millot, dann mit Kapitän und Abwehrchef Waldemar Anton, schließlich mit Flügelstürmer Chris Führich.

Ein ganz wichtiger Angestellter aber fehlt noch auf dieser Liste, dessen Vertrag in Bad Cannstatt ebenfalls im Sommer des nächsten Jahres endet: der Trainer. Seit seinem Amtsantritt vor zehn Monaten hat Sebastian Hoeneß die Stuttgarter vom letzten Tabellenplatz in der Bundesliga auf Rang drei und damit in Champions-League-Sphären geführt – und obendrein mit attraktivem Fußball das bundesweite Image des Clubs mächtig aufpoliert. Dass der VfB den Vater seines Höhenflugs liebend gerne langfristig an den Verein binden möchte, kann deshalb wirklich niemanden ansatzweise überraschen.

Allzu viel Zeit will man sich in Sachen Vertragsverlängerung nicht mehr lassen. Nach Informationen unserer Redaktion haben bereits erste Vorgespräche stattgefunden, die zeitnah in konkrete Verhandlungen münden werden. Der Zeitplan: Es soll unbedingt vermieden werden, in die kommende Saison 2024/25 mit einem auslaufenden Hoeneß-Vertrag und einer damit offenen Konstellation zu gehen. Zudem ist der Trainermarkt mit Blick auf den kommenden Sommer spätestens seit den Ereignissen vom Mittwoch auch in Deutschland ein aufgewühlter.

Der FC Bayern München hat die Trennung von Chefcoach Thomas Tuchel zum Saisonende bekannt gegeben, womit das Trainerkarussell neue Fahrt aufnehmen wird. Der Kandidatenkreis für die Tuchel-Nachfolge ist dabei aber groß und illuster, er umfasst längst nicht nur Hoeneß. Als Topkandidat gilt Leverkusens Erfolgscoach Xabi Alonso, der jedoch auch im Fokus des FC Liverpool steht. Im Fall eines Abgangs würde Bayer wiederum einen neuen Trainer mit Offensivgeist benötigen.

Rund um den FC Bayern fällt Hoeneß’ Name allerdings schon seit Monaten immer mal wieder. Im vergangenen Oktober hatte der Münchner Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen auf die Frage nach Hoeneß als möglichem künftigem Bayern-Trainer geantwortet: „Langfristig darf man so etwas nie ausschließen. Wir beobachten seine Entwicklung. Man wird sehen, was die Zukunft bringt.“ Einen direkten Draht an die Säbener Straße gibt es allein aus familiärer Sicht. Vater Dieter Hoeneß berät seinen Sohn Sebastian. Bayern-Macher Uli Hoeneß ist der Onkel des aktuellen VfB-Trainers.

In Stuttgart ist die Klärung der Vertragsfrage beim Cheftrainer ob der Geschehnisse in München und anderswo auf jeden Fall nicht weniger dringlich geworden. Momentan fordert der Liga-Alltag mit Partien im Wochenrhythmus zwar den vollen Fokus des Trainerteams, schon Mitte März aber bietet eine Länderspielpause die nötige Zeit für einen vertieften Austausch.

Die Aussichten auf eine Einigung stehen dabei im Grunde nicht schlecht. Denn auch Hoeneß selbst kann sich eine Ausdehnung der Zusammenarbeit gut vorstellen – aus mehreren Gründen. Der 41-Jährige hat seine persönliche Zufriedenheit beim VfB seit seinem Amtsantritt wiederholt zum Ausdruck gebracht und nimmt genau wahr, dass etwas heranwächst am Neckar. Sportlich durch die rasante Entwicklung der Mannschaft, mit der er seine Vorstellung von dominantem Ballbesitzfußball umsetzen kann. Perspektivisch durch die jüngsten Vertragsverlängerungen mit den drei Schlüsselspielern. Und auch finanziell durch den Einstieg von Porsche als neuem Investor.

Hinzu kommt: Neben der sportlichen Perspektive winkt Hoeneß auch eine Gehaltsanpassung, die seinem gestiegenen Standing Rechnung tragen würde. Als der VfB-Coach im April 2023 seine Unterschrift unter den aktuell gültigen Vertrag setzte, war er zwar ein aufstrebender und geschätzter Trainer – hatte aber eben auch erst eine Bundesliga-Station in der Vita (TSG Hoffenheim), war zuvor ein Dreivierteljahr ohne Anstellung gewesen und heuerte bei einem Abstiegskandidaten an. Jetzt hat sich die Lage grundlegend gewandelt: Sebastian Hoeneß gilt als einer der gefragtesten Fußballlehrer in Deutschland.

Auf Konjunktive, Zukunftsmusik und Spekulationen gibt der Stuttgarter Trainer allerdings nicht viel. „Wer zu weit nach vorne schaut“, lautet ein Hoeneß-Mantra, „verliert den Fokus.“ Das gelte für die Arbeit mit der Mannschaft, aber auch für seine persönliche Karriereplanung – falls es die überhaupt gebe. In der Gegenwart gibt es für Hoeneß mit dem VfB Stuttgart eine ganze Menge zu erreichen, die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb ist greifbar. Begleitet von einer Vertragsverlängerung? Bald wird Klarheit herrschen.

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Erstellt:
21. Februar 2024, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2024, 21:51 Uhr

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