Deutliche Unterschiede im Einkommen

NGG mahnt Mindereinkommen von nicht nach Tarif Bezahlten an.

Angestellte in Hotels verdienen ohne Tarifvertrag deutlich weniger. Foto: NGG

Angestellte in Hotels verdienen ohne Tarifvertrag deutlich weniger. Foto: NGG

BACKNANG (pm). 5,79 Euro Verdienstunterschied für jede geleistete Arbeitsstunde: Beschäftigten, die im Rems-Murr-Kreis nicht nach Tarif bezahlt werden, entgehen je nach Beruf und Betrieb monatlich mehrere Hundert Euro. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit Blick auf neue Zahlen des Statistischen Bundesamts hingewiesen. In Baden-Württemberg verdienen danach Beschäftigte, die in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, im Schnitt 21,33 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifvertrag seien es lediglich 15,54 Euro. „In der Coronakrise wird diese Einkommenskluft teils noch größer. Denn wo ein Tarifvertrag gilt, stocken Firmen häufiger das staatliche Kurzarbeitergeld auf“, sagt Hartmut Zacher von der NGG-Region Stuttgart. Wer etwa in der Systemgastronomie (beispielsweise Schnellrestaurants) arbeite, komme in Kurzarbeit auf 90 Prozent des Nettoeinkommens – per tariflicher Regelung. In Hotels und Gaststätten ohne Tarifvertrag oder Betriebsrat seien Beschäftigte im Zuge der Pandemie hingegen deutlich häufiger von existenziellen Nöten betroffen – bis hin zur Sorge um ihren Arbeitsplatz. „Umgekehrt sorgen Arbeitnehmervertreter aber auch dafür, dass zusätzliche Belastungen erträglich bleiben. So haben sich in der Ernährungsindustrie Arbeitszeitkonten bewährt, mit denen Auftragsspitzen, etwa durch Hamsterkäufe, bewältigt werden können“, erklärt Zacher.

Der Gewerkschafter ruft die Unternehmen im Lebensmittel- und Gastgewerbe des Rems-Murr-Kreises dazu auf, sich gerade in Pandemiezeiten zu Tarifverträgen zu bekennen. Durch faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen könnten sie Fachpersonal halten, das auch nach der Krise dringend gebraucht werde. Zugleich profitiere die öffentliche Hand: Nach einer DGB-Studie würden die Einnahmen durch die Einkommensteuer in Baden-Württemberg um 1,6 Milliarden Euro steigen, wenn alle Beschäftigten nach Tarif bezahlt würden, so die NGG. Die Sozialversicherungen kämen auf ein Plus von 2,6 Milliarden Euro. Die Kaufkraft von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern würde sogar um 3,7 Milliarden Euro wachsen.

Die Ergebnisse der Studie sind im Internet unter www.dgb.de/zukunftsdialog/tarif/tarifflucht-atlas abrufbar.

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Erstellt:
5. November 2020, 16:00 Uhr

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