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Deutsche Bahn nimmt wieder ICE-4-Züge ab

dpa Berlin/München. Bahnkunden können aufatmen - zumindest ein bisschen: Die Bahn nimmt fortan wieder die neuen ICE-4-Züge der Hersteller ab. Monatelang hatte sie die Abnahme wegen Produktionsmängeln verweigert, nun gibt es eine Einigung.

Nach Produktionsmängeln beim neuen ICE 4 nimmt die Deutsche Bahn nun wieder die Züge der Hersteller Siemens und Bombardier ab. Foto: Daniel Bockwoldt

Nach Produktionsmängeln beim neuen ICE 4 nimmt die Deutsche Bahn nun wieder die Züge der Hersteller Siemens und Bombardier ab. Foto: Daniel Bockwoldt

Nach Produktionsmängeln beim neuen ICE 4 nimmt die Deutsche Bahn nun wieder die Züge der Hersteller Siemens und Bombardier ab.

„Wir werden bereits in den kommenden Tagen fünf ICE-4-Züge abnehmen und sofort im Fahrplan einsetzen“, teilte Personenverkehrs-Vorstand Berthold Huber am Mittwoch mit. Zuvor hatten beide Produzenten darüber informiert, dass Hersteller, Betreiber und das Eisenbahnbundesamt sich auf ein Ausbesserungskonzept geeinigt hätten.

„Mehr Fahrzeuge bedeuten deutlich mehr Fahrgastkomfort, bedeuten eine bessere Planbarkeit und Pünktlichkeit“, teilte Huber mit. Fortan solle wieder im vereinbarten Drei-Wochen-Rhythmus ein neuer Zug dazukommen.

Die Bahn hatte die Auslieferung der Züge im Frühjahr gestoppt. An einzelnen Wagenkästen waren fehlerhafte Schweißnähte entdeckt worden, die Sicherheit war dadurch nicht beeinträchtigt. Die bis dahin ausgelieferten 25 Züge fuhren weiter. Die Bahn hatte Siemens und Bombardier aber aufgefordert, die betroffenen Fahrzeuge im Rahmen der Gewährleistung auszubessern. Siemens verweist bei dem Fehler auf Bombardier, das für die Produktion der fehlerhaften Teile verantwortlich sei.

„Eine Ausbesserung erfolgt im laufenden Betrieb im Rahmen der Gewährleistung durch Bombardier Transportation“, teilten beide Unternehmen nun mit. „Der detaillierte Zeitplan wird derzeit zwischen den Herstellern und der Deutschen Bahn ausgearbeitet.“ Die Ausbesserung solle nach jetzigem Planungsstand ab Anfang 2020 beginnen und bis Mitte 2023 abgeschlossen sein. Einschränkungen im Fahrgastbetrieb solle es keine geben.

Die Flotte fährt ohnehin schon an der Belastungsgrenze. Der Lieferstopp der neuen Züge machte sich daher auch im laufenden Betrieb bemerkbar. Die neuen Züge sollten eigentlich schon seit dem 9. Juni auf den Strecken für Entlastung sorgen. „Es gelang zwar, die ICE 4 durch Züge anderer Baureihen zu ersetzen, allerdings zulasten der Flottenverfügbarkeit und letztlich auch der Pünktlichkeit“, hatte die Bahn Anfang Juli mitgeteilt. Nicht einmal 70 Prozent der Züge im Fernverkehr waren im vergangenen Monat pünktlich - das lag neben heftigen Unwettern und Hitzerekorden eben auch an den fehlenden ICE 4.

Mit den nun verfügbaren fünf weiteren ICE-4-Zügen könnten insgesamt 30 eingesetzt werden, teilte Siemens mit. „In weiterer Folge wird die Deutsche Bahn dann wieder wie ursprünglich geplant ICE-4-Fahrzeuge erhalten und unmittelbar in Betrieb nehmen.“ Bis 2025 will die Bahn die Flotte auf 137 erhöhen. Der Gesamtauftrag für den ICE 4 umfasst sechs Milliarden Euro. Der neue Zug soll helfen, Verspätungen und Ausfälle zu verringern. Die ersten ICE 4 sind seit Ende 2017 auf den Gleisen.

Die direkten Kosten des Lieferstopps tragen zwar die Hersteller. Die Siemens-Sparte Mobility ist Generalunternehmer für den ICE 4. „Der Lieferanteil von Bombardier Transportation liegt bei rund einem Drittel“ und umfasse unter anderem die Lieferung aller lackierten Rohbauwagenkästen, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung weiter. Darunter fallen also auch die fehlerhaften Teile.

Doch auch für die Bahn geht es ins Geld: Um einen alten ICE einen Kilometer fahren zu lassen, gibt sie 30 Euro aus, etwa für Strom, Trassengebühren und Abschreibungen. Beim ICE 4 kalkulieren die Manager mit nur 25 Euro, weil der beispielsweise weniger Strom verbraucht.

Neben dem Aufstocken der Flotte will die Bahn an mehreren Stellen nachbessern, um aus der Krise zu kommen. Unter der Überschrift „Starke Schiene“ soll sich der Staatskonzern wieder stärker auf sein Kerngeschäft besinnen: die Eisenbahn in Deutschland. Nach erheblichen Problemen auf dem Heimatmarkt zieht die Bahn damit endgültig einen Schlussstrich unter frühere internationale Expansionspläne. Die Kapazität des Schienennetzes soll um 30 Prozent steigen. Investieren will die Bahn vor allem in Mitarbeiter, neue Züge und Infrastruktur.

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Erstellt:
17. Juli 2019, 16:46 Uhr

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