Iran-Krieg

Deutsche Soldaten an den Golf?

Donald Trump versucht, den Einsatz der Nato außerhalb des Bündnisgebietes zu erpressen und den Vertrag der Allianz zu biegen.

Ein deutscher Kampfschwimmer geht während eine Übung an Land: außerhalb des Bündnisgebietes.

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Ein deutscher Kampfschwimmer geht während eine Übung an Land: außerhalb des Bündnisgebietes.

Von Franz Feyder

Mehr als 150 Öl- und Gastanker stauen sich als Folge der amerikanisch-israelischen Luftangriffe auf den Iran vor der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus. Die Meerenge gilt als von iranischen Militärs blockiert. Ein Schlepper sank, mindestens elf Handelsschiffe wurden bereits beschädigt. Der Iran will die Schiffspassage extrem riskant machen und die Versicherungsprämien und Energiepreise weltweit explodieren lassen. US-Präsident Donald Trump hat die Lage nicht mehr unter Kontrolle und fordert Hilfe vor allem von seinen Nato-Verbündeten ein. „Wenn es keine Reaktion gibt oder wenn die Reaktion negativ ausfällt, wird das meiner Meinung nach sehr schlecht für die Zukunft der Nato sein“, versucht er die Alliierten zu erpressen.

Warum ist die Straße von Hormusstrategisch bedeutsam? An ihrer engsten Stelle ist die Meerenge 29 Seemeilen, also etwa 54 Kilometer breit. Die eigentlichen beiden Fahrspuren sind noch enger: Die Einfahrtsroute in den Persischen Golf und die Ausfahrtsroute sowie eine Pufferzone zwischen beiden sind etwa elf Kilometer breit. Die Schiffe passieren die iranische Küste 20 bis 25 Kilometer entfernt, manche sogar näher. 2025 passierten täglich 20 Millionen Barrel Öl, mehr als 3,18 Milliarden Liter die Straße. Das entspricht 25 Prozent des weltweiten Öl-, 20 Prozent des Gas- und Flüssigkeitshandels.

Wie sichert der Iran die Enge? Nördlich der Meerenge erhebt sich parallel zur und bis unmittelbar an die Küste heranreichend das Zagros-Gebirge mit bis zu 1200 Meter hohen Küstenbergen und Hinterlandgipfel bis zu 2347 Metern. Zudem sind vor der Küste die drei felsigen Inseln Qeshm, Hormus und Larak mit bis zu 400 Meter hohen Bergen. Schiffe passieren auf ihrer acht bis zwölf Stunden langen Fahrt durch die Enge diese Inseln in kurzer Entfernung. Iranische Militärs haben diesen Bereich mit unterirdischen Anlagen auf einer Länge von 200 Kilometern befestigt, Land-See-Waffen- sowie Startanlagen für Antischiffsdrohnen gebaut. Rund um den Hafen Bandar Abbas wurden ebenfalls unterirdische und -seeische Anlagen angelegt. Hier ist zudem das Hauptquartier der 1. Marineinfanteriebrigade der Revolutionsgarde. Ein Eliteverband, der auf asymmetrische Kriegsführung und Kommandooperationen spezialisiert ist. Auch die drei vorgelagerten Inseln gelten als militärisch größtenteils unterirdisch gut ausgebaute Vorposten. In der Meerenge selbst haben Taucher nach offenen Quellen Sensoren verlegt.

Was müsste Trump tun, um die Blockade der Meerenge aufzuheben? Aus der Luft oder von See her ließe sich die Blockade nicht beseitigen. Dazu müssten Bodentruppen auf dem 200 Kilometer langen Küstenstreifen angelandet werden, die ihn in einer Tiefe von bis zu 80 Kilometern kontrollieren. Um diesen Küstenstreifen freizukämpfen und zu halten sind etwa 100 000 Soldaten notwendig, die das Gefecht der Verbundenen Waffen führen können – also Infanterie, Kampf-, Aufklärungs-, Schützenpanzer, Artillerie, Luftwaffe, weitreichende Schiffsartillerie.

Was sagt der Nato-Vertrag über einen möglichen Einsatz des Bündnisses? Der Nato-Bündnisfall gilt nur für einen bewaffneten Angriff auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedsstaates der Allianz. Dieser muss in dem in Artikel 6 des Nato-Vertrags klar definierten Raum im Norden des amerikanischen Kontinents, des Atlantiks oder Europas erfolgen. Als klar definierte südliche Grenze des Bündnisraumes wird der Wendekreis des Krebses genannt. Das ist quasi eine gedachte Linie von Mexiko über den Atlantik, die nordafrikanische Sahara und den Norden der Arabischen Halbinsel. In diesem Gebiet muss entweder das Hoheitsgebiet eines Mitgliedsstaates liegen. Oder Schiffe und Flugzeuge im Mittelmeer oder im Nordatlantik nördlich des Wendekreises des Krebses. Das ist hier jedoch nicht der Fall.

Wäre ein Einsatz der Nato trotzdem möglich? Ja. Wenn diese Bedingungen erfüllt würden: Politischer Beschluss im Nordatlantikrat, dem wichtigsten Entscheidungsgremium der Nato. Einstimmige Zustimmung aller Mitglieder. Und: Bereitstellung der Mittel und Streitkräfte, die jedes einzelne Mitgliedsland für angemessen hält.

Staaten, die Trump unterstützen wollen, können dies freiwillig ohne Rückgriff auf die Fähigkeiten der Nato tun. Sie würden dazu einen Beistandsvertrag mit den USA schließen, wie es beispielsweise einige Staaten beim Golfkrieg 1990 und beim Golfkrieg 2003 getan haben. Wie solche Verträge ausgestaltet werden und welche Verpflichtungen sie genau beinhalten, ist Verhandlungssache zwischen den Vereinigten Staaten und dem jeweiligen Land.

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Erstellt:
17. März 2026, 07:06 Uhr

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