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Ifo-Index stürzt auf Rekordtief

dpa Nürnberg/München. Ein Einbruch der Wirtschaftsleistung, Millionen von Kurzarbeitern und eine desaströse Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen. Führende Wirtschaftsforscher malen ein düsteres Bild von dem, was die Corona-Krise in Deutschlands Wirtschaft anrichtet.

Die Coronakrise trifft die deutshe Wirtschaft „mit voller Wucht“, sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Coronakrise trifft die deutshe Wirtschaft „mit voller Wucht“, sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so schlecht wie nie - und durch die Corona-Krise trüben sich auch für die Beschäftigten die Aussichten ein. Der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex stürzte im April auf ein Rekordtief.

Der wichtigste Frühindikator zur Konjunkturentwicklung brach um 11,6 Punkte auf 74,3 Zähler ein, wie das Münchner Institut am Freitag mitteilte. Das ist der stärkste jemals gemessene Rückgang sowie der tiefste Wert überhaupt. Das dämpft die Hoffnung auf eine rasche Erholung der Wirtschaft. Ifo-Präsident Clemens Fuest sprach von einer „katastrophalen“ Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen: „Die Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht.“

Das zeigen auch Prognosen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Deren Ökonomen sagen einen Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland um 8,4 Prozent in diesem Jahr voraus - dazu in der Spitze drei Millionen Arbeitslose. Die Zahl der Kurzarbeiter werde im Jahresschnitt auf 2,5 Millionen steigen - ein einsamer Rekord, der die Verhältnisse zur Finanzkrise 2008 und 2009 bei weitem in den Schatten stellt. „Die deutsche Wirtschaft stürzt in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte“, heißt es in dem Bericht des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit.

Tags zuvor hatte bereits der Konsumforscher GfK den schlechtesten jemals gemessenen Wert beim Konsumklima der privaten Verbraucher ermittelt. Die deutschen Konsumenten seien in eine „Schockstarre“ versetzt worden, hieß es.

Beim Ifo-Geschäftsklimaindex hatten Analysten nach dem sehr starken Einbruch im Vormonat einen weiteren Rückgang erwartet, allerdings nur auf 79,7 Punkte. Der Index deutet darauf hin, dass es in den kommenden Monaten auch in der Baubranche rapide abwärts gehen könnte, die bislang noch eine Stütze der Konjunktur ist. Mit ihrer aktuellen Lage sind die Baufirmen zwar mehrheitlich noch zufrieden, aber der Index für das Bauhauptgewerbe sei noch nie so stark gesunken.

In den übrigen Bereichen der deutschen Wirtschaft verdüstern sich die Aussichten immer weiter. In der Industrie sind die Erwartungen demnach von „massivem Pessimismus“ geprägt. Die aktuelle Geschäftslage der Industriefirmen habe sich dramatisch verschlechtert, und die Erwartungen fielen auf ein historisches Tief. In der Dienstleistungsbranche herrscht laut Ifo bei den Erwartungen „Pessimismus ohne Beispiel“. Im Handel setzte sich der Sturzflug der Stimmungsindikatoren ebenfalls fort.

Nach Einschätzung der Nürnberger IAB-Arbeitsmarktforscher dürfte der Sprung der Arbeitslosigkeit über die Drei-Millionen-Grenze nicht von Dauer sein - Voraussetzung ist allerdings die Annahme, dass sich die Lage bis zum Jahresende weitgehend normalisiert.

„Die Werte fallen deutlich drastischer aus als in den Frühjahrsprognosen vom März dieses Jahres, als etliche Informationen, etwa zum Fortgang der Eindämmungsmaßnahmen, zum Produktionsstopp in der Automobilindustrie, zur Aussetzung der Vermögensprüfung in der Grundsicherung und zu vielen internationalen Entwicklungen, noch nicht verfügbar waren“, räumt das Nürnberger Institut ein. Diese Prognosen waren noch davon ausgegangen, dass der Wirtschaftseinbruch kürzer und weniger heftig ausfallen würde. „Die Wirtschaft gerät durch den Shutdown, den Einbruch der Weltkonjunktur und die hohe Unsicherheit unter enormen Druck“, sagte IAB-Volkswirt Enzo Weber, Mitautor des Berichtes.

Es sei jetzt aber auch nicht mehr auszuschließen, dass sich die derzeitige Rezession zu einer globalen, systemischen Krise auswachsen könnte. Dabei würden immense und langanhaltende Schäden in der Real- und Finanzwirtschaft entstehen.

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Erstellt:
24. April 2020, 10:30 Uhr

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