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DGB und IG Metall kämpfen für Europa

Große Kundgebung am 1. Mai in Waiblingen – Weitere Themen sind Tarifverhandlungen und der Weg in die Zukunft der Arbeit

Traditionell  findet zum ersten Mai eine Kundgebung statt. Foto: privat

© Benjamin Büttner

Traditionell findet zum ersten Mai eine Kundgebung statt. Foto: privat

Von Pia Eckstein

WAIBLINGEN. „Europa. Jetzt aber richtig!“ Dieser Slogan steht über der 1.-Mai-Demonstration in Waiblingen. Die Gewerkschaften wollen ihre Mitglieder gegen vermeintlich einfache Lösungen einschwören und stellen die Wahlen in den Fokus. Doch es gibt noch mehr Arbeit: Tarifgespräche im Kfz-Handwerk, die Zukunft der Arbeit und die Rentenprobleme treiben die Gewerkschafter um. „Die Menschen müssen wählen gehen“, sagt Dominik Gaugler vom DGB.

Und Matthias Fuchs von der IG Metall ergänzt: Es sei eine Farce, dass sich überall in Europa Rechtspopulisten ins europäische Parlament wählen lassen, um dann genau diese Union von innen heraus zu zerstören. Europa, sagen die Gewerkschaften, sei in Gefahr. Und brauche außerdem einen Schubs weg von der Umsetzung der Interessen der Märkte hin zum Schutz der sozialen Bedürfnisse der Menschen.

Weg vom Dumping-Wettbewerb hin zu Standards für gute Arbeitsbedingungen, hin zu gleichen Chancen, zu Zukunftsinvestitionen, die das Leben der Menschen verbessern. Die Gewerkschaften machen also am 1. Mai, am Tag der Arbeit, bei ihrer traditionellen großen Demonstration und ihrer Kundgebung in Waiblingen Europapolitik und Wahlkampf.

Doch die Gewerkschaften sind nach wie vor auch an ihren ureigensten Themen: Aktuell stehen Tarifverhandlungen beim Kfz-Handwerk an. Fünf Prozent mehr, so lautet die Forderung. Und Azubis sollen noch ein Extraplus bekommen. Dieses Bonbon, an verschiedenen Berufsschulen diskutiert, öffnet die Herzen der jungen Menschen für die IG Metall.

Das ist wichtig, steckt diese doch als Industriegewerkschaft zunehmend in einem gesellschaftlichen Spannungsfeld. Die Freitagsdemos der Schülerinnen und Schüler sieht Gewerkschafter Matthias Fuchs positiv. Doch sie stehen noch zumindest konträr zu den Zielen und Wünschen der Menschen, die die IG Metall vertritt. Die Metall verarbeitende Industrie produziert schließlich zum großen Teil noch Dinge, die dem Klimaschutz nicht zuträglich sind. Doch auch hier greift der Umbruch um sich. E-Mobilität, CO2-Vermeidung, Digitalisierung. Die Unternehmen steigen in die Arbeitswelt der Zukunft ein. Alle diese Punkte können zum Nutzen für Mensch, Unternehmen und Umwelt sein. Sie können aber auch, vor allem für die Arbeitnehmer, ungewünschte Folgen haben. Ein Roboter, elektrisch betrieben, digital mit der ganzen Produktionslinie verbunden, kann rechtzeitig beim Arbeiter sein, um das schwere Werkteil zu übernehmen, zu halten, zu bewegen, während der Arbeiter montiert, was dranzuschrauben ist.

Eine Erleichterung, ein Vorteil. Der Roboter könnte aber auch den Arbeitsplatz vernichten, weil er die Schrauben auch noch selbst dreht. Es sei, sagt Matthias Fuchs, alles sehr komplex, es gebe kein eindeutiges Gut oder Böse, auch die IG Metall suche noch nach dem eigenen Standpunkt.

Für den Überblick über die Situationen vor Ort werden jetzt erst mal die Unternehmen befragt. Schon jetzt ist klar: Die Veränderungen kommen. Die Betriebe bereiten ihre Mitarbeiter zu wenig auf diese Veränderungen vor. Doch so, wie die Unternehmen in der Verpflichtung sind, müssen auch die Mitarbeiter bereit sein, sich weiterzuentwickeln. Bei Bosch in Murrhardt und Waiblingen, bei Omexom in Fellbach war Fuchs schon, Stihl kommt demnächst dran. Die Zukunft, sagt Fuchs, kommt nicht, wie viele es erwarten, mit einem lauten Knall.

Sondern sie schleicht sie peu à peu in die Arbeit ein. Die Menschen müssen mitgehen können. Die Gewerkschaften haben nicht nur am 1. Mai, sondern immer zu tun. Denn sonst, sagt Dominik Gauger, staue sich Frust auf. Frust führe zum Wunsch nach einfachen Lösungen. Einfache Lösungen aber seien, wie just jetzt Europa zeige, keine Lösung.

Info
Vortrag und Demo

Zum sogenannten Vormai lädt der DGB-Ortsverein Schorndorf am Montag, 29. April, ab 19.30 Uhr in der Manufaktur in Schorndorf ein.

Es liest Werner Rügemer aus seinem Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“.

Die Demo am 1. Mai beginnt um 10.30 Uhr vor der Pforte des Stihl-Werks 6, Stuttgarter Straße in Waiblingen. Ab 11 Uhr ist Kundgebung auf dem Marktplatz. Es spricht der ehemalige IG-Metall-Vorstand Horst Schmitthenner. Für die Musik sorgt Liedermacher Ralf Glenk. Bis 16 Uhr findet dann noch das Maifest mit Bewirtung, Infoständen und einem Kinderprogramm statt.

Dieses Jahr demonstrieren die Gewerkschafter für Europa: Aus dem „Friedensprojekt“ müsse ein „Sozial- und Demokratieprojekt“ werden.

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Erstellt:
25. April 2019, 06:00 Uhr

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