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Die Chefin der Waiblinger Polizei

Barbara Petersen ist die neue Leiterin des Polizeireviers – Warum ihr die Wertschätzung der Arbeit und klare Worte wichtig sind

Für die Frauen bei der Polizei fängt das neue Jahr gut an: Die neue Landespolizeipräsidentin heißt Stefanie Hinz, und auch an der Spitze der Waiblinger Polizei steht jetzt eine Frau: Barbara Petersen ist seit 1. Januar die neue Leiterin des Polizeireviers Waiblingen.

Barbara Petersen ist seit 1. Januar die neue Leiterin des Polizeireviers Waiblingen.  Foto: G. Habermann.

© Gabriel Habermann

Barbara Petersen ist seit 1. Januar die neue Leiterin des Polizeireviers Waiblingen. Foto: G. Habermann.

Von Jutta Pöschko-Kopp


WAIBLINGEN. Für die 55-jährige Barbara Petersen, die als Leiterin der Kriminalinspektion 7 zuletzt 80 Leute unter sich hatte, ging damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. „Ich wollte noch etwas Neues in Angriff nehmen und weitere Herausforderungen annehmen“, sagt sie. Die Zahl der Frauen bei der Polizei steigt. Doch je höher in der Hierarchie und je besser dotiert die Stellen sind, desto dünner wird die Luft. Schon 2016 hatte die Kriminaloberrätin und zweifache Mutter bei einem Gespräch mit der Zeitung klar angekündigt, dass sie sich auf jeden Fall weiterbewerben wolle – dass man dafür aber gefördert werden müsse. „Je höher man kommt, desto mehr Männer trifft man an“, hatte sie gesagt. „Und das sind die Entscheider.“

Die Zeit ist reif für eine Frau an der Spitze

Als sie sich vor einem Jahr um die Stelle des Leiters des Polizeireviers in Schwäbisch Gmünd bewarb, machte zu Petersens Überraschung ein anderer Bewerber das Rennen. Doch nun ist die Zeit offenbar reif für eine Frau an der Spitze eines großen Polizeireviers mit mehr als 100 Mitarbeitern. Neu ist für Barbara Petersen dabei vor allem der Kontakt mit der Öffentlichkeit. Als Chefin verantwortet sie nicht nur die Arbeit ihres Polizeireviers nach außen, sondern ist bei Großeinsätzen auch selbst vor Ort. Zu kämpfen hat sie unter anderem auch mit begrenzten Personalressourcen und in Zukunft mit dem anstehenden Generationswechsel bei der Polizei. Die Professionalität der Arbeit dürfe darunter nicht leiden, ist sie überzeugt, zumal sie weiß: Die Gesamtkriminalität nimmt ab – „doch das subjektive Sicherheitsgefühl des Bürgers ist ein anderes, und das gilt es zu verbessern“.

Barbara Petersen stammt aus einer Polizistenfamilie. Sie ist Polizistin aus Leidenschaft – und die bringt sie auch ins Polizeirevier Waiblingen mit. „Ich bin mit dem Beruf aufgewachsen“, sagt sie. „Ich kenne viele Kollegen und Kolleginnen, ihre Sorgen und Nöte auf der Straße.“ Dabei weiß sie, dass angesichts der hohen Einsatzzahlen die Wertschätzung der Arbeit besonders wichtig ist, sie mit den Kollegen deshalb immer im Gespräch bleiben muss. „Es gibt auch Vorbehalte mir gegenüber“, sagt die neue Chefin. „Ich bin mir bewusst, dass sich manche Kollegen einen der anderen Bewerber als Chef gewünscht hätten.“ Für Barbara Petersen, die sich selbst als Freund klarer Worte bezeichnet, ist das kein Problem: „Ich möchte gerne mit meinen Fähigkeiten überzeugen. Aber die Leute dürfen Vorbehalte haben. Ich kann auf so einer Stelle nicht Everybody’s Darling sein.“

Mit Aufbruchstimmung und viel Lust darauf, Neues kennenzulernen, ist die 55-Jährige in ihren neuen Job gestartet. Polizistin war und ist schon immer ihr Traumberuf. 2005 hatte sie ihr Studium an der Polizei-Führungsakademie in Münster-Hiltrup abgeschlossen und war danach ins Polizeipräsidium Stuttgart gewechselt. Sie arbeitete im Vorbereitungsstab für die Fußball-WM als Verbindungsfrau zur Fifa, im Vorbereitungsteam für große Polizeieinsätze wie bei Stuttgart-21-Demos und schließlich als Mitarbeiterin bei der Vorbereitung der Polizeistrukturreform. 2014 wechselte sie zur Kriminalpolizeidirektion Waiblingen, wo sie als Leiterin der Kriminalinspektion 7 für rund 80 Mitarbeiter verantwortlich und für die Bereiche Fahndung und Kriminaldauerdienst, die Datenstation, zentrale Finanzermittler und die zentrale Führung von Vertrauenspersonen zuständig war.

Morgens findet sie die Uniform richtig praktisch

Sechs Jahre später hat sie nun erneut den Schreibtisch gewechselt – und trägt jetzt auch wieder Uniform. Die findet sie schon deshalb praktisch, weil sie sich auf diese Weise morgens keine Gedanken darüber zu machen brauche, was sie anziehen soll. Schnell und effizient ist Barbara Petersen aber nicht nur frühmorgens, sondern auch im Gespräch. In ihrem Beruf habe sie gelernt, unmissverständlich zu formulieren, erklärt sie. Und als Führungskraft gebe sie klare Richtlinien vor. Lange Mails verschickt sie nie, und Besprechungen dauern bei ihr nie länger als veranschlagt. Eine Stunde – das reicht: „Danach kommt man nicht weiter“, findet sie. „Irgendwann ist alles gesagt.“

Info
Innenministerium

Barbara Petersen übernimmt das Polizeirevier, das zuletzt übergangsweise vom Leiter der Führungsgruppe, dem Ersten Polizeihauptkommissar Norbert Eidher, geleitet worden war. Ein Wechsel an der Spitze des Reviers war nötig geworden, weil sich der bisherige Chef Daniel Kerzenmacher nach einem Jahr im Amt einen neuen Job gesucht hat: Der Polizeirat ist seit Mitte Oktober Referent für Polizeitechnik im baden-württembergischen Innenministerium.

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Erstellt:
8. Januar 2020, 06:00 Uhr

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