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Die Dieselumrüstung kommt nicht in Gang

Regierung hat vor halbem Jahr Hardware-Nachrüstung eingefordert – Hersteller hinken hinterher

Umweltschutz - Nachrüstsätze für Privat-Pkw werden frühestens im Herbst zur Verfügung stehen. Bei städtischen Fahrzeugen hat der Staat erst wenige Fördermillionen bewilligt. Dabei drängt die Zeit.

Berlin. Mehr als ein halbes Jahr, nachdem sich die Bundesregierung für Hardwarenachrüstungen älterer Dieselfahrzeuge ausgesprochen hat, gibt es kaum Fortschritte zu vermelden. So ist beispielsweise noch immer nicht absehbar, wann überhaupt entsprechende Einbausätze verfügbar sein werden. „Hersteller von Nachrüstungssystemen im Pkw-Bereich haben bereits Anträge auf Erteilung einer Allgemeinen Betriebserlaubnis gestellt“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Chris Kühn aus Tübingen, die unserer Zeitung vorliegt: „Diese Antragsunterlagen sind jedoch noch nicht vollständig und konnten daher vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch nicht genehmigt werden.“

Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) aus Ludwigsburg, der das Schreiben für die Bundesregierung verfasst hat, gibt mit Verweis auf die Entwickler immerhin einen groben zeitlichen Richtwert aus: „Einzelne Hersteller vonNachrüstsystemenhaben angekündigt, marktreife Nachrüstsysteme voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte anbieten zu wollen.“

Einer dieser Anbieter, Dr. Pley SCR Technology aus Bamberg, gibt sich optimistisch, die notwendigen Anforderungen der Behörden bald erfüllen zu können, da entsprechende Nachprüfungen zum zusätzlichen Spritverbrauch und zum Stickoxidausstoß in den vergangenen Wochen erfolgreich verlaufen und an das KBA nach Flensburg gemeldet worden seien. „Wir rechnen noch für Mai mit der Allgemeinen Betriebserlaubnis für Volvo-Nachrüstsätze und im Juni für Mercedes-Nachrüstsätze“, sagte Inhaber Martin Pley unserer Zeitung. Bis zur Produktion, die das Entwicklungsbüro auslagern will, und zur Auslieferung würde es dann September beziehungsweise Oktober werden. Auf die Frage, ob die Modelle rechtzeitig zum Jahreswechsel verfügbar sein würden, wenn das Fahrverbot für Euro-4-Diesel in Stuttgart zumindest teilweise auf Fahrzeuge mit der neueren Schadstoffklasse 5 ausgedehnt werden könnte, sagte Pley: „Das schaffen wir locker.“

Die Grünen im Bundestag mögen aber keine Entwarnung geben, da andere Anbieter noch nicht in Sicht sind. „Für einige wenige Pkw-Hersteller dürfte es in der zweiten Jahreshälfte Nachrüstangebote geben, für die meisten Marken aber nicht“, kritisierte Fraktionsvize Oliver Krischer. Die Bundesregierung hätte seiner Meinung nach nicht auf kleine und mittlere Zulieferfirmen setzen, sondern die Autohersteller selbst in die Pflicht nehmen müssen: „Hier gibt es oft schon fertige Lösungen, weil BMW und Daimler für ihre US-Modelle eine funktionierende Abgasreinigung eingebaut haben.“

Die deutschen Hersteller haben sich nur mit Murren auf Zuschüsse für die Nachrüstung eingelassen; sie favorisieren Software, um die Abgaswerte zu verbessern. Bislang unterstützen nur Daimler und Volkswagen ihre Kunden finanziell bei der Nachrüstung. Der Wolfsburger Autokonzern wird aber nicht müde zu betonen, dass Nachrüstlösungen „technisch, wirtschaftlich und auch unter Umweltgesichtspunkten mit Nachteilen verbunden“ seien.

Für Fahrzeuge von Handwerkern, die in abgasbelastete Städte einfahren wollen, beschloss die große Koalition im Oktober vergangenen Jahres eine staatliche Förderung in Höhe von 80 Prozent der Einbaukosten. Es gibt aber nichts zu fördern. So wie auch für schwere Kommunalfahrzeuge wurde nach Auskunft der Bundesregierung bisher „kein Antrag von Herstellern eingereicht“ für die Zulassung eines Nachrüstsatzes. Auch für die staatlich geförderte Umrüstung des öffentlichen Personennahverkehrs ist bisher kein Geld geflossen – obwohl es zugelassene Nachrüstsätze für Dieselbusse gibt. Auf Basis zweier Förderlinien sind nach Auskunft der Regierung bisher einmal 4,6 und einmal 6,9 Millionen Euro bewilligt worden. „Mit dem Beginn des Mittelabflusses“, so Staatssekretär Bilger, sei „in Kürze zu rechnen.“

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Erstellt:
11. Mai 2019, 02:04 Uhr

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