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Die drei größten Fehler der VfB-Bosse

Der Traditionsclub kämpft gegen den Abstieg – weil viel geredet und zu wenig getan wurde

Stuttgart Die Propheten der Liga brauchen keine Drohnen über dem Trainingsgelände des VfB Stuttgart kreisen zu lassen: Die Lage ist auch so ziemlich übersichtlich. Denn ganz gleich wie das Duell der Enttäuschten gegen den FC Schalke 04 an diesem Samstag endet: Den Sportsfreunden vom Cannstatter Wasen steht nach Schluss der Hinrunde das Wasser wieder mal Oberkante Unterlippe. Woran sich die berechtigte Frage anschließt, was eigentlich schiefläuft im Jubiläumsjahr des Vereins für Bewegungsspiele 1893.

Die bequemste Lesart hört sich so an: Erst hatten sie kein Glück, und dann kam noch das (Verletzungs-)Pech dazu. Ins Feld geführt wird etwa der inzwischenan der Wade verletzte Holger Badstuber, der zur Ouvertüre der Spielzeit diese Tage erwischte, an denen sich der Profi beim Nasebohren den Zeigefinger bricht. Die Antwort, die den VfB-Bossen womöglich Anfälle von Migräne bereitet, lautet dagegen: Sie haben viel davon gesprochen, was sie besser machen als ihre Vorgänger. Und viel zu wenig in die Tat umgesetzt.

Das mag menschlich sein, zumal sich am Ende der vergangenen Saison alle in den Armen lagen: die VfB-Bosse, die meisten Spieler, der größte Teil der Medien. Platz sieben, sauber!Wer hätte das gedacht? Doch die Regel der Besten ist im Fußball so alt wie unwiderlegt: In der Emotion macht man die größten Fehler. Beim VfB waren es drei: der zeitweise Kontrollverlust von Präsident und Aufsichtsratschef Wolfgang Dietrich über seinen hyperaktiven Sportvorstand Michael Reschke. Die viel zu optimistische Analyse im Hinblick auf die eigene Konkurrenzfähigkeit, die Struktur des Kaders und dessen psychische wie physische Robustheit. Und die Schwächen im Frühwarnsystem für gruppendynamische Prozesse innerhalb der Mannschaft, aber auch zwischen Trainer und Spielern. Zutiefst überzeugt von den erfolgversprechenden Kräften seiner Mission, hätte Reschke nach den ersten Misserfolgen am liebsten noch persönlich den Torabstoß zelebriert. Wesentliche Aspekte des Leistungsumfelds hat er dagegen vernachlässigt.

Eine Mannschaft zu bauen ist das eine, sie gemeinsam mit den sportlichen Führungskräften behutsam und strategisch klug zu führen das andere. Weil Reschke das Repertoire an Spielideen im Werkzeugkasten von Tayfun Korkut überschätzte, kam es schnell zum Konflikt. Eher of­fensiv, eher defensiv? Mag sein, dass die Neuzugänge von Maffeo über Sosa bis Gonzales noch ihre volle Wirkung entfalten. Klar war aber von Anfang an, dass die Lehrlinge erfahrene Meister brauchen, die sich nicht mehr um eigene Wehwehchen kümmern müssen als um Wohl und Wehe des Teams.

Ein weiterer Fehler wäre es allerdings, jetzt nach dem bekannten Stuttgarter Tribunal zu verfahren und sich den Skalp eines Sündenbocks an den Gürtel zu heften. Auch wenn sich die VfB-Granden noch zieren, öffentlich Buße zu tun: Intern weiß jeder, was der Gong geschlagen hat. Gesucht wird ein Technischer Direktor, der den Sportchef entlastet.Der VfB muss sich in der Winterpause nach Spielern umsehen,die nicht das Klappfahrrad brauchen, um mit Tempo vors gegnerische Tor zu gelangen. Er braucht Spieler, die in der Rückrunde vom ersten Pass an voll im Saft stehen, und Kerle, die nicht schon mit ihrer Körpersprache signalisieren, dass sie eigentlich viel lieber zu Real Madrid passen würden.

Der VfB kämpft in der zweiten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg ums Überleben. Das allein ist noch keine Katastrophe. Noch bleibt Zeit, die Fehler zu korrigieren. Erst nach 34 Spieltagen wird abgerechnet: Ohne Drohne, es reicht der Blick auf die Tabelle.

gunter.barner@stuttgarter-nachrichten.de

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Erstellt:
22. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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