Die Finanzierung der Kinderbetreuung wird überdacht

Der Aspacher Gemeinderat beschließt die Erhöhung der Elternbeiträge, will aber mittelfristig nach neuen Möglichkeiten suchen.

Die Kinderbetreuung in Aspach wird teurer. Archivfoto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Die Kinderbetreuung in Aspach wird teurer. Archivfoto: T. Sellmaier

Von Lorena Greppo

Aspach. Wie soll die Finanzierung der Kinderbetreuung in Aspach künftig aussehen? Damit hat sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung befasst. Turnusgemäß sollte nämlich die Erhöhung der Elternbeiträge beschlossen werden, doch nach dem Vortrag von Sachgebietsleiterin Verena Huttelmaier drehte sich die Diskussion schnell um die grundsätzliche Gestaltung der Kostenverteilung.

Die Kommunalen Landesverbände und die Kirchen in Baden-Württemberg streben einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent an, erklärte Huttelmaier. In Aspach liege dieser deutlich niedriger, je nach Einrichtung habe er in den vergangenen Jahren zwölf bis 18 Prozent betragen. Die Kommunalaufsicht des Landratsamts habe daher erneut darauf hingewiesen, diesen zu überprüfen und einen höheren Kostendeckungsgrad anzustreben. Weil die Coronapandemie jedoch auch die Eltern vor große Herausforderungen gestellt hat, schlagen die Landesverbände für das kommende Kindergartenjahr eine Erhöhung der Elternbeiträge um lediglich 2,9 Prozent vor – das bleibe bewusst hinter der tatsächlichen Steigerung von Personal- und Sachkosten zurück. Vor allem die Personalkostensteigerung sei im Coronajahr „unglaublich“ gewesen, fügte Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff an. Den von den Landesverbänden vorgeschlagenen Kompromiss wolle man aber auch in Aspach eingehen, erklärte sie. „Eine stärkere Erhöhung würde in dieser Situation sehr schmerzen.“ Man könne die Pandemiezeit auch schlecht als Maßstab für das kommende Kindergartenjahr heranziehen.

„Wir arbeiten völlig unwirtschaftlich“, prangerte Markus Kaumeyer (FWA) an. Er forderte, möglichst rasch die 20 Prozent anzustreben. „Wir können gar nicht so sehr erhöhen, dass wir da rankommen“, hielt Wolfgang Schopf (SPD/Aspacher Demokraten) dagegen. Vor allem für Alleinerziehende seien die Gebühren schon jetzt sehr hoch. Schopf schlug daher ein einkommensabhängiges Modell vor und merkte an, dass es andere Kommunen sogar schafften, ganz auf die Elternbeiträge zu verzichten.

Ein neues Konzept soll her

„Wir stehen finanziell nicht so gut da, dass wir auf Zuschüsse verzichten könnten“, merkte hierzu Peter Hanisch (CDU/Bürgerliche) an. Eine Erhöhung der Elternbeiträge halte er für geboten. Seine Fraktionskollegin Andrea Schick sprach sich für eine schrittweise Annäherung an die 20 Prozent aus. „Auf einmal wäre das eine enorme Steigerung.“ Gerd Raichle (FWA) hob hervor, dass man auch gegenüber anderen Kommunen wettbewerbsfähig sein müsse und daher einmal einen Blick dorthin werfen solle. Was den Vorschlag der Gebührenfreiheit angeht, so sehe er diesen wenn dann vom Staat über das Kindergeld geregelt, nicht aber von den Kommunen.

„Wir müssen uns ein neues Konzept überlegen, egal wie das am Ende aussieht“, fand Sonja Tränkle (FWA). Dabei gelte es auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Betreuungseinrichtungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese, merkte Huttelmaier an, hingen unter anderem mit der Auslastung der Kindergärten zusammen. Dem stimmte auch Daniel Jacobi (FWA) zu und regte an, sich dabei von Vorlagentabellen zu lösen. Wolfgang Klenk (CDU/Bürgerliche) schlug darüber hinaus vor, die Betreuungsangebote zu bündeln. „Wir müssen schließlich nicht in allen Einrichtungen eine Ganztagsbetreuung anbieten.“ Vonseiten der Verwaltung wurden die vielen Vorschläge aufgenommen, mit dem Versprechen, dass nach Möglichkeiten zur Optimierung gesucht werde.

Die vorgeschlagene Erhöhung der Elternbeiträge wurde schlussendlich bei fünf Gegenstimmen (Schopf, Schünzel, Weeske, Wruck, Nothstein) beschlossen, ebenso wie eine Aufarbeitung der Ertrags- und Aufwandseite der vergangenen Jahre in den Betreuungseinrichtungen.

Waldkindergarten bleibt ein umstrittenes Thema

Auf eine Anfrage der Freien Wählervereinigung Aspach hin hat die Verwaltung die Umsetzbarkeit eines Waldkindergartens eruiert. Hauptamtsleiter Philip Sweeney gab in der jüngsten Sitzung einen Zwischenstand:

Ein Ganztagsbetrieb im Waldkindergarten sei grundsätzlich möglich. Die Gruppenstärke liege dann bei maximal 20 Kindern, sollten auch Zweijährige betreut werden gar nur 15. Mindestens zwei Fachkräfte, die zu Naturpädagogen ausgebildet wurden, und mindestens eine weitere Betreuungskraft seien notwendig. Auch an das Grundstück für einen etwaigen Waldkindergarten werden einige Anforderungen gestellt. Beispielsweise müsse es fest eingezäunt sein, zudem müssten jedwede Gefahren – etwa durch Eichenprozessionsspinner oder Fuchsbandwurm – ausgeschlossen werden. Dennoch müsse der Kindergarten fußläufig erreichbar sein.

Aufgrund dieser und vieler anderer Hürden lehne der Kommunalverband für Jugend und Soziales etwa 80 Prozent aller Anträge auf Waldkindergärten ab und rate auch davon ab, diese zu etablieren, so Sweeney. „Waldkindergärten befinden sich hauptsächlich in privater Trägerschaft, dafür gelten nämlich etwas andere Vorgaben.“ Die Richtlinien würden jedoch derzeit überarbeitet.

So leicht wollten sich die Gemeinderäte allerdings nicht abschrecken lassen. Sie regten an, in umliegenden Kommunen, die ein solches Angebot hätten, nachzufragen. Von dort habe man viel Gutes gehört. Auch könnte die Einrichtung etwas anders konzipiert werden. Ein „Wiesenkindergarten“ war ein Vorschlag.

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Erstellt:
21. Juli 2021, 16:00 Uhr

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