Die Freizeitbusse fahren wieder

Seit Anfang Mai sind an Sonn- und Feiertagen wieder Freizeitbusse im Kreis unterwegs. Doch verschiedene Baustellen und Umleitungen erschweren den Start, und das, nachdem die Pandemie das Freizeitverhalten der Menschen in den vergangenen zwei Jahren stark geprägt hat.

Der Berg- und Talbus fährt von Backnang nach Oberstenfeld. Bei den Freizeitbussen gibt es immer auch die Möglichkeit, sein Fahrrad auf dem Anhänger mitzunehmen. Foto: Landratsamt

© Leonie Ries - Landratsamt

Der Berg- und Talbus fährt von Backnang nach Oberstenfeld. Bei den Freizeitbussen gibt es immer auch die Möglichkeit, sein Fahrrad auf dem Anhänger mitzunehmen. Foto: Landratsamt

Von Kristin Doberer

Rems-Murr. Ganz einfach mit dem Bus zu den schönsten Ausflugszielen der Region fahren und von dort dann einfach loswandern, ohne erst mit dem Auto fünf Runden auf einem überfüllten Parkplatz zu drehen. Oder vielleicht sogar das Rad auf dem Anhänger am Bus mitnehmen und entspannt eine Runde direkt durch die Weinberge fahren, statt die eher wenig idyllische Anfahrt an einer großen Straße entlang in Kauf nehmen zu müssen. Das ist die Idee hinter den Freizeitbussen, die im Rems-Murr-Kreis seit einigen Jahren fahren. Denn so schön die Höhen mit den Ausblicken in die Täler sind – das viele Bergauf und -ab kann nicht ganz so trainierte Wanderer und Radler schon mal aus der Puste bringen. Von Mai bis Oktober bringen die Freizeitbusse Ausflügler mit oder ohne Fahrrad an Wochenenden und Feiertagen zu Ausflugszielen der Region.

„Ich freue mich jedes Jahr sehr auf diesen Bus, weil er mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin bringt, wo man sonst nur schwer oder gar nicht hinkommt. Zum Beispiel zur Burg Lichtenberg“, erzählt Elke Wenzel, die kein Auto hat und auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist. Und obwohl sie die Freizeitbusse seit Jahren immer sehr rege genutzt hat, ist sie nun unzufrieden. Denn der Berg- und Talbus, der auch durch Backnang fährt, kommt nur noch alle vier Stunden statt alle zwei Stunden. „Wenn man, wie ich zum Beispiel, nach einer Wandertour auch wieder mit dem Bus zurückfahren möchte, muss ich das gut timen.“ So sei es kein Problem, mal eine oder zwei Stunden auf den Bus zu warten, wenn sie sich zeitlich bei einer Wandertour verschätzt und den Bus verpasst. Vier Stunden seien aber noch mal eine ganz andere Dimension. Sie selbst kommt aus Backnang, aber gerade für Touristen – für die diese Busse ja auch gedacht sind – stelle sie sich das Organisieren schwer vor.

Zwei Baustellen in der Region sorgen für veränderte Fahrpläne der Freizeitbusse

Der Grund der Umstellung: eine Baustelle in Oberstenfeld. Die Strecke Oberstenfeld-Gronau nach Prevorst, die von der Linie 467, also dem „Berg- und Talbus“ bedient wird, ist bis voraussichtlich 5. August vollgesperrt, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. „Um die deutlich längere Fahrtzeit durch die Umleitung zu kompensieren, musste leider die Anzahl der Fahrten reduziert werden, um den Bus dennoch nach Prevorst führen zu können“, so das Schreiben des Landratsamts. Statt regulär fünf Fahrten nur bis Oberstenfeld (um 9, 11, 13, 15 und 17 Uhr ab Backnang) und zurück anzubieten, können aktuell aufgrund der Baustelle also nur drei Fahrten angeboten werden (um 9, 13 und 17 ab Backnang), die aber dafür über die Umleitungsstrecke bis Prevorst und zurück fahren. Und das ist nicht die einzige Baustelle, die den Strecken der Freizeitbusse einen Strich durch die Rechnung macht. Auch der Waldbus (Linie 265) muss aufgrund der Straßensperrung in Althütte (wir berichteten) während des gesamten Einsatzzeitraums (also bis zum 23. Oktober) umgeleitet werden, da die Teilstrecke Althütte – Ebnisee baustellenbedingt nicht befahrbar ist. Ansonsten habe es bei den Fahrtzeiten aber keine Änderungen zu den Vorjahren gegeben.

Das ÖPNV-Amt im Landratsamt hofft, dass sich die Fahrgastzahlen der Freizeitbusse in diesem Sommer trotzdem gut entwickeln. Aktuelle Fahrgastzahlen gebe es zwar nicht, aber gerade in den vergangenen beiden Sommern war die Nachfrage für die Freizeitbusse „wie im gesamten Kreisgebiet pandemiebedingt und auch aufgrund des teilweise verregneten Sommers verhalten“, schreibt das Landratsamt. Zum Beispiel im Jahr 2020 hatten die damals herrschenden Kontaktbeschränkungen konkrete Auswirkungen auf die Freizeitbusse. Die VVS hatte damals entschieden, dass die Räuberbusse und Co. erst später in die Saison starten. „Wir hoffen, dass wir einen wettermäßig schönen Sommer mit niedrigen Inzidenzen haben werden und die Freizeitbusse wieder gut nachgefragt werden.“

Allerdings sind die Pandemie und das Wetter natürlich nicht die einzigen Faktoren, die sich auf die Zahl der Fahrgäste auswirken. Immer mehr Menschen steigen auf E-Bikes um. Damit sind steile Anstiege und weite Strecken zu den jeweiligen Ausflugszielen auch direkt mit den Fahrrad gut zu erreichen. Wie wirkt sich das auf das Konzept der Freizeitbusse aus? „Hier ist noch kein abschließender Trend zu erkennen“, schreibt das ÖPNV-Amt. Während manche Busunternehmen teilweise feststellen, dass zunehmend auch E-Bikes mitgenommen werden, berichten andere Unternehmen, dass der Trend der Fahrradmitnahme teilweise rückläufig ist. „Ursache für den Rückgang können Veränderungen im Fahrradsektor, aber auch die allgemeinen pandemiebedingten Beschränkungen des vergangenen Jahres gewesen sein. Wir werden beobachten und bewerten, wie sich der Trend dieses und in den kommenden hoffentlich pandemiefreien Jahren weiterentwickelt, um ggf. auf die entsprechenden Entwicklungen zu reagieren.“

Elke Wenzel wird den Berg- und Talbus wohl auch weiter nutzen, auch wenn sie hofft, dass er schnell wieder zu seinen ursprünglichen Abfahrtszeiten zurückkehrt. „Das ist schließlich die einzige Möglichkeit für mich, zur Burg Lichtenberg zu kommen.“ Allerdings will sie auch die anderen Freizeitbusse noch austesten.

Diese Freizeitbusse fahren im Rems-Murr-Kreis

Freizeitbusse Im Rems-Murr-Kreis gibt es fünf Linien, die die Freizeitbusse abfahren. Die Fahrten finden immer an Samstagen und Sonn- und Feiertagen vom 1. Mai bis zum vorletzten Sonntag im Oktober statt. Die Busse sind mit einem Spezialanhänger für die Beförderung von bis zu 20 Fahrrädern, E-Bikes oder Pedelecs ausgestattet. Diese können kostenlos mitgenommen werden.

Limesbus Süd Mit der Linie 372 kommt man über Murrhardt – Grab – Sulzbach an der Murr – Großerlach – Mainhardt.

Limesbus Nord Der Freizeitbus der Linie 375 fährt über Murrhardt – Kirchenkirnberg – Kaisersbach – Welzheim.

Berg- und Talbus Der Freizeitbus der Linie 467 fährt Backnang – Oberstenfeld – Gronau – Prevorst.

Waldbus Mit dem Freizeitbus der Linie 265 erreicht man diese Ziele: Schorndorf – Rudersberg – Welzheim – Kaisersbach – Althütte – Rudersberg –Schorndorf.

Räuberbus Der Räuberbus der Linie 385 ist zwischen Sulzbach an der Murr und Wüstenrot unterwegs.

Informationen Weitere Informationen sowie alle Abfahrtszeiten und spezielle Ausflugstipps, die man mit den jeweiligen Bussen erreichen kann, findet man auf: www.rems-murr-kreis.de/bauen-umwelt-und-verkehr/oepnv/freizeitbusse oder über die Fahrplanauskunft des VVS unter www.vvs.de

Kosten Bei einer Fahrt gilt der VVS-Tarif. Mit einem VVS-Monats- oder Jahresticket kann man bis zu drei Kinder oder alle eigenen Kinder (6-17 Jahre) samstags sowie sonn- und feiertags gratis mitnehmen.

Zum Artikel

Erstellt:
24. Mai 2022, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Wenn Kinder auf dem Spielplatz im Schladminger Weg spielen, ist das manch einem Anwohner zu laut. Foto: Alexander Becher
Top

Stadt & Kreis

Lärm auf Spielplatz sorgt für Ärger in Maubach

In Maubach fühlen sich Anwohner offenbar vom Trubel eines Kinderspielplatzes im Wohngebiet gestört. Der Ortschaftsrat hat nun beschlossen, mit einem Schild um Rücksichtnahme zu werben. Das kommt nicht überall gut an. Die Problematik ist nicht verbreitet, so die Stadtverwaltung.