Die gelebte Vision der Global Mamas

Backnanger Verein Forum Eine Welt unterstützt Fair-Trade-Projekt in Ghana – Kooperative gibt Frauen Arbeit und Einkommen

Das Forum Eine Welt hat sich ein neues Spendenprojekt vorgenommen: Der Verein, der Weltläden in Backnang, Murrhardt und Waiblingen unterhält, will die Global Mamas in Ghana unterstützen. Dabei handelt es sich um eine genossenschaftlich strukturierte Organisation, die seit 15 Jahren besteht und Frauen Arbeit und damit ein Einkommen bietet. Sie will jetzt die erste Fair-Trade-Zone in Afrika bauen.

Die Batikerinnen in Ashaiman zeigen stolz ihre farbenprächtigen Produkte mit den Stempelmustern. Daraus werden Kleidungsstücke und Heimtextilien.

Die Batikerinnen in Ashaiman zeigen stolz ihre farbenprächtigen Produkte mit den Stempelmustern. Daraus werden Kleidungsstücke und Heimtextilien.

Von Armin Fechter

BACKNANG. Der Kontakt zu dem afrikanischen Unternehmen ist über Gabi Ludwig zustande gekommen. Die langjährige Geschäftsführerin des Backnanger Weltladens hat zusammen mit ihrem Mann Thomas 2016 in Burgstetten die Handtrade GmbH gegründet, die ökologisch und fair produzierte Bekleidung und Accessoires aus Bolivien, Peru und Ghana importiert und europaweit vertreibt. Wichtig ist ihr, dass die Produzenten, mit denen sie kooperiert, kunsthandwerklich hergestellte Mode machen und die Mitarbeiter der Firmen am Entstehungsprozess und am Großteil der Wertschöpfungskette beteiligt sind.

Das ist, wie Gabi Ludwig selbst vor Ort feststellen konnte, bei Global Mamas der Fall. Eine Woche lang hat sie selbst mitgearbeitet, Stoffe gefärbt und in einem Batikverfahren bedruckt, alles von Hand, Stück für Stück. Eine mühsame Arbeit, wie sie unschwer erkennen konnte, aber gleichzeitig eine Tätigkeit, die Erfolgserlebnisse vermittelt, wenn die Stoffe schließlich getrocknet sind und in ihren lebhaften Farbmustern strahlen – jedes ein Unikat. Gabi Ludwig ist begeistert: „Eine gelebte Vision.“

Die Frauen arbeiten häufig daheim in ihren kleinen Hütten

Die Arbeit ist vielfach dezentral organisiert, das heißt, die Frauen arbeiten daheim in ihren kleinen Hütten. Sie brauchen zum Batiken nicht viel: Eimer für die Farbe, Schnüre, um die Stoffe zum Trocknen aufzuspannen, Wachs und die aus Schaumstoff selbst hergestellten Stempel. Wie stark sie sich mit ihrer Tätigkeit identifizieren, zeigen die Namen, die sie ihren kleinen Produktionsstätten geben, zum Beispiel „The Laughing Mamas“ (die lachenden Mamas). Eine Herausforderung für das Unternehmen, das inzwischen auch eigene Designerinnen ausgebildet hat, stellt immer wieder der Wechsel zu einer neuen Kollektion mit anderen Farben und Mustern dar: Bis alle Batikerinnen erreicht und in das neue Programm eingearbeitet sind, dauert es gut und gerne zwei Monate.

Auch bei den Näherinnen, die gleichfalls dezentral in kleinen Werkstätten arbeiten, hat sich Gabi Ludwig umgesehen. Mit einfachen Maschinen gehen die Frauen zu Werke – wie einst hierzulande die Oma, die noch eine Handkurbel bedienen musste. Einen Vorteil haben die vom technischen Fortschritt eigentlich längst überholten Geräte aber: Sie brauchen keinen Strom und verwirren auch nicht mit komplizierten, störanfälligen Programmen und Steuerungen.

Nun will das ghanaische Unternehmen, das mit über 600 Kräften an neun Standorten vertreten ist und neben modischer Bekleidung und Heimtextilien aus Biobaumwolle auch Schmuck aus Recyclingglas und Kosmetik aus Sheabutter herstellt, ein neues Kapitel aufschlagen: Im Osten des Landes soll eine Fair-Trade-Zone entstehen, ein Campus, auf dem für 200 Frauen sichere Arbeitsplätze in der Textilproduktion geschaffen werden und auf dem auch eine Kindertagesstätte, Seminarräume zur Schulung der Mitarbeiterinnen und ein kleines Hostel geplant sind. Neben der Produktion soll es auch Raum für Begegnungen geben. Die Gebäude sollen aus Recyclingmaterialien errichtet werden, die Dächer erhalten V-Form, um Regenwasser auffangen und um gleichzeitig Sonnenkollektoren installieren zu können. Der spätere Betrieb soll CO2-neutral sein.

Global Mamas hat das Gelände für die Fair-Trade-Zone bereits erworben und blickt zuversichtlich in die Zukunft, benötigt aber eine Anschubhilfe für das Vorhaben, das auf 750000 US-Dollar veranschlagt ist. Gebaut wird in Etappen, je nach finanziellen Möglichkeiten. Als Erstes sollen Gebäude entstehen, die Platz für etwa 20 Personen bieten. Und hier kommt das Forum Eine Welt ins Spiel. Wie Christina Bornhak, stellvertretende Vorsitzende, berichtet, hat der Verein einen Förderantrag an die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg gestellt, der jetzt auch positiv beschieden wurde. Die maximale Fördersumme von dort beträgt 20000 Euro, vorausgesetzt wird allerdings, dass von Vereinsseite ein Eigenanteil von mindestens 3000 Euro eingebracht wird.

Gabi Ludwig hilft beim Batiken. Fotos: privat

© privat

Gabi Ludwig hilft beim Batiken. Fotos: privat

Info
Freiwillige als Gründer

Global Mamas wurde 2003 als Nichtregierungsorganisation von zwei Amerikanerinnen, Renae Adam und Kristin Johnson, die als Peace Corps Volunteers im Land waren, zusammen mit sechs ghanaischen Frauen gegründet, ursprünglich unter dem Namen Women in Progress. Renae Adam lebt bis heute in Ghana und arbeitet für Global Mamas, Kristin Johnson organisiert den Vertrieb von Global-Mamas-Produkten in den USA.

Mehr Informationen gibt es auf www.globalmamas.org (dort werden unter dem Punkt „Meet the Mamas“ einzelne Arbeiterinnen vorgestellt) und auf www.forum-eine-welt.de.

Das Forum Eine Welt hat ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE29 6025 0010 0008 2840 17 bei der Kreissparkasse Waiblingen. Verwendungszweck: „Global Mamas – FTZ“.

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Erstellt:
20. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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