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Die Innenstädte sicherer machen

Nach dem Tiefstand von 2017 kommen wieder mehr Menschen auf deutschen Straßen ums Leben

Verkehrsunfälle - Nach dem Tiefstand von 2017 kommen wieder mehr Menschen auf den deutschen Straßen ums Leben. Dabei gäbe es viele Maßnahmen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Stuttgart Den Augenzeugen bot sich ein grauenvolles Bild. Erst Anfang Dezember war auf der B 27 vor dem Aichtalviadukt ein junger Mann mit seinem 1er BMW mit hoher Geschwindigkeit in das Heck eines fahrenden Lkw gekracht. Der Aufprall war so heftig, dass sich das Auto unter dem Anhänger bis zur B-Säule verkeilte. Für den 23-Jährigen, der zuvor durch riskante Überholmanöver aufgefallen war, kam jede Hilfe zu spät. Ob er durch sein Handy abgelenkt war, unter Drogen stand oder wegen seines riskanten Fahrstils die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, ist nicht bekannt.

Voraussichtlich 3220 Verkehrstote werden bis zum Jahresende insgesamt in Deutschland zu beklagen sein. Das sind rund ein Prozent mehr als 2017. Auch die Zahl der Verletzten wird gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich wieder steigen – um 3000 auf etwa 393 000. Das ist ein Alarmzeichen. Jahrzehntelang waren die Unfallopferzahlen gesunken – vor allem dank besserer Sicherheitstechnik. Der Anschnallgurt war der erste Meilenstein. Dann folgten die elektronischen Systeme ABS und ESP, die verhindern, dass Räder blockieren oder Autos ausbrechen. Doch inzwischen ist ein Niveau erreicht, wo eine Zu- oder Abnahme der Unfälle eher vom Wetter abhängt denn von weiteren technischen Innovationen. Gibt es einen langen Sommer, ist das zwar gut für die Urlauber und Touristiker, aber schlecht für die Verkehrssicherheit, denn dann sind besonders viele Radfahrer und Biker unterwegs. In diesen beiden Gruppen nimmt die Zahl der Opfer somit zu.

Verschärft ist die Lage in den Städten. Zwar ist die Verkehrswende erst in den Anfängen. Aber Fakt ist: In den Innenstädten sind mehr Menschen zu Fuß unterwegs, und auch die Zahl der Radler nimmt stetig zu. Doch die Kommunen sorgen für diese Verkehrsteilnehmer längst nicht in dem Maße für eine sichere Infrastruktur, wie das nötig wäre. In Stuttgart kommt ein spezielles Problem dazu. Hier müssen sich aufgrund der Topografie oftmals die Stadtbahnen mit Autos den Straßenraum teilen. Aber auch Fußgänger, die an Haltestellen den Überweg kreuzen, leben gefährlich. Kaum eine Woche, in der es in der Landeshauptstadt keinen Unfall mit einer der fast geräuschlos rollenden gelben Bahnen gibt. Doch nicht nur in Stuttgart gilt: Um die Zahl der Verkehrsopfer zu reduzieren, müssen die Innenstädte mehr denn je in den Fokus rücken. Dabei dürfen auch weitere Tempo-30-Zonen in den Nebenstraßen kein Tabu sein.

Zumal es viele weitere Möglichkeiten gibt, wie das Verkehrsgeschehen sicherer gemacht werden kann. Dazu zählt ein verpflichtend vorgeschriebener Abbiege- und Notbremsassistent in Kraftfahrzeugen. Immer wieder übersehen etwa Brummifahrer beim Rechtsabbiegen einen Radfahrer, da er an einer Ampel im sogenannten toten Winkel neben dem Lkw steht. Und viele holprige Landstraßen müssten endlich saniert und an kritischen Stellen entschärft werden, denn auf diesen Straßen passieren die meisten tödlichen Unfälle.

Trotz allem bleibt als Risikofaktor Nummer eins der Mensch. So hat sich die Zahl der Unfälle mit Verletzten, die unter dem Einfluss von Drogen entstehen, zwischen 1991 und 2017 nahezu verfünffacht. Hier ist nicht von Alkohol die Rede, sondern von Rauschmitteln wie Cannabis oder Ecstasy. Allein dies rechtfertigt, dass es so oft wie möglich Polizeikontrollen gibt. Und es muss viel stärker als bisher aufgeklärt werden. Zumal mehr als ein Drittel der Jugendlichen gar nicht weiß: Auch wer noch keinen Führerschein hat und Drogen konsumiert, läuft Gefahr, dass er erst nach einer medizinisch-psychologischen Untersuchung eine Fahrerlaubnis bekommt.

frank.schwaibold@stzn.de

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Erstellt:
27. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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