Die Kinobesucher kehren zurück

Obwohl für den Besuch im Lichtspielhaus ein 3-G-Nachweis vonnöten ist, ist die Nachfrage wieder deutlich angestiegen. „Viele haben das Kino vermisst“, sagt Universum-Chefin Annegret Eppler. Der heiß ersehnte neue Bond-Film habe außerdem dazu beigetragen.

An den Kinokassen in Backnang ist wieder mehr los. Vor allem für den neuen Bond-Film verkaufen sich zahlreiche Tickets. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

An den Kinokassen in Backnang ist wieder mehr los. Vor allem für den neuen Bond-Film verkaufen sich zahlreiche Tickets. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

Backnang. Deutlich mehr als 1000 Besucher hat das Kino Universum in Backnang in der vergangenen Woche allein zwischen Donnerstag und Sonntag verzeichnet. „Die Leute kommen wieder“, freut sich Betreiberin Annegret Eppler. „Viele haben das Kino vermisst und nehmen es dankbar an. Unsere Gäste haben auch signalisiert, dass sie sich sicher fühlen bei uns.“ Viele seien nach dem Film noch zur Kasse gekommen, um im Gespräch ihrer Freude Ausdruck zu verleihen. Dafür, dass die Gäste sich wohl und sicher fühlen, tun Epplers auch einiges. Denn obwohl es inzwischen unter der Beachtung der 3-G-Regeln zulässig wäre, die Säle wieder voll zu besetzen, lassen sie zwischen den einzelnen Buchungen immer noch einen Sitz frei. Nachdem über Monate hinweg dazu geraten wurde, überall Abstand zu halten, entspreche es dem Wohlbefinden der Gäste, das auch weiterhin beizubehalten, erklärt die Chefin. Zudem beginnen die Vorstellungen zeitversetzt, sodass sich die Zahl der Besucher auch vor dem Film im Foyer verringert.

Der holprige Start nach der Wiederöffnung der Kinos habe auch weniger daran gelegen, dass die Gäste zögerlich waren, schätzt Annegret Eppler es ein. Vielmehr sei das Wirrwarr aufgrund der undurchsichtigen Vorschriften und der vielen Änderungen dafür verantwortlich gewesen. Immerhin: Das scheint nun endgültig überwunden. Ein weiterer Faktor hat dazu beigetragen, dass sich die Kinosäle in den vergangenen Tagen gefüllt haben: Sein Name ist Bond, James Bond. Der neuste Film um den Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät habe ziemlich eingeschlagen, so Eppler. Er wird daher täglich mindestens zweimal vorgeführt, zum Teil sogar in 3-D.

„Der Bond ist sehr stark“, sagt auch Matthias Schönhaar, Leiter des Traumpalasts in Backnang. Auch in seinem Haus werden dem Film mehrere Aufführungen täglich eingeräumt. „Er ist in der klaren Pole-Position.“ Die Nachfrage nach dem restlichen Programm sei da deutlich verhaltener.

In den kommenden Tagen und Wochen kommen einige Hochkaräter raus

Doch die Aussichten für die kommenden Tage und Wochen sind rosig. „Was Filme angeht, ist gerade so richtig was in der Pipeline“, verrät Annegret Eppler. Das sei zum einen der neuste Film des Starregisseurs Ridley Scott „The Last Duel“. Das Mittelalterepos weise aktuelle Bezüge auf, etwa im Hinblick auf die #metoo-Bewegung. Die Komödie „Es ist nur eine Phase, Hase“ mit Christoph Maria Herbst, Christiane Paul und Jürgen Vogel kommt ebenfalls schon diese Woche in die Kinos. Aus dem Hause Dreamworks wird der zweite Teil zum Film „Boss Baby“ zu sehen sein und aus dem Marvel-Universum der zweite Teil um Superheld „Venom“. „Manchmal kommt fast schon zu viel auf einmal“, kommentiert die Kinobetreiberin die Flut an hochkarätigen Filmen lachend. „Die Verleiher tun sich schwer damit, alles an den Mann zu bringen.“ Es lohne sich also allemal, in nächster Zeit ins Kinoprogramm zu schauen. Auch Matthias Schönhaar ist optimistisch. „Da kommt schon noch ein bisschen was“, sagt er. Und auch das Weihnachtsgeschäft werde sicherlich wieder stärker, das sei traditionell eine beliebte Zeit für Kinobesuche.

Wie aber steht es um die Einhaltung der 3-G-Regelung? Erwarten die Kinos sinkende Zahlen, nun, da die Bürgertests nicht mehr kostenlos verfügbar sind? Annegret Eppler nimmt es gelassen und das hat einen guten Grund: „Die Mehrzahl der Gäste streckt uns den Impfausweis hin.“ Selbst bei Jugendlichen über zwölf Jahren sei dies erstaunlich oft der Fall. Ihre Tochter habe mit manchen angesichts der geltenden Regelungen erzürnten Besuchern zu tun gehabt, räumt Eppler ein. Sie selbst hingegen habe das noch nicht erlebt. „Die meisten unserer Kunden sind geimpft“, ist auch die Erfahrung des Traumpalast-Leiters. Wie sich die Kosten für die Tests auf die Gästezahlen ummünzen lassen, sei schwer zu sagen. „Wenn der Kinobesuch aber plötzlich doppelt so teuer ist, könnte sich das schon auswirken“, so seine Einschätzung. Epplers haben in der vergangenen Woche noch extra darauf hingewiesen, dass ein Test vor dem Kinobesuch letztmals kostenfrei sei. Sie habe aber den Eindruck gehabt, dass das Aufkommen in den umliegenden Testzentren dennoch überschaubar gewesen sei. Genau bemessen könne sie es natürlich nicht, „die Leute rufen ja nicht an und sagen uns, dass sie gekommen wären, wenn sie nicht für den Test bezahlen müssten“. Sollten sich aber für Schüler die Vorgaben ändern, könnte dies größere Auswirkungen haben.

Winnender Olympia-Kino ist geschlossen

Geschichte Das Olympia-Kino in Winnenden kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken: „1936, im Jahr der Olympiade in Berlin, hat mein Opa es eröffnet und Olympia-Kino genannt“, sagt Bernhard Eppler. Jahrzehntelang war es ein Treffpunkt in Winnenden, ein Kulturzentrum, in dem die neuesten Filme zu sehen waren. Regelmäßig bekam es Auszeichnungen für seine besondere Filmauswahl. Erst vor zwei Jahren erhielt Bernhard Eppler eine Auszeichnung für seine besonders wertvolle Kinoprogrammarbeit.

Schließung Obwohl nach dem ersten Coronalockdown die Kinos im Juli 2020 wieder unter Auflagen öffnen durften, bleibt das Olympia-Kino schon damals geschlossen. „Das Foyer war so winzig, die Abstände einzuhalten wäre enorm schwierig gewesen“, erklärt Annegret Eppler. Das endgültige Aus des Kinos sei aber nicht allein durch Corona gekommen. Diverse Faktoren seien zusammengekommen. So waren auf dem Gelände auch ein Bistro sowie eine Spielhalle untergebracht. Auch diese seien durch die Pandemie ins Straucheln geraten. Das Bistro schloss im Januar. Zudem lief der Mietvertrag der Spielhalle aus, die zuständige Behörde ließ durchblicken, dass die Lizenz nicht verlängert werde. „Es wären auch Investitionen nötig geworden“, führt Annegret Eppler an. „Wir haben uns dann gesagt: Es macht mehr Sinn, wir konzentrieren uns auf ein Kino.“ Das Aufhören in Winnenden sei ihnen aber schwer gefallen, betont Bernhard Eppler.

Zukunft Wie es mit dem Kino-Areal weitergeht, scheint bereits geklärt zu sein. Das bestehende Gebäude soll abgerissen und durch zwei mehrgeschossige Wohngebäude mit voraussichtlich 17 Wohnungen ersetzt werden. Einen entsprechenden Bauantrag eines Investors billigte der Technische Ausschuss des Winnender Gemeinderats Mitte September bereits. Das Thema war schon im vergangenen Jahr in nicht öffentlicher Sitzung besprochen worden.

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Erstellt:
13. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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