Die Kraft kommt von ganz innen

Gudrun Klein aus Murrhardt berichtet über ihre Krebserkrankung. Nach ihrer Diagnose und erfolgreichen Behandlung kam es nach Jahren zu erneuten Rückschlägen. Die 68-Jährige wird zurzeit am Stauferklinikum in Schwäbisch Gmünd betreut.

Gudrun Klein aus Murrhardt berichtet, wie sie ihre Krebserkrankung und die Therapie im Stauferklinikum erlebt. Foto: Stauferklinik

© A.Franzmann

Gudrun Klein aus Murrhardt berichtet, wie sie ihre Krebserkrankung und die Therapie im Stauferklinikum erlebt. Foto: Stauferklinik

Von Andreas Franzmann

MURRHARDT. Gudrun Klein war ihr Leben lang aktiv. Beruflich war die gelernte OP-Fachschwester aus Murrhardt unter anderem am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und an der Lungenklinik in Löwenstein tätig. Außerdem später in der Medizintechnik. Dass sie selbst einmal Patientin sein könnte, hatte sie zu keinem Zeitpunkt in Betracht gezogen. Als im Herbst 2010 zum ersten Mal bei ihr Brustkrebs diagnostiziert wurde, änderte sich für Gudrun Klein alles.

Doch der Reihe nach: Ihre berufliche Karriere begann Gudrun Klein am Robert-Bosch-Krankenhaus. Von 1984 baute sie dort zusammen mit ihrem damaligen Chef Professor Klaus-Dieter Hellberg und zwei weiteren OP-Fachkräften die erste Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie auf. Ähnliches leistete sie wenige Jahre später an der Lungenklinik in Löwenstein.

Gudrun Klein ist in ihrem Beruf zielstrebig und erfolgreich, und zieht ihre Tochter groß.

Kurz danach kam ihre Tochter zur Welt, Gudrun Klein kümmerte sich fortan um die Erziehung und arbeitete gleichzeitig im Betrieb ihres Mannes mit. Dieser hatte sich zu dieser Zeit einen medizintechnischen Vertrieb aufgebaut. Vor allem Schienen und Nahtmaterial wurden von Murrhardt aus vertrieben. Die Ehe scheiterte wenige Jahre später. Gudrun Klein stand mit ihrer Tochter alleine da. Sie arbeitete dennoch weiter im Betrieb und baute sich ein eigenes selbstständiges Vertriebsnetz in der Medizintechnik auf. „Wieder einmal habe ich etwas aufgebaut und Stück für Stück in Gang gesetzt“, berichtet die heute 68-Jährige. Dies hat gut funktioniert. So gut, dass ein Konzern sie bat, eine Niederlassung in Deutschland aufzubauen und sie einstellte. Dadurch hatte sie wieder ein gesichertes Einkommen. In der Medizintechnik entwickelte sie sich zu einer Spezialistin für kleine Fingergelenke und den prothetischen Ersatz von Handgelenken, später auch bei Sprunggelenken. „Im Aufbau neuer Bereiche hatte ich mittlerweile ja Übung und die Arbeit hat viel Spaß gemacht“, sagt Gudrun Klein und lacht.

Im Herbst 2010 dann plötzlich die Diagnose: Brustkrebs. „Zunächst wollte ich es gar nicht wahrhaben. Nach den ersten Anzeichen haben meine Tochter und ich noch eine Rundreise durch Kanada gemacht. Das war im Nachhinein betrachtet auch die richtige Entscheidung“, so Gudrun Klein. Es folgten eine Operation und Chemotherapien. „Ich hatte damals große Angst, alles wieder zu verlieren, hatte Sorge, dass man mich im Job ersetzt. Während der Chemotherapie habe ich komplett durchgearbeitet.“ Die Arbeit habe ihr damals auch sehr über die Zeit hinweggeholfen. „Man kann als Patient sehr viel selbst tun“, betont Gudrun Klein. Auch Vertrauen in die behandelnden Ärzte sei wichtig. Zu diesem Zeitpunkt war sie in der Gynäkologie des Stauferklinikums in Behandlung.

Die Prognose sah nach der OP und der Chemotherapie wieder sehr gut aus. Gudrun Klein konnte im Job wieder voll einsteigen. Zunächst noch ohne die bisherigen größeren Auslandsreisen, da-nach auch wieder im weltweiten Vertrieb. Über zehn Jahre nach der Operation war alles gut, bei den regelmäßigen Kontrollen alles unauffällig.

Bis im Frühjahr 2018 bei einer Kontrolle auf einmal ein sogenannter Tumormarker wieder anstieg. Es wurde umgehend eine Computertomografie veranlasst. „Es war alles in Ordnung bis auf zwei kleine Teile auf der Leber, die nach Metastasen aussahen“, berichtet Gudrun Klein. Nach einigen Untersuchungen wurde die Leber am Stauferklinikum punktiert. Die erneute Diagnose: Krebs. Wieder musste in der Klinik behandelt werden.

Auf Empfehlung von Chefarzt Erik Schlicht kam eine besondere Therapie zum Einsatz, bei der ein Krebsmedikament direkt an die betroffene Stelle der Leber eingebracht wurde. „Danach ging es mir wieder richtig gut“, erzählt Gudrun Klein. „Ich musste weiterhin Medikamente nehmen, aber meine Lebensqualität war wieder da.“

Der Rückschlag dann im Dezember 2020: Bei einer erneuten Kontrolle wird festgestellt, dass die Krebszellen mutiert sind. Wieder ist eine Chemotherapie notwendig. „Das lief anfangs ganz gut“, so Gudrun Klein. Kurz darauf hat sich jedoch die Leber entzündet, die Prognose daraufhin extrem verschlechtert. „Es sieht leider nicht gut aus. Nach Rücksprache mit den Ärzten muss ich mit dem Schlimmsten rechnen“, berichtet Gudrun Klein völlig gefasst. „Klar, mir ging es damit, gelinde gesagt, überhaupt nicht gut. Das Schlimmste war zu diesem Zeitpunkt, meiner Tochter sagen zu müssen: ,Wir müssen sprechen.‘ So merkwürdig dies klingt; nach dem Gespräch ging es uns allen wieder besser.“

Notwendige Formalien wie der Gang zum Notar oder das erneute Verfassen einer mittlerweile abgelaufenen Patientenverfügung kosten Gudrun Klein unglaublich viel Kraft.

Mittlerweile kommt hinzu: Vor Kurzem wurde bei Gudrun Klein Diabetes festgestellt. Seitdem bekommt sie außer Cortison für die Leber zusätzlich Insulin wegen der Zuckererkrankung.

Trotz alledem will Gudrun Klein ihre Geschichte nicht für sich behalten, will anderen Betroffenen Mut machen. Gelassenheit bringe unglaublich viel bei einer Krebserkrankung. Sie rät dazu, sehr auf seinen Körper zu achten. Es bringe viel, sich Zeit für sich zu nehmen und täglich eine halbe Stunde in sich hineinzuhören. „Schlechte Gedanken schränken nur ein und verbessern die Prognose nicht. Es hilft nicht, mit aller Macht gegen den Krebs anzukämpfen.“

Vielmehr solle man die Erkrankung annehmen und lernen, mit ihr umzugehen. Es sei gut, aktiv zu werden. Zum Beispiel könne man Blutwerte selbst checken und behandelnde Ärzte aktiv ansprechen. „Man muss Ärzten auch die Gelegenheit geben, zu reagieren, wenn man selbst Veränderungen feststellt. Im Bestfall entsteht bei der Behandlung ein Miteinander.“

In Bezug auf die Beziehung zum Arzt sagt sie: „Im Bestfall entsteht bei der Behandlung ein Miteinander.“

Ihren Humor hat Gudrun Klein auch durch die Erkrankung nicht verloren. Als „Insulianerin“ bezeichnet sie sich, da sie bereits viele Inseln wie Bali, Sri Lanka oder Madagaskar besucht hat und heute Insulin spritzen muss. Bilder der damaligen Reisen schickt sie nun an Freunde, die auch Insulin spritzen müssen und sich an den Erinnerungen an zurückliegende Reisen mit erfreuen.

Wenn man sie fragt, woher sie ihre Kraft nimmt, sagt Gudrun Klein: „Von ganz innen.“ Sie hört auf ihren Körper, lässt sich nicht von anderen Meinungen beeinflussen. Das verunsichere nur und mache schwach. Für sie liegt die Freude im Erfolg. Diese Lebensfreude treibe sie an und mache glücklich. Ihre Botschaft möchte Gudrun Klein auch anderen weitergeben: „Es ist ganz wichtig, niemals den Optimismus zu verlieren!“

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Erstellt:
13. April 2021, 16:00 Uhr

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