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„Die Kreisverwaltung macht ihre Hausaufgaben“

Das Interview: Felicia Wurster, Leiterin der Klimaschutzgeschäftsstelle, spricht über Klimaprojekte des Landkreises.

Felicia Wurster

Felicia Wurster

Von Lorena Greppo

In den vergangenen Monaten hat unsere Beispielfamilie versucht, in diversen Bereichen ihres Alltags weniger CO2 zu verursachen – ein Ziel, das sich auch der Rems-Murr-Kreis gesetzt hat. Welche Impulse setzt der Landkreis, um die Bürger bei diesem Vorhaben zu unterstützen?

Wir haben zwischenzeitlich bereits das dritte Klimaschutzhandlungsprogramm entwickelt. Dabei war uns wichtig, dass es sehr vielfältig ist und unterschiedliche Gruppen innerhalb der Bürgerschaft anspricht. Wir versuchen über möglichst viele Kanäle zu informieren und motivieren. Zuletzt hatten wir einen Ideenwettbewerb, in dem es darum ging, dass die Bürger eigene Ideen und Projekte für den Klimaschutz einreichen. Das werten wir aus und machen diese Ideen bekannt. So kann man sehen, was bei anderen gut klappt und das vielleicht auch selbst umsetzen. Dann gibt es die Aktion Stadtradeln. Damit wollen wir anregen, drei Wochen lang möglichst auf das Auto zu verzichten und zu schauen, ob die gleichen Strecken auch mit dem Rad gut bewältigt werden können. Dann sind wir gemeinsam mit der Energieagentur in Schulen unterwegs, so werden Schüler schon früh für das Thema sensibilisiert und können mit kleinen Projekten und Experimenten ausprobieren, wie Energieverbrauch und Klimaschutz zusammenhängen. Dann hat die Geschäftsstelle Klimaschutz mithilfe von Fördermitteln der Glücksspirale des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft ein Projekt für die nachhaltige Entwicklung im Bereich der Lebensmittelverarbeitung initiiert. Da wenden wir uns direkt an Auszubildende in dieser Branche, also beispielsweise Köche und Bäcker, und schauen gemeinsam, wo man in der Ernährung CO2 einsparen kann. Ein Aspekt davon war, dass die Teilnehmer gemeinsam mit ihren Lehrkräften klimafreundliche Rezepte entwickelt haben. Das Ganze wird bald in einer App veröffentlicht, sodass jeder daran teilhaben kann.

2012 hat der Kreis ein integriertes Klimaschutzkonzept verabschiedet.
Was ist seitdem erreicht worden?

Wir haben 2015 noch mal eine aktualisierte CO2-Bilanz machen lassen. 2017 lagen die Ergebnisse der Aktualisierung vor. Dabei kam heraus: Die Kreisverwaltung macht ihre Hausaufgaben. Wir haben unsere CO2-Bilanz schon verbessert und sind weiter dabei, weniger Energie zu verbrauchen. Es kam aber auch deutlich heraus, dass wir die Unternehmen und die Bevölkerung noch mehr mit einbinden müssen, damit wir auch im Verkehrssektor oder im Wärmesektor etwas erreichen. Deswegen ist unser neues Handlungsprogramm viel stärker auf die Bürgerschaft und die Unternehmen ausgerichtet. Denn wir als Kreisverwaltung machen nur einen kleinen Anteil am CO2-Ausstoß im Rems-Murr-Kreis aus.

Wo gibt es Ihrer Ansicht nach noch am meisten Nachholbedarf im Rems-Murr-Kreis?

Was die Sektoren betrifft, verteilt es sich ziemlich genau zu jeweils einem Drittel auf Strom, Wärme und Verkehr. Aber daran arbeiten wir. Und gerade was den Verkehr angeht, sind nicht nur wir von der Geschäftsstelle Klimaschutz schwer aktiv. Ein wichtiges Ziel des Klimaschutzkonzepts war es, den ÖPNV und das Radfahren attraktiver zu machen. Beim ÖPNV ist die Tarifzonenreform positiv hervorzuheben. Für die Verbesserung der Radinfrastruktur haben wir eine eigene Stabsstelle geschaffen. Die größten Projekte sind ein durchgehendes und sicheres Radwegenetz für den gesamten Landkreis und Radschnellverbindungen entlang der hoch belasteten Pendlerrouten. Da, finde ich, sind wir echt gut dabei.

Wie werden neue Projekte im Landkreis angestoßen? Woher kommen die Ideen?

Zum einen geht unser Blick immer wieder zurück in die CO2-Bilanz. Die ist unser Ansatzpunkt, wenn wir schauen, wer die größten Emittenten sind und waren. Dann überlegen wir, wie wir es schaffen können, dass der CO2-Ausstoß in diesem Sektor sinkt. Dabei schauen wir uns natürlich auch um und lassen uns von dem inspirieren, was andere Landkreise machen. Oftmals kommen wir aber auch bei Veranstaltungen mit den Bürgern in den Dialog, da kriegt man auch Ideen mit. Oder auch über die Politik, die Ideen liefert und im gleichen Zug Fördermittel dafür ausschreibt. Es ist letztendlich ein sehr buntes Gefüge, aber wichtig ist bei allem der prüfende Blick darauf: Spare ich auch wirklich CO2 damit ein? Bringt uns das Projekt weiter?

Welche Projekte in Bezug auf den
Klimaschutz hat der Rems-Murr-Kreis als nächste geplant?

Stadtradeln geht in eine neue Runde, da machen 15 Kommunen aus dem Rems-Murr-Kreis mit. Die genannte App, „Klimagenuss“, kommt im Juli raus. Aktuell läuft der Antragszeitraum für das Förderprogramm „Agenda 2030 – Projekte für eine nachhaltige Entwicklung mit Bezug zum Klimaschutz“, bei dem sich Vereine auf Fördermittel bewerben können, wenn ihr Projekt einen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Was wir leider etwas verschieben mussten – aufgrund von Corona –, ist der Klimaschutz- und Energietag, der nun im Herbst stattfindet.

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Erstellt:
27. Juni 2020, 06:00 Uhr

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