„Die Lust auf die Schale ist riesig“

Allianz MTV Stuttgart startet als Nummer eins der Volleyball-Bundesliga in die Play-offs. Trainer Konstantin Bitter vertraut auf die Heimstärke.

Will nach ganz oben:

© Baumann

Will nach ganz oben:

Von Jochen Klingovsky

Stuttgart - Jetzt zählt es: Am Sonntag (16 Uhr/Scharrena) starten die Stuttgarter Volleyballerinnen in die Play-offs um die Meisterschaft. Im Viertelfinale (Modus best of three) geht es gegen Schwarz-Weiß Erfurt. Für Trainer Konstantin Bitter ist klar: Die dicken Brocken kommen erst danach.

Herr Bitter, mit welchem Ziel starten Sie und Ihr Team in die entscheidende Phase der Saison?

Der Anspruch an uns selbst hat sich nicht verändert.

Was bedeutet das?

Wir wollen um Titel spielen.

Und am Ende die Schale holen?

Ich würde es so formulieren: Um unserem Anspruch gerecht zu werden, müssen wir ins Finale der Play-offs einziehen. Und wenn sich die Chance bietet, dann wollen wir natürlich auch Meister werden.

Was spricht für Ihr Team?

Das Niveau, auf dem wir spielen können und das wir in dieser Saison sehr oft abgerufen haben. Und natürlich unsere Heimstärke.

Sollte es in den Play-offs zu einem entscheidenden dritten oder fünften Duell kommen, würde dieses in der Scharrena stattfinden.

Richtig. Zu Hause sind wir in dieser Bundesliga-Saison ungeschlagen, haben nur im CEV-Cup gegen Galatasaray Istanbul verloren. Diesen Vorteil, den wir uns als Nummer eins in Deutschland hart erarbeitet haben, wollen wir nutzen.

Vor knapp drei Wochen hat Ihr Team nach den ersten beiden miserablen Sätzen im Tiebreak des Pokalfinales gegen den VfB Suhl 13:11 geführt und doch noch verloren. Wie sehr wirkt dieses Negativerlebnis nach?

Es tut immer noch weh, dass es zwei Sätze gedauert hat, bis wir im Spiel waren. Danach haben wir uns jedoch eindrucksvoll zurückgekämpft. Das Ende war unglücklich – und hat gezeigt, was wir noch lernen müssen.

Was?

Auch große Spiele zu gewinnen.

Wie schwer ist das?

Für eine Mannschaft, die in einem Entwicklungsprozess steckt, ist das nicht einfach. Bei uns kennt nur Pia Kästner das Gefühl, Titel zu gewinnen. Toni Stautz und Mikala Mogensen haben Pokalendspiele verloren, alle anderen standen noch nie in einem Finale.

Beim VfB Suhl hatte gar niemand Endspiel-Erfahrung.

Als Außenseiter ist die Ausgangsposition immer anders: Die Suhlerinnen hatten nichts zu verlieren. Wir müssen nicht nur lernen, große Spiele zu gewinnen, sondern auch, große Spiele als Favorit zu gewinnen.

Zurück zur Frage: Besteht die Gefahr, dass das verlorene Pokalfinale Ihrer Mannschaft einen Knacks versetzt?

Ich denke, dass das Gegenteil der Fall ist: Mein Team wird im Kampf um die Meisterschaft umso motivierter sein. Ob ich richtig liege, wird sich im Halbfinale und hoffentlich auch im Finale zeigen.

In den drei Spielen nach der Pleite im Pokal gab es ein ziemliches Auf und Ab.

Das sehe ich ein bisschen anders. Bei den beiden Heimsiegen gegen den VC Wiesbaden und den USC Münster hatten wir einen Satz, den wir zu locker angegangen sind. Ansonsten war ich zufrieden. Und zum Abschluss haben wir als erster Bundesligist in dieser Saison beim SSC Schwerin gewonnen. Unser Ziel war, nicht mit einer Niederlage im Gepäck die elfstündige Heimreise antreten zu müssen. Das haben wir durch den 3:2-Erfolg geschafft – und uns zugleich Selbstvertrauen für die Play-offs geholt. Mehr war in diesem Spiel für uns nicht möglich.

Jetzt geht es in den Play-offs gegen den Tabellenachten Schwarz-Weiß Erfurt.

Die erste Runde ist für uns eine Pflichtaufgabe. Danach wird es umso schwerer – aber wir werden bereit sein!

Gibt es etwas, das Ihnen Sorgen macht?

Nein. Allerdings haben wir ein Thema, auf das wir achten müssen.

Welches?

Wir hatten nun öfter den Fall, dass wir einen oder gar zwei Sätze Anlauf gebraucht haben, um unseren Rhythmus zu finden. Wir müssen aufpassen, dass dies nicht zu einer schlechten Gewohnheit wird. Ziel muss sein, unsere PS von Anfang an auf die Straße zu bekommen. Holprige Starts dürfen wir uns in den Play-offs nicht mehr erlauben.

Wer ist der größte Titelkonkurrent?

Wir haben in Suhl unser einziges Bundesliga-Spiel verloren und sind auch im Pokal am VfB gescheitert. Dieser Gegner würde uns alles abverlangen. Aber auch der Dresdner SC hat sich im Laufe der Saison sehr gut entwickelt, und der SSC Schwerin hat vom Talent her den besten Kader der Liga und sich in der Rückrunde stark verbessert. Allerdings haben wir alle Spiele gegen diese beiden Kontrahenten gewonnen – und uns entsprechenden Respekt erarbeitet.

Wäre es nach 19 Siegen in 20 Bundesliga-Partien nicht eine riesengroße Enttäuschung, den Titel nicht zu holen?

Wir müssen nicht Meister werden. Allerdings lief die Saison so gut, dass wir sagen können: Wer die Schale gewinnen will, der muss uns erst mal schlagen.

Wie groß ist die Lust auf den Titel?

Jede Spielerin, die sich für Allianz MTV Stuttgart entscheidet, tut dies, weil die Chance, eine Trophäe zu holen, hier ziemlich hoch ist. Wir haben nun acht Monate gelacht und geweint, geschwitzt und gekämpft, gearbeitet und gespielt – um am Ende etwas Großes zu gewinnen. Die Lust auf die Schale ist riesig. Aber Titel tatsächlich zu holen, ist alles andere als einfach. Diese Erfahrung haben wir vor Kurzem gemacht.

Sie haben Ihren Vertrag vorzeitig verlängert, zugleich wird ein Großteil des Kaders in Stuttgart bleiben. Hat das Auswirkungen auf die Play-offs?

Ich hoffe es. Jede Spielerin, die bezüglich ihrer Zukunftsplanungen Sicherheit hat, kann sich besser aufs Wesentliche konzentrieren. Und der Verein hat mit den Vertragsverlängerungen natürlich auch gezeigt, dass das Vertrauen in dieses Team enorm groß ist.

Wie viel Potenzial steckt in Ihrer Mannschaft?

Sehr viel. Wenn wir im Sommer die Vorbereitung auf die nächste Saison beginnen, werden wir schon eine Identität haben. Wir können uns dann viel früher auf die Volleyball-Elemente fokussieren, in denen wir uns weiterentwickeln wollen.

Wie steht es um die Förderung der Talente aus dem eigenen Verein?

Unsere jungen Spielerinnen müssen die Möglichkeit haben, sich bei uns durchsetzen zu können. Entsprechend wird der Kader zusammengesetzt sein.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Leilani Slacanin wird nächste Saison nicht mehr fünfte Außenangreiferin sein, sondern eine von vier. Sie wird einen höheren Stellenwert im Team bekommen – denn sie hat das größte Entwicklungspotenzial von allen. Wir wollen, dass sich unsere jungen Spielerinnen aufs Feld kämpfen und sich dort auch behaupten. Das trauen wir ihnen absolut zu!

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Erstellt:
18. März 2026, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
18. März 2026, 23:55 Uhr

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