Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Die Lust auf eigenen Honig wecken

Imker Rudolf Hofmann erklärt, wie der süße Saft ins Glas kommt – Honigernte bisher nicht so üppig

Honig – der süße Nektar, der schon Winnie Puuh um den Verstand gebracht hat: Wir wissen, dass die Bienen für dieses Produkt verantwortlich sind. Aber wie kommt es eigentlich ins Glas? Diese Frage ist nicht mit einem kurzen Satz zu beantworten. Was alles nötig ist, bis man den Honig auf sein Butterbrötchen schmieren kann, erläutert Rudolf Hofmann – einer, der es wissen muss, denn er ist Imker und Vorstand beim Bezirksbienenzüchterverein Murrhardt.

Mit einer Art Gabel wird über die Waben gekratzt, um die sogenannten Deckel zu öffnen, damit geschleudert werden kann. Foto: privat

Mit einer Art Gabel wird über die Waben gekratzt, um die sogenannten Deckel zu öffnen, damit geschleudert werden kann. Foto: privat

Von Yvonne Weirauch

MURRHARDT. Es summt und brummt in den Waben von Rudolf Hofmann. Ein ganzer Schwarm arbeitet im Bienenstock. Zwischen dem Gewusel sucht die Königin Schutz vor der Helligkeit. Faszinierend für den Betrachter: In der Masse greift alles ineinander. Jedes Bienchen hat seine Aufgabe. Die Entwicklung der Völker sei immer aufs Neue spannend. Im Moment hat Hofmann etwa 15 Bienenvölker: „Aber das ändert sich von Jahr zu Jahr.“ Heuer sei die Honigernte bis jetzt durchwachsen und falle nicht so üppig aus: „Frühjahrshonig gab es nicht.“ Der Grund: Nach den warmen Tagen wurde es noch mal kalt. Das habe die Bienen gezwungen den im Frühjahr gesammelten Honig selbst zu verzehren. „Sie brauchen viel Nektar zur Aufzucht“, erklärt der Imker. Immerhin lege eine Königin rund 2000 Eier in ihrem Leben.

Hofmann ist ein begeisterter Imker, immer wieder von den fleißigen Pollensammlern fasziniert und gibt gerne sein Wissen über die „schwäbische Landbiene“ und über die Honiggewinnung weiter. Der Prozess vereinfacht ausgedrückt: „Honig wird von Bienen aus dem Nektar von Blüten oder aus Honigtau erzeugt. Dies passiert dann, wenn ausreichend Nektar oder Honigtau zusammengetragen wird. Nur wenn der laufende Bedarf für die Ernährung des Volkes und die Aufzucht der Brut gedeckt ist, wird Honig erzeugt.“ Und dann beginnt die eigentliche Arbeit für den Bienenzüchter.

Der Unterschied zwischen Wabenhonig und geschleudertem Honig beginne bereits im Bienenstock. Möchte ein Imker ganz normal seinen Honig im Glas abfüllen, wird er nach der Blüte ab und an in den Bienenstock schauen, um den Reifegrad zu prüfen. Eventuell nutzt er ein Refraktometer, um sich damit auf einer Skala den Wassergehalt im Honig anzeigen zu lassen. Dieser ist genau festgelegt: Laut der Deutschen Honigverordnung darf Honig nicht mehr als 20 Prozent Wasser enthalten, nach dem Deutschen Imkerbund liegt die Schwelle sogar bei 18 Prozent. Sobald also dieser Wert erreicht wird, kann sich der Imker ans Ernten machen.

Bereits vor Monaten hat Rudolf Hofmann ein Absperrgitter zwischen die Kästen gelegt, damit die Königin im obersten Kasten des Stocks keine Eier ablegen kann. „In diesen Waben haben die Bienen also nur Futter, sprich Honig gesammelt. Ist diese Wabe voll und der Inhalt aus Sicht der Biene bereit für eine längere Lagerung, verdeckeln die Insekten diese“, erklärt der Imker. Wenn der Honig geerntet werden kann, wird das Absperrgitter entfernt und eine Bienenflucht eingebaut. Bevor der erste Honig fließt, muss Rudolf Hofmann erst einmal die zwei bis drei Kilo schweren Holzrähmchen mit den Waben aus den Bienenstöcken holen. „Wenn die Rahmen verdeckelt sind, dann kann ich schaben“, erklärt Hofmann den Vorgang.

Mit einer Art Gabel wird dann über die Waben gekratzt, um die Deckel zu öffnen. „Erst dann kann geschleudert werden.“ Die ein bis zwei Millimeter dicke Wachsschicht, die mit der Gabel abgeschabt wird, ist reines Deckelwachs. Daraus wird Kosmetik wie beispielsweise Lippenstift hergestellt oder Wachstuchbeutel, die dem Prinzip eines Frischhaltebeutels ähneln.

Während andere Imker schon maschinell betriebene Schleudern verwenden, setzt Hofmann noch auf „Handarbeit“. Vergleichbar sei das Prinzip mit einer Salatschleuder. „Ich stecke vier Holzrahmen in die Schleuder. Beim Drehen wird der Honig aus den Waben gegen die Innenwand des Edelstahlbehälters geschleudert.“ Und bald fließt dann eine dunkelgoldene Masse aus der Öffnung und über ein Sieb in einen Eimer. „In dem Sieb bleiben die Wachsreste hängen.“ In diesem Jahr hat Hofmann erst einmal geschleudert: „Es gab Jahre, da haben wir das zu dieser Zeit schon fünf- oder gar sechsmal gemacht“ Alles sei von der Natur selbst und vom Wetter abhängig. Als Imker müsse man abwarten, wie die Bienen entscheiden.

Der Schleudervorgang ist nach drei bis fünf Minuten beendet. Acht bis zehn Kilo Honig kommen meist zusammen. „Wenn ein Eimer etwa drei viertel voll ist, wird der nächste gefüllt“, so Hofmann. Rund drei Tage werden die vollen Eimer stehen gelassen. Wichtig sei dabei eine trockene, dunkle und kühle Einlagerung. Denn der Honig nehme gerne Feuchtigkeit auf: „Das soll er aber nicht, deshalb die trockene Lagerung.“ Nach den Tagen schwimmen auf der Oberschicht einige Ablagerungen und feine Wachsrückstände, die entfernt der Imker: „Das nennt man abschäumen oder abschöpfen.“ Und dann ist der Honig bereit – er kann in Einweggläser abgefüllt werden.

In der Küche hat Roswitha Hofmann den Abfülltopf bereitgestellt. „Eine tolle Konsistenz“, freut sich ihr Mann. Woran er das erkennt? „Man sieht, dass der Wassergehalt stimmt, weil der Honig gut ins Glas läuft und sich so rotierend auftürmt.“ Immer wieder entsteht ein anderer Honig – je nachdem, wie fleißig die Bienen waren und was sie gesammelt haben. „Das ist nun ein Mischhonig“, erklärt Hofmann und zeigt aufs Glas. Ob Honig gut schmecke, sei immer eine individuelle Geschmackssache.

Was ebenso reine Geschmacksache ist: der Wabenhonig. Hofmann erklärt: „Der Wabenhonig wird von den Bienen produziert und der Imker erntet ihn. Das heißt, die Bienen bauen die gesamten Waben selbst, ganz auf natürliche Weise.“ So wie die Bienen den Honig in den Waben verschlossen haben, so wird er ganz und gar unverarbeitet weiterverwendet. Der Wabenhonig kann entweder in dünnen Scheiben zum Verzehr aufgeschnitten werden oder man kann ihn in kleinen Stücken essen, ähnlich einem süßen Kaugummi.

Rudolf Hofmann ist ein begeisterter Imker. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Rudolf Hofmann ist ein begeisterter Imker. Fotos: J. Fiedler

Info
25. Bienenfest

Wer mehr über die Arbeit eines Imkers erfahren möchte, hat am Sonntag, 25. August, die Möglichkeit dazu. Der Bezirksbienenzüchterverein Murrhardt lädt ab 11 Uhr zum 25. Bienenfest vor der Gemeindehalle Fornsbach ein.

Zum Artikel

Erstellt:
21. August 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!