Die Millionenfragen bei den Leihspielern

Der VfB hat bei den Personalplanungen für die nächste Saison einen Balanceakt zu meistern, bei dem die aktuell nur ausgeliehenen Spieler eine besondere Rolle spielen. Bei einem von ihnen ist mittlerweile immerhin schon klar, dass er über den Sommer hinaus in Stuttgart bleiben wird.

Haben aktuell viel zu tun: Fabian Wohlgemuth und Alexander Wehrle bauen den VfB-Kader der Zukunft. Wie der aktuelle aussieht und welche Vertragslaufzeiten die einzelnen Akteure besitzen, sehen Sie in der Bildergalerie.

© Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Haben aktuell viel zu tun: Fabian Wohlgemuth und Alexander Wehrle bauen den VfB-Kader der Zukunft. Wie der aktuelle aussieht und welche Vertragslaufzeiten die einzelnen Akteure besitzen, sehen Sie in der Bildergalerie.

Von Philipp Maisel

Stuttgart - Leihgeschäfte gehören beim VfB Stuttgart seit einiger Zeit fest zum Geschäftsmodell. Die stattliche Anzahl von gleich 14 (!) Spielern ist entweder bis zum 30. Juni 2024 von anderen Clubs ausgeliehen oder an andere Clubs verliehen.

Bei so einer Ausgangslage ist es kein Wunder, dass der Club seine Personalplanungen unter Hochdruck vorantreibt. Zumal er auch den Balanceakt schaffen muss, einen Kader zu entwickeln, der zwei Ziele erreichen kann – nämlich potenziell einem internationalen Wettbewerb mit Spielen im Drei-Tages-Rhythmus gewachsen und zusätzlich in der Lage zu sein, auch in der kommenden Saison den sicheren Klassenverbleib in der Bundesliga zu schaffen. Das ist und bleibt das Primärziel der Verantwortlichen.

Sie werden alles daran setzen, nicht wie vor rund 15 Jahren noch einmal in die sogenannte Champions-League-Falle zu tappen, die den Club damals um Jahre zurückwarf. Wovon er sich jetzt gerade erst so richtig zu erholen scheint. Der VfB wird daher auch zukünftig auf einen Kader setzen (müssen), bei dem Leihspieler eine große Rolle spielen. Abhängig vom Wettbewerb, in dem man unterwegs sein wird, wird sich nur die Regalhöhe ändern, in der man sich bedient.

Zudem müssen Sportvorstand Alexander Wehrle und Sportdirektor Fabian Wohlgemuth die Begehrlichkeiten im Zaum halten. So weckt die hervorragende sportliche Ausgangslage intern wie extern eine gewisse Erwartungshaltung, wieder am ganz großen Rad drehen zu wollen. Was schon aufgrund der wirtschaftlichen Zwänge, denen der Club immer noch Rechnung tragen muss, gar nicht möglich ist. In diesen Personalplanungen markierten die winterlichen Vertragsverlängerungen mit Waldemar Anton, Enzo Millot, Chris Führich und Pascal Stenzel nur den Auftakt. Die viel größere Baustelle sind die eingangs erwähnten 14 Spieler, deren Leihen in vier Monaten enden.

Ausgeliehene Spieler

Besonders interessant ist die Lage bei den sechs ausgeliehenen Spielern, die regelmäßig unter Trainer Sebastian Hoeneß zum Einsatz kommen oder gar Stammspieler sind. Leonidas Stergiou (FC St. Gallen), Jamie Leweling (Union Berlin) und der erst kürzlich dazugeholte Mahmoud Dahoud (Brighton & Hove Albion) sind nah dran an der Startelf und leisten einen wichtigen Beitrag. Leweling und Stergiou wären für vergleichsweise überschaubare Summen fest zu verpflichten, bei Dahoud dürfte das Gesamtpaket für den VfB dagegen kaum zu stemmen sein.

Das gilt auch für Deniz Undav und Alexander Nübel – doch in beiden Fällen ist man beim Club bereit, bis an die Grenze des Machbaren zu gehen. „Ja, auf jeden Fall“, antwortete Undav zuletzt auf die Frage, ob er beim VfB bleiben wolle. „Ich fühle mich hier wohl.“ Vom Club wurden diese Aussagen wohlwollend registriert, auch der VfB will Undav halten. Doch so einfach ist das nicht. „Wir wünschen uns, dass er bleibt. Aber da muss auch der Verein, der ihn abgeben muss, mitmachen. Wir werden unsere Finanzen gegenüberstellen und dann schauen, in welche Richtung es geht“, sagte Sportchef Wohlgemuth, der neben einer satten Ablöse (die Kaufoption für Undav liegt bei etwa 10 Millionen Euro, dazu können erfolgsabhängige Zuschläge kommen) auch das künftige Gehalt, Handgelder und Beraterprovisionen mit bedenken muss. Da kommt so ein Paket schnell auf 30 Millionen Euro und mehr.

Ähnlich sieht es im Fall Nübel aus. Der Torwart kann sich nach Informationen unserer Redaktion einen Verbleib in Stuttgart mehr als nur vorstellen. Doch bevor er beim VfB einen neuen Vertrag unterzeichnen kann, muss er sich zuerst mit Bayern München einigen. Dort hat er noch einen Vertrag bis Juni 2025 – eine erneute Ausleihe wäre also nicht ohne vorherige Vertragsverlängerung möglich. Die Alternative wäre ein kompletter Wechsel nach Stuttgart, was für den VfB mindestens ein Gesamtpaket in Undav-Dimension bedeuten würde. Möglich, dass in die Personalie demnächst Schwung kommt – jetzt wo die Münchner mit Max Eberl einen neuen Sportvorstand installiert haben und bisher aufgeschobene Personalentscheidungen nun abgearbeitet werden.

Immerhin: Einen Neuzugang für die kommende Runde aus dem Kreis der Leihspieler haben die Stuttgarter bereits sicher. Nachdem der VfB nicht mehr absteigen kann, greift die verpflichtende Kaufoption im Leihvertrag von Anthony Rouault (FC Toulouse). Diese war nach Informationen unserer Redaktion an den Nichtabstieg gekoppelt. Der Franzose wird bald einen langfristigen Vertrag beim VfB unterzeichnen.

Verliehene Spieler

Acht Akteure sind vom VfB an andere Vereine verliehen. Alle offensiver Prägung. Und ausnahmslos Spieler, deren Perspektiven in Stuttgart höchst überschaubar sind. Während man für Gil Dias (Legia Warschau), Juan Perea (Hansa Rostock), Ömer Beyaz (Hatayspor) und Luca Pfeiffer (Darmstadt 98) nach finalen Lösungen zum Abgeben sucht, scheint es bei Wahid Faghir (SV Elversberg), Thomas Kastanaras (SSV Ulm), Jovan Milosevic (FC St. Gallen) und Mohamed Sankoh (Heracles Almelo) eine Option, dass sie sich in der nächsten Sommervorbereitung noch einmal beweisen dürfen. Gelingt ihnen das nicht, sind weitere Ausleihen denkbar.

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Erstellt:
27. Februar 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
28. Februar 2024, 21:49 Uhr

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