Die Murr rückt etwas näher

Entlang der Backnanger Talstraße soll ein Tiefufer den Fluss erlebbarer machen – Hochwasserschutz und mehr Aufenthaltsqualität

In den nächsten Monaten entsteht zwischen der Aspacher Brücke und der Zufahrt zum Parkhaus Stadtmitte für Fußgänger ein neuer Zugang zur Murr. Um den künftigen Aufenthaltsbereich in Form eines sogenannten Tiefufers anlegen zu können, wird derzeit die bisherige Mauer des Flussbetts zur Talstraße hin abgebrochen. Das Plateau mit Sitzbänken befindet sich nur wenig über dem Wasserspiegel der Murr. Passanten erreichen es von beiden Seiten über Treppen.

In den nächsten vier Monaten wird die Murrmauer weggebaggert und mit zwei Treppen ein Zugang zum Wasser geschaffen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

In den nächsten vier Monaten wird die Murrmauer weggebaggert und mit zwei Treppen ein Zugang zum Wasser geschaffen. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Neugestaltung des Bereichs rund um die Aspacher Brücke geht in die nächste Phase. Nachdem links der Murr die Arbeiten in der Eduard-Breuninger-Straße und der Schillerstraße in wenigen Wochen abgeschlossen werden können, beginnen die Arbeiter nun bereits auf der gegenüberliegenden Seite mit einem Projekt, das den Menschen in der Stadt die Murr ein wenig näher bringen soll. Im weitesten Sinne vergleichbar mit den Murrtreppen auf Höhe der Bleichwiese. Bislang erlebten Passanten die Murr in diesem Bereich der Talstraße als unnahbar. Eine Mauer und eine drei Meter hohe Böschung samt Geländer trennten die Fußgänger vom Fluss. Das soll sich nun ändern. Zwischen Aspacher Brücke und der Holzbrücke mit der Zufahrt zum Parkhaus Stadtmitte können Passanten künftig bis zum Wasser hinabsteigen und über ein Tiefufer flanieren, das sich über 40 Meter Länge direkt neben dem Flussbett hinzieht. Mehrere Sitzbänke sollen die Menschen zum Verweilen einladen. Sie können im Falle eines Hochwassers ebenso wie das Tiefufer überflutet werden, dies sieht die Planung ausdrücklich vor.

Flussbett wird aufgeweitet

und der Querschnitt vergrößert

Seit Montagmorgen laufen die Arbeiten. Arbeiter der Firma Fritz Müller baggern derzeit am Fuß der Mauer die Böschung weg und bereiten die Abbrucharbeiten an der Mauer vor. Im Augenblick führt dies noch zu keinen weiteren Einschränkungen in der Talstraße, die Arbeiten können allesamt im Bereich der ohnehin schon existierenden Baustelleneinrichtung erfolgen. In drei bis vier Monaten soll das Tiefufer samt Treppen und neuer Stützmauer fertig sein. Die Mauer setzt in der Tiefe auf dem Fundament der bisherigen Mauer auf. Sie wird jedoch auf der gesamten Länge deutlich höher. Damit das über drei Meter hohe Bauwerk nicht zu öde wirkt, erhält es einen Spritzbetonvorsatz mit einer „Wellenoptik“.

Backnangs Baudezernent Stefan Setzer sieht in der Neuerung zwei Vorteile. Zum einen erhöht das Tiefufer die Aufenthaltsqualität in diesem Bereich der Stadt und ermöglicht den Bürgern einen Zugang zum Fluss. Zum anderen ergibt sich durch das Tiefufer eine Verbesserung im Fall eines Hochwassers. Das Flussbett der Murr wird unmittelbar vor der Aspacher Brücke aufgeweitet, der Fluss erhält so einen größeren Querschnitt. Das sorgt für weniger Probleme, wenn etwa ein Baumstamm angeschwemmt kommt. Setzer: „Wir können so das Nützliche mit dem Guten verbinden.“

Doch das Tiefufer ist nur ein Teil der Maßnahme. Im nächsten Jahr werden in der Talstraße von den Stadtwerken neue Wasser- und Gasleitungen verlegt. Zudem müssen die Abwasserkanäle zum Teil erneuert und saniert werden. Betroffen sind viele Einlaufschächte und Kanaldeckel. Diese müssen in diesem Bereich für Hochwasserfälle gesichert werden. Denn es ist ein Teil des Hochwasserschutzkonzepts der Stadt, dass künftig die Talstraße zwischen dem Sitz der griechischen Gemeinde und dem Hochwasserpumpwerk beim Abzweig Mühlkanal überflutet werden kann. Dammbalken quer über die Straße trennen dann die Bereiche, die geflutet werden dürfen, von denen, die trocken bleiben sollen. Zudem werden die Bushaltestelle Stadtmühle und der Parkplatz Talstraße umgebaut.

Mit dem Start dieser Arbeiten im nächsten Jahr kommen dann auch weitere Einschränkungen auf die Verkehrsteilnehmer zu. Geplant ist, die Talstraße für einige Wochen halbseitig zu sperren. Die Fahrt von der Aspacher Brücke in Richtung Sulzbacher Brücke soll jederzeit möglich sein. Die umgekehrte Richtung hingegen wird gesperrt. Wie weit, hängt vom jeweiligen Baufortschritt ab.

Die Kosten für das Tiefufer und die Sanierung und Umgestaltung der Talstraße sind Bestandteil des Pakets, das die Anpassung aller Straßen an die Aspacher Brücke umfasst. Es beläuft sich auf 5 Millionen Euro und beinhaltet die Umgestaltung und den Hochwasserschutz folgender Straßen: Eduard-Breuninger-Straße, Schillerstraße, Gerberstraße, Aspacher Straße und Talstraße sowie den endgültigen Ausbau des Aspacher Kreisels. Der Bau der Aspacher Brücke ist in diesen Kosten nicht enthalten, dafür waren zuletzt weitere 2,4 Millionen Euro fällig.

Steigt der Murrpegel, so darf das Tiefufer überflutet werden. Im Normalfall sollen aber die Menschen die Nähe zum Wasser genießen. Visualisierung: Stadt

Steigt der Murrpegel, so darf das Tiefufer überflutet werden. Im Normalfall sollen aber die Menschen die Nähe zum Wasser genießen. Visualisierung: Stadt

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Erstellt:
21. November 2018, 06:00 Uhr

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