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Die Nackten, die Toten und die Liebenden

Diese sieben Romane haben die Deutschen im Jahr 2018 am häufigsten gekauft

Bestseller - Diese fünf Romane haben die Deutschen im Jahr 2018 am häufigsten gekauft.

Literaturkritik und Bestsellerliste sind nicht gerade ein Liebespaar. Viel zu selten lesen Menschen das Wahre, Reine und Gute, das ihnen Literaturexperten ans Herz legen. Sicherlich gibt es hin und wieder Überschneidungen, zum Beispiel Elena Ferrantes Neapolitanische Saga. Den größten Erfolg haben jedoch Bücher, die nicht in die Kategorie „literarisch wertvoll“ fallen – aber offenbar die Herzen vieler Leser bewegen. Oder besser gesagt: Leserinnen. Denn von den sieben meistverkauften Belletristik-Titeln des Jahres 2018 haben vier weibliche Hauptfiguren.

Das wird die Buchhändler hoffentlich ein bisschen trösten, denn die Zeiten sind nicht rosig. Im vergangenen Jahr hat sich nur noch jeder zweite Haushalt in Deutschland mindestens ein Buch angeschafft. Vor zehn Jahren waren es noch zwei von drei Haushalten. Das Lesen von Büchern ist also generell auf dem absteigenden Ast. Wer trotzdem einen Überblick behalten will, bekommt in der folgenden Liste die wichtigsten Fakten und Einschätzungen zu den sieben erfolgreichsten Romanen des Jahres, die das Baden-Badener Markforschungsinstitut GfK Entertainment ermittelt hat.

Sebastian Fitzekist nicht mehr runterzukriegen von der deutschen Bestsellerliste. Kaum hat sich eines seiner Bücher von dort verabschiedet, tauchen schon ein oder zwei neue Werke von ihm auf. Ganz nach oben hat es im Jahr 2018 der Psychothriller„Das Paket“ geschafft. Zumindest beweist Fitzek auch in diesem Roman, wie gut er sich in Psychopathen einfühlen kann. Die junge Psychiaterin Emma Stein ist von einem Irren mit dem Spitznamen „Der Friseur“ vergewaltigt worden. Jetzt versteckt sie sich in einer Villa im Grunewald. Dort nimmt sie eines Tages ein Päckchen für einen Nachbarn entgegen, den sie gar nicht kennt ...

Provinz ist groß angesagt. Jedenfalls wenn es um Verbrechen geht. Entweder ist den Deutschen in ihren Kleinstädten und Dörfern so langweilig, dass sie sich Mord und Totschlag herbeisehnen. Oder die Großstadt-Leser finden den gediegenen Mord in der niederbayerischen Provinz beruhigender als die echte Messerstecherei in Neukölln. Zumal Provinz-Krimis oft mehr oder weniger augenzwinkernd daherkommen. InRita Falks „Kaiserschmarrndrama“ sucht „der Eberhofer“ in seinem neunten Fall den Mörder einer nackten Frau, die im Wald von Niederkaltenkirchen tot aufgefunden wurde.

Auch mit seinem zweiten Coup an der Spitze der literarischen Verkaufsschlager hält sichSebastian Fitzek an das offenbar unerschöpfliche Thriller-Biotop der Psychiatrie. Und er kombiniert es mit einem ebenfalls bereits vielfach erprobten Erfolgsmuster: Ein Vater sucht sein verschollenes Kind.„Der Insasse“ erzählt von einem verurteilten Kindermörder. Um ihn für seine Taten zur Rechenschaft zu ziehen, lässt sich der Vater eines Opfers in die geschlossen Anstalt einweisen, wo der Serienkiller seine Strafe verbüßt. Dieser schweigt, dafür sprechen die Affekte: Kinder, gesundes Rechtsempfinden, Selbstjustiz – ziemlich unheimlich.

Alle Jahre wieder. Die Comic-Roman-Reihe „Gregs Tagebuch“ vonJeff Kinneyhat sich unter den erfolgreichsten Dauerbrennern etabliert. 2017 stand Band 12 „Und tschüss!“ auf der Liste. Dieses mal feiert man ein Wiedersehen mit der quertreibenden Hauptfigur in der 13. Folge„Eiskalt erwischt“. Da gibt es noch Städte, die im Winter tief verschneit sind. Was man darin anstellen kann, kennen junge Leser bald nur noch aus Büchern. Ein Grund zu lesen.

Eigentlich könnte fast jedes Buch der britischen SchriftstellerinJojo Moyes„Mein Herz in zwei Welten“ heißen. Schließlich geht es in jedem um Frauen, die nicht wissen, wo sie mit ihrem liebenden Herzen hinsollen. Auch die eigenwillige Louisa aus diesem Roman hat mit ihrem Herzensleid schon zwei Bände lang die Herzen der Leserinnen bewegt. Die Liebe ihres Lebens hat sie bereits in Band 1 („Ein ganzes halbes Jahr“) verloren. Auch Band 2 („Ein ganz neues Leben“) hatte einen traurigen Schluss. Da möchte man natürlich wissen, wie es jetzt weitergeht, wenn sie in New York einen Neuanfang wagt.

„Young Adult“ heißt das Genre, dasMona Kasten mit ihrer Maxton-Hall-Trilogie abdeckt. Damit sind Romane für junge (weibliche) Erwachsene gemeint, in denen auch mal deftige Sex-Szenen vorkommen. Wie hier in„Save me“ , wo es über einige Seiten heftig zur Sache geht. Aber natürlich ist das Buch kein Porno, sondern eine auf den Geschmack von 17-jährigen getrimmte Liebesstory nach dem Muster „armes Mädel – reicher Schnösel“. Die Tändelei zwischen der herzensreinen Ruby Bell und dem arroganten (aber im Tiefsten Innern verletzlichen) James Beaufort an der Privatschule Maxton Hall läuft schnurstracks auf einen Cliffhanger zu. Denn schließlich folgen noch zwei weitere Bände.

Unter einem Jahrhundert geht gar nichts. Schließlich waren die Jahre zwischen 1900 und 1999 bewegte Zeiten. Deshalb hat die SchriftstellerinCarmen Korn das Schicksal von vier Freundinnen aus Hamburg über all diese Jahre in ihrer Jahrhundert-Trilogie begleitet.„Töchter einer neuen Zeit“ ist der erste Band. Er setzt im Frühjahr 1919 ein. Korn, Ex-Redakteurin der Illustrierten „Stern“, weiß durchaus zu erzählen. Sie verknüpft Zeitgeschichte und private Schicksale, große Liebe und Hitlers Aufstieg, starke Frauen und Zweiter Weltkrieg. Auch wenn das Ganze ein wenig höhepunktlos dahinfließt. Die Figuren wachsen dem Leser (und vor allem der Leserin) bald ans Herz.

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Erstellt:
21. Dezember 2018, 11:41 Uhr

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