Die Polizei klärt über den Enkeltrick auf

Das Polizeipräsidium Aalen hatte gestern einen Stand in der Backnanger Innenstadt. Mit dieser Aktion wollten die Polizisten vor allem ältere Menschen über Betrüger aufklären, die am Telefon Geld ergaunern wollen.

Der 78-jährige Richard T. lässt sich am Stand von dem Polizisten Klaus Ebner beraten und aufklären.  Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Der 78-jährige Richard T. lässt sich am Stand von dem Polizisten Klaus Ebner beraten und aufklären. Foto: T. Sellmaier

Von Annika Angele

Backnang. Mithilfe von Broschüren und persönlicher Beratung haben gestern die Polizisten die Menschen auf dem Wochenmarkt in der Backnanger Innenstadt über Trickbetrüger aufgeklärt. Ob durch den Enkeltrick oder Schockanruf, die Verbrecher sind gewieft. Wie Polizist Leo Keidel mitteilte, würden zwei Drittel der Senioren am Telefon bei einem Anruf auflegen. Doch auch wenn man die Gefahr rechtzeitig erkannt hat, sollte der Anruf ans Präsidium weitergeleitet werden, denn so kann die Polizei die versuchte Straftat registrieren. Die Methode des Schockanrufes sei auf dem Vormarsch, sagt Polizist Klaus Ebner. Die Betrüger seien mittlerweile schon so skrupellos, dass sie den Anruf mit Geräuschen des angeblichen Unfalls hinterlegen würden. So spielen die Täter mit der Angst ihrer Opfer, die dann aus der Not heraus eine Kaution überweisen.

Erst neulich wurde in Murrhardt eine 80-jährige Frau Opfer eines solchen Betrugs. Ein falscher Bankmitarbeiter rief sie an, um weitere Daten zu erhalten. Mit dieser Masche wurden der Rentnerin 26000 Euro abgeknöpft. Sie habe keinen Verdacht geschöpft, da ihr die Telefonnummer ihrer Hausbank angezeigt wurde. Doch einer bekannten Telefonnummer dürfe man kein Vertrauen schenken, denn diese kann sich heutzutage jeder beschaffen, so Keidel. Die Banden würden Vertrauen erzeugen, indem sie zum Beispiel erst einen vermeintlichen Polizisten, dann einen Staatsanwalt oder einen Bankmitarbeiter ans Telefon holen. Je mehr Leute in der Leitung aktiv seien, desto vertrauter wirke die Geschichte dahinter. So würden sie das Vertrauen der Senioren und deren Hilfsbereitschaft ausnutzen. „Der Betrüger vermittelt das Gefühl, als sei etwas Schreckliches passiert, aber er sei der Fels in der Brandung,“ sagt Ebner. Auch perfide: Die Leitung wird blockiert und die älteren Menschen können nicht einen Angehörigen anrufen, um nachzufragen. Selbst das Taxi zur Bank würden einem die Trickbetrüger bestellen. Aus diesem Grund hat die Polizei bereits Taxiunternehmen und Banken geschult, damit diese einen Fall noch rechtzeitig erkennen können, um die Betrugsmasche zu unterbrechen.

Die Hauptopfer sind alleinstehende und gut situierte Senioren

Rentner Richard T. nutzte das Angebot der Polizei am Mittwoch. Er wollte wissen, wie er sich bei einem Anruf richtig zu verhalten hat. Leo Keidel gab ihm den Tipp, das Telefonat gleich abzubrechen und sich zu merken, mit welchem Namen sich der Anrufer gemeldet hatte und welche Nummer angezeigt wurde. Außerdem solle man so wenig wie möglich reden, um keine Gefahr zu laufen, ungewollt Details preiszugeben. Auch solle man nicht meinen, dass, nur weil man nicht im Telefonbuch steht, man vor den Banden sicher sei. Über Preisausschreiben oder Datenbanken aus dem Internet holen sie sich die Informationen, die sie benötigen, sagt Keidel. „Ich lasse mich auf so etwas gar nicht ein,“ so der 78-jährige Rentner. Er bezahle wenn möglich immer bar, denn so hinterlasse er keine Spuren. Das befürwortet auch Keidel. „Mit der Kartenzahlung macht man sich gläsern.“

Die Hauptopfer seien alleinstehende und gut situierte Rentner. Die Betrüger würden im Telefonbuch nach altertümlichen Vornamen suchen, um die Senioren dann anzurufen. So könnten die Betrüger auch an die Nummer von Annegret Wilhelmsen gelangt sein. An drei kurz aufeinanderfolgenden Tagen wurde sie von einer unbekannten Nummer angerufen. Da solche Anrufe in der Nachbarschaft schon vorgekommen waren, habe sie sofort gewusst, was dahintersteckte. „Als ich dann mal abgehoben habe, waren in der anderen Leitung keine Stimmen zu hören, es war einfach still,“ so die 81-Jährige.

Das Polizeipräsidium Aalen hat die Aufklärung neben Backnang auch bereits in Winnenden, Schorndorf und Beutelsbach betrieben.

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Erstellt:
19. August 2021, 06:00 Uhr

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