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„Die Rems in Szene setzen“

Geschäftsführer Thorsten Englert freut sich auf die Remstal-Gartenschau 2019

In sechs Monaten wird die RemstalGartenschau 2019 eröffnet. Das Konzept ist neu und ungewöhnlich: Erstmals organisieren 16 Kommunen ein gemeinsames Grünprojekt. Wie dabei trotz Distanzen von bis zu 80 Kilometern zwischen den Veranstaltungsorten Gartenschau-Atmosphäre aufkommen soll, erklärt Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert im Interview.

Thorsten Englert ist Finanzbürgermeister der Stadt Schorndorf und zugleich Geschäftsführer der Remstal-Gartenschau 2019 GmbH. Foto: D. Grbic

Thorsten Englert ist Finanzbürgermeister der Stadt Schorndorf und zugleich Geschäftsführer der Remstal-Gartenschau 2019 GmbH. Foto: D. Grbic

Von Kornelius Fritz

Herr Englert, im Mai 2019 wird die Remstal-Gartenschau eröffnet. Liegen Sie mit den Vorbereitungen im Zeitplan?

Die Konzeption für die Remstal-Gartenschau steht und es wird zurzeit viel investiert im Remstal, aber der Gegner in diesem Projekt heißt Zeit.

Kürzlich wurde bekannt, dass ein Projekt – die geplante Kapelle auf dem Grafenberg bei Schorndorf – nicht rechtzeitig zur Gartenschau fertig wird. Gibt es noch weitere Projekte, bei denen Sie zittern müssen?

Im Remstal passiert gerade unglaublich viel: 16 Kommunen investieren insgesamt 60 Millionen Euro in Daueranlagen, um die Rems attraktiver zu machen. Das schafft einen gewaltigen Mehrwert für unsere Bürger. Selbst wenn das eine oder andere Projekt nicht bis zur Gartenschau realisiert werden kann, ist das nicht schlimm. Es gibt auch ein Leben nach 2019. Bei der Kapelle in Schorndorf hat es etwas länger gedauert, weil wir noch Ausgleichsflächen in Sachen Naturschutz bringen mussten. Wenn wir sie nun erst 2020 oder 2021 bauen, ist das für uns aber auch in Ordnung.

Eine Gartenschau findet üblicherweise auf einem großen, zusammenhängenden Parkgelände statt. Die Remstal-Gartenschau 2019 verteilt sich auf 16 Kommunen. Zwischen Essingen und Remseck liegen rund 80 Kilometer. Wie soll denn da eine GartenschauAtmosphäre entstehen?

Es war für uns die größte Herausforderung, ein Konzept zu entwickeln, das über Gebietskörperschaftsgrenzen hinausgeht und ein Marketinginstrument zu finden, um nicht nur eine Stadt, sondern eine ganze Region voranzubringen. Alle 16 Orte haben ihre eigenen Angebote, unsere Aufgabe war es, die Achse zu bilden – ob das der Remstal-Radweg ist, ob es die Verknüpfung mit dem ÖPNV ist oder dass wir ganz tolle Ein- und Mehrtagesangebote für Gruppenreisen bieten. Wir sind auch hochinteressant für Wohnmobilisten. Für die war das Remstal bisher ein blinder Fleck, künftig werden wir hier 70 Wohnmobil-Stellplätze haben.

Welche Idee steckt hinter dieser Gartenschau?

Unser Konzept lässt sich mit vier Schlagworten erklären: Das Remstal steht für Natur, das Remstal steht für Bewegung, das Remstal steht für Kultur in Form von Kunst und Architektur. Und das Remstal steht, wie fast keine andere Region für Genuss in Form von vielen tollen Weingütern und hervorragender Gastronomie bis hin zur Sterneküche. Anhand von diesen vier Wörtern haben wir ein Konzept entwickelt. Bei Bewegung dreht sich ganz viel um die Themen Wandern, Rad- und Kanufahren. Beim Thema Natur werden wir die Rems dauerhaft enorm aufwerten, zum Thema Kultur haben wir das Projekt „16 Stationen“, bei dem wir 16-mal Spitzenarchitektur ins Remstal bringen und damit Landmarken als verbindendes Element schaffen. Und in Sachen Genuss werden wir unsere Besucher verwöhnen.

Welche Rolle spielt die Rems als Fluss in Ihrem Konzept?

Die Rems ist das verbindende Element unserer 16 Kommunen und wir werden sie in Szene setzen. Der Fluss wird an vielen Stellen renaturiert, das heißt, für die Menschen zugänglich und damit erlebbar gemacht. Die Rad- und Wanderwege werden wir immer wieder an der Rems entlangführen. Wir werden auch den Rems-Mittelpunkt in Lorch-Waldhausen inszenieren: Momentan ist der gar nicht sichtbar, künftig wird das ein ganz toller Ort, genauso wie der Ursprung der Rems in Essingen.

Eine Gartenschau lockt Tagestouristen aus dem ganzen Land an. Wie soll denn ein Ausflug zur Remstal-Gartenschau konkret ablaufen? Für eine Besuchergruppe wird es ja kaum möglich sein, an einem Tag 16 Orte abzuklappern.

Auch der klassische Gartenschaufreund kommt bei uns auf seine Kosten, weil die Stadt Schwäbisch Gmünd und die Stadt Schorndorf Erlebnisgärten anbieten: Da gibt es Blumenhallen, Schaugärten und Bühnen, also all das, was man von einer klassischen Gartenschau kennt. Außerdem wird es in jeder der 16 Kommunen mindestens einmal eine sogenannte Highlightwoche geben. In dieser Woche richtet sich die ganze Aufmerksamkeit auf diese Kommune und dort wird es dann auch ganz besondere Angebote geben.

Befürchten Sie nicht, dass sich die Kommunen eher als Konkurrenten im Kampf um die Gäste sehen denn als Partner?

Das ist doch gut so, denn dadurch wird es für den Besucher interessant. Wir werden aber auch viele interkommunale Feste feiern, etwa die Aktion „Baden-Württemberg spielt“, bei der in allen 16 Kommunen gespielt wird.

Mehrere geplante Gartenschau-Projekte konnten nicht verwirklicht werden: Die geplante Kanuroute von Waiblingen nach Winterbach ist am Veto des Remshaldener Gemeinderats gescheitert, der Aussichtssteg in Stetten oder das Waldhaus in Urbach wurden per Bürgerentscheid gestoppt. Steht die Bevölkerung im Remstal überhaupt hinter dieser Gartenschau?

Ein großer Teil der Bevölkerung steht voll und ganz hinter dieser Gartenschau. Die Bürgerinnen und Bürger sind überall dort Feuer und Flamme, wo man sie zeitnah informiert und eingebunden hat. Jede Stadt und jede Gemeinde plant und baut auf eigene Kosten. Kommunikation und Information sind deshalb extrem gefordert. Die Entscheidung zum Steg in Kernen im Remstal habe ich überhaupt nicht verstanden, weil das einen deutlichen Mehrwert für den Ort gebracht hätte, aber ein demokratisches Votum muss man akzeptieren. Wir werden trotzdem eine tolle Gartenschau haben, die sehr abwechslungsreich ist.

Von Naturschutzverbänden bekommen Sie aber auch Kritik zu hören. Viele Projekte würden ohne Rücksicht auf den Naturraum geplant und umgesetzt, heißt es. Das Event sei wichtiger als der Naturschutz.

Unser Ansatz ist, dass wir den Menschen unsere schöne Seite auch zeigen wollen. Es ist ja der Sinn einer Gartenschau, die Menschen in die Landschaft zu bringen, aber das beißt sich eben manchmal mit dem Naturschutz. Aber ich glaube, wir sind da inzwischen auf dem Weg zu einem guten Kompromiss. Ich war hier in Schorndorf sehr oft im Gespräch mit den ehrenamtlichen Naturschützern, mit den amtlichen sowieso. Gemeinsam bekommt man vieles hin. Und wenn etwas an einer Stelle gar nicht möglich ist, dann versuchen wir eben auszuweichen und es an einem anderen Ort zu realisieren.

Für die Remstal-Gartenschau werden insgesamt rund 100 Millionen Euro investiert, fast doppelt so viel wie für die diesjährige Gartenschau in Lahr. Stehen Kosten und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis?

Die Regionen stehen in einem gnadenlosen Wettbewerb. Umso wichtiger ist es, regional zu denken und regional Marketing zu machen. Die Unternehmer klagen ja über den Fachkräftemangel, deshalb müssen wir alles dafür tun, um unsere 16 Städte attraktiv zu machen. Jeden Euro, den wir in grüne Infrastruktur stecken, investieren wir für unsere Bürgerinnen und Bürger. Deshalb ist es gut ausgegebenes Geld.

Was bringt die Gartenschau dem Remstal über das Jahr 2019 hinaus?

Hoffentlich behalten ganz viele Menschen das Remstal als liebenswerte Region im Kopf, damit wir ab 2020 auch als Tourismusregion den nächsten Quantensprung machen. Und hoffentlich verlieben sich auch ganz viele Menschen wieder in ihre eigene Stadt und ihre eigene Region.

Und worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Mein Geheimtipp ist das Architekturprojekt „16 Stationen“. Jeder Ort hat dafür ein Grundstück mitten in der Landschaft zur Verfügung gestellt, per Los wurde dann jeweils ein Architekt ausgewählt, der völlig frei war, was er an diesem Ort kreiert. Herausgekommen sind 16 einmalige Kunstwerke. Ich glaube, so etwas gab es noch nie und es lohnt sich, alle 16 Standorte zu erradeln oder zu erwandern.

Ein zentrales Ziel des Gartenschau-Projekts ist es, den Fluss besser zugänglich zu machen, so wie hier an den Rems-Terrassen in Waiblingen. Foto: Remstal-Gartenschau

© Heiko Potthoff

Ein zentrales Ziel des Gartenschau-Projekts ist es, den Fluss besser zugänglich zu machen, so wie hier an den Rems-Terrassen in Waiblingen. Foto: Remstal-Gartenschau

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Erstellt:
4. Dezember 2018, 15:21 Uhr

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