„Die Saison kann ganz ordentlich werden“

Erwerbsobstbauer Martin Körner schätzt, dass die Apfelernte in diesem Jahr besser ausfällt als nach den Frühjahrsfrösten erwartet.

Handarbeit im Erwerbsobstbau: Martin Körner und seine Erntehelfer pflücken derzeit Red-Prince-Äpfel, eine Sorte aus der Jonagold-Gruppe. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Handarbeit im Erwerbsobstbau: Martin Körner und seine Erntehelfer pflücken derzeit Red-Prince-Äpfel, eine Sorte aus der Jonagold-Gruppe. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Nach den Frostnächten um Ostern herum, gerade während der Blüte, „habe ich nicht mehr viel drauf gegeben“, blickt Martin Körner zurück. Bis zu 80 Prozent Schaden musste der Strümpfelbacher an einzelnen Sorten registrieren, betroffen waren vor allem die empfindlichen Jonagold- und Boskoop-Äpfel. Und dann kam an den Eisheiligen noch eine weitere Frostnacht dazu, die allerdings die Körner’schen Anlagen nicht betroffen hat, weil sich diese in tieferen Lagen befinden und dort Nebel herrschte, der einen gewissen Schutz bot. Körner weiß jedoch von Kollegen und aus dem Weinbau, dass Lagen oberhalb massiv betroffen waren.

Dann aber zeigte sich, dass die trotz der Frostschäden verbliebenen Früchte doch gut heranreiften. Nicht zuletzt auch, weil Körner die Bäume „gehätschelt und getätschelt“ hat, wie er sagt, indem er sie mit Nährstoffen unterstützte. Ob das wirklich etwas gebracht hat? „Das ist wie bei Nahrungsergänzungsmitteln. Der Glaube hilft auch viel“, schränkt der Apfelprofi den möglichen Effekt ein.

Die Trockenheit im Frühjahr habe dem Obst jedenfalls noch nicht geschadet, sagt Körner, vom Wasser her habe es für die Bäume keine Not gegeben. Dafür seien aber Mehltau und Schorf ein Thema gewesen. Im Sommer freilich habe er dann „einiges bewässert“, um die anhaltende Trockenheit auszugleichen. Zudem herrschte etwa eine Woche lang eine mörderische Hitze mit Sonnenbrandgefahr für die Äpfel am Baum. Unter solchen Umständen entfalten die Netze, die Körner eigentlich zum Schutz vor Hagel über dem Großteil seiner Anlagen gespannt hat, mit ihrem leichten Schatten einen zusätzlichen Effekt. „Der Klimawandel“, stellt der Obstbauer nachdenklich fest, „ist die Herausforderung.“

Unterm Strich liegt der Ertrag bei den Sorten Estivale, Gala und Elstar im Normalbereich, ebenso bei Rubinette. Bei Jonagold sieht die Ernte eher durchwachsen aus, zumal sich Frostschäden zeigen. Die Früchte weisen dann Schönheitsfehler wie etwa Verformungen auf und erfüllen damit die Qualitätskriterien für Tafelobst nicht. Sie müssen deshalb als Mostobst aussortiert werden. Ein recht gutes Ergebnis zeigt sich beim Kanzi, einer Kreuzung aus Gala und Braeburn. Diese Sorte wird allerdings aus sortenrechtlichen Gründen exklusiv über eine Erzeugerorganisation vermarktet. Ein guter Ertrag steht ferner beim Cameo an, während beim Fuji noch abzuwarten ist – er hat bis in die zweite Oktoberhälfte hinein Zeit zur Reife.

Ernte unter Coronabedingungen in einem Erwerbsobstbaubetrieb, wie geht das? Körner hat die Abläufe umgestellt und aus seinen Erntehelfern zwei separate Trupps gebildet. Beide sind jeweils für fünf bis sechs Wochen im Einsatz, der Wechsel steht jetzt bevor. Die Saisonkräfte kommen aus Polen und aus Rumänien – aus der Gegend um Karansebesch im Banat –, also „nicht aus Risikogebieten“, wie Körner unterstreicht.

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Erstellt:
23. September 2020, 06:00 Uhr

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