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Die schicken neuen Wagen sind da

Go-Ahead fährt jetzt mit modernen Fahrzeugen auf der Murrbahn – Ersatzkonzept mit Nostalgiezügen ist passé

Die lange angekündigten modernen Triebwagen von Go-Ahead sind jetzt im Einsatz. Die Fahrzeuge wurden in der vergangenen Woche sukzessive in Betrieb genommen und verkehren jetzt regelmäßig auf der Murrbahn – zurzeit allerdings wegen einer Baustelle in Gaildorf nur auf einer Teilstrecke.

Gehört künftig zum Alltag auf der Murrbahn: Flirt-Triebwagen des Bahnbetreibers Go-Ahead am Bahnhof Backnang. Seit dem Wochenende fahren die neuen Züge auf der Strecke. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Gehört künftig zum Alltag auf der Murrbahn: Flirt-Triebwagen des Bahnbetreibers Go-Ahead am Bahnhof Backnang. Seit dem Wochenende fahren die neuen Züge auf der Strecke. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Die neuen Fahrzeuge vom Typ Flirt 3XL des Herstellers Stadler Pankow hätten eigentlich schon ab Dezember auf der Murrbahnstrecke rollen sollen. Wenn alles nach Wunsch gelaufen wäre. Doch Go-Ahead – das britische Unternehmen, das bei der Neuvergabe des Bahnbetriebs auf mehreren Strecken im Land zum Zug gekommen war – hatte unter anderem auf der Remsbahn bitteres Lehrgeld zahlen müssen. Dort war es ab dem Übergang im Juni vergangenen Jahres zu erheblichen Störungen gekommen. Gehäuft traten Unpünktlichkeiten, Zugausfälle und andere Probleme auf, die zu massiven Beschwerden führten. Auch Landesverkehrsminister Winfried Hermann hatte sich eingeschaltet, und es gab Krisensitzungen in Stuttgart, um die Lage in den Griff zu bekommen. Eine Ursache der Schwierigkeiten bestand darin, dass die neuen Fahrzeuge spät geliefert wurden und somit nicht ausreichend getestet werden konnten. Es gab aber offenbar auch Softwarefehler.

Die gleichen Probleme wie auf der Remsbahn sollten auf der Murrbahn vermieden werden, lautete das Ergebnis der vielfältigen Beratungen. Unter anderem drängte dabei auch der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber darauf, dass die Fahrzeuge vor dem Einsatz gründlich getestet werden.

Go-Ahead, das den Betrieb auf der Strecke Stuttgart–Nürnberg zum kleinen Fahrplanwechsel im Dezember übernahm, stellte daher ein Ersatzkonzept auf. Dessen Kernpunkt bestand darin, drei Subunternehmen ins Boot zu holen, die den Betrieb mit ihren Fahrzeugen – den eigentlich schon ausrangierten Silberlingen – übernahmen. Es handelte sich dabei um die WFL Wedler Franz Logistik aus Potsdam, um die TRI Train Rental International, Eckental-Eschenau, und um die Centralbahn AG aus der Schweiz, die dann mit fünf Zuggarnituren auf der Strecke unterwegs waren.

Die Rechnung mit dem Ersatzkonzept ging auf: Die Pünktlichkeitswerte und die Zuverlässigkeit der Nostalgiezüge konnten sich sehen lassen. Rasch galt die Verlegenheitslösung für die Murrbahn als die stabilste Strecke von Go-Ahead überhaupt. Aber: Auch der zunächst anvisierte Zeitpunkt für den Wechsel auf die neuen Fahrzeuge Ende Februar/Anfang März ließ sich nicht halten. Insbesondere standen laut dem Unternehmen noch Schulungsmaßnahmen wie Streckenkunde und Fahrzeugtraining für die Triebfahrzeugführer an. Daher wurde das bewährte Ersatzkonzept erst noch einmal bis Ende April verlängert.

Diesen Zeitraum musste Go-Ahead am Ende aber doch nicht ausschöpfen. Der Bahnbetreiber überraschte seine Kunden vielmehr bereits in der vergangenen Woche bei verschiedenen Fahrten mit den schicken neuen Fahrzeugen im dezenten gelb-grauen Landesdesign und fährt seit dem Wochenende sogar komplett mit dem Stadler-Material. Und: „Die bisher gesammelten Erfahrungen mit den Flirt XL im Echtbetrieb sind gut“, bilanziert eine Sprecherin von Go-Ahead.

Eine offizielle Bekanntgabe dieses Übergangs ist allerdings nicht erfolgt. Auf Nachfragen teilt das Unternehmen mit, man habe darauf verzichtet, öffentlich mit dem Start der Flirt-XL-Wagen zu „werben“, weil die Strecke im April großen Einschränkungen durch die Weichen- und Gleisarbeiten in Gaildorf unterworfen ist. Noch bis 28. April ist deshalb dort auf der Schiene kein Durchkommen, Reisende müssen für die von der DB Netz voll gesperrte Strecke zwischen Murrhardt und Schwäbisch Hall-Hessental auf Busse umsteigen.

Mit Klimaanlage, Steckdosen und WLAN ausgestattet

Die neuen Triebwagen weisen einige Merkmale auf, die sie gegenüber dem früher eingesetzten Wagenmaterial hervorheben: Die Elektrofahrzeuge sind mit Klimaanlage, Steckdosen und WLAN ausgestattet. Es gibt Mehrzweckbereiche für die Beförderung von Rollstühlen, Fahrrädern, Kinderwagen und dergleichen, die Fahrzeuge ermöglichen einen barrierefreien Zugang und einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg an Bahnsteigen mit einer Höhe von 76 Zentimetern. Der Durchgang durch das Fahrzeug ist nahezu stufenfrei möglich, und die Reisenden erhalten bessere optische und akustische Information über die nächsten Haltebahnhöfe und Anschlüsse.

Anstelle einer Jungfernfahrt mit den komfortablen neuen Wagen gab es für Eisenbahnfans eine ganz andere Überraschung: Mit den Wagen aus dem Ersatzkonzept absolvierte der „Knallfrosch“ mehrere Touren zwischen Stuttgart und Murrhardt. Die Lok aus der Baureihe E41228 hat ihren kuriosen Namen daher, dass sie erstens grün ist und zweitens beim Schalten knallt. Die Maschine war aus dem Darmstadter Eisenbahnmuseum Kranichstein ausgeliehen worden und läutete das Ende der Übergangslösung auf der Murrbahn ein.

Absolvierte mehrere Fahrten auf der Murrbahn: Der „Knallfrosch“. Foto: G. Habermann

© Gabriel Habermann

Absolvierte mehrere Fahrten auf der Murrbahn: Der „Knallfrosch“. Foto: G. Habermann

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Erstellt:
22. April 2020, 06:00 Uhr

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