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Die Suidlanders warten auf den Bürgerkrieg

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron nahm in Südafrika während einer Dienstreise an Schießübungen einer weißen Rassistenorganisation teil

Kapstadt Das Haus liegt in einer ruhigen Straße eines Kapstädter Vororts. Die Gastgeber reichen Kekse und Tee. 18 Besucher sind da, eine Frau hat ihre kleine Tochter mitgebracht. Ein wenig Small Talk, dann setzt man sich ins Wohnzimmer, betet – und bespricht die Anarchie.

Sie wird kommen. Nach dem Zusammenbruch von Währung und Infrastruktur, da ist sich André Goosen sicher. Der pensionierte Soldat steht im Safari-Outfit vorn, in der einen Hand ein Funkgerät, die andere zeigt auf ein Gebiet 300 Kilometer östlich von Kapstadt. Dort will er Sicherheitszonen für „seine Leute“ einrichten. In den letzten zwölf Jahren, in denen er sich auf das Sze­nario vorbereitet hat, ist nichts passiert. „Aber vielleicht schon nächstes Jahr wird Südafrika brennen“, sagt Goosen, kein Zweifel.

Goosen ist ein Anführer der Suidlanders. Sie zählen sich zur Prepper-Bewegung, also zu jenen Menschen, die sich in allen Teilen der Welt auf Katastrophen und den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vorbereiten – sei es durch Hortung von Lebensmitteln oder die Errichtung von Schutzbauten. In den USA betrachten sich mindestens drei bis vier Millionen als Preppers, in Deutschland wird ihre Zahl auf 150 000 geschätzt. Unterwanderungsversuche durch rechtsextreme Gruppen beschäftigen den Verfassungsschutz.

In Südafrika warnen die Suidlanders offen vor einem Rassenkrieg. Steigende Arbeitslosigkeit und höhere Lebenshaltungskosten würden zu Wut bei der schwarzen Bevölkerung führen, die sich auch wegen aufhetzender Kommentare von Politikern gegen die weiße Minderheit richten werde.

In Deutschland machen die Suidlanders in diesen Tagen Schlagzeilen. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron hatte im September im Rahmen einer steuerfinanzierten Dienstreise nach Südafrika an paramilitärischen Übungen der Organisation teilgenommen und dabei auch selbst geschossen. Den Suidlanders gehören überwiegend weiße Buren an, Nachfahren von niederländischen Calvinisten und französischen Hugenotten. Rund drei Millionen leben in Südafrika, also nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung.

Doch auch unter den Buren teilt nur eine Minderheit die Ansichten der Suidlanders, die über internationale rechte Netzwerke die Botschaft von einem Genozid gegen die weiße Bevölkerung verbreiten. „Die große Mehrheit der weißen Südafrikaner unterstützt dieses Narrativ nicht und fühlt sich von den Suidlanders nicht repräsentiert“, sagt Gareth Newham von der Denkfabrik Institute for Security Studies (ISS).

Doch in dem Suidlanders-Wohnzimmer fallen die Botschaften auf fruchtbaren ­Boden. In Südafrika ist in diesem Jahr die Mordrate auf ein Neunjahreshoch gestiegen: 35,2 Prozent pro 100 000 Einwohner, sechsmal höher als in den USA. 57 Menschen werden derzeit täglich in Südafrika getötet.

Auf ihrer Homepage be­ziffern die Suidlanders ihre Unterstützerzahl auf rund 130 000. Nachprüfen lässt sich das nicht. Das Grüppchen im Kapstadter Wohnzimmer sieht sein Untergangsszenario bereits bestätigt. Tipps zur Vorbereitung kursieren. Funkgeräte müssten immer ­aufgeladen sein, dazu seien ausreichende Vorräte an Benzin, Medizin und Nahrung nötig. Die wichtigste Botschaft aber: Die Organisation bereite die Sicherheitszone weit abseits der angeblich bald brennenden Städte vor. Anschauen könne man die aber nicht, erklärt Goosen. Allerdings habe man die volle Unterstützung von Farmern, auf deren Gelände man Zuflucht suchen werde. Weitere Fragen darf keiner der Teilnehmer beantworten.

Derweil lässt Goosen das Registrierungsverfahren für neu ankommende Flüchtlinge in der „Sicherheitszone“ einüben. Die Teilnehmer ziehen Warnwesten an, lesen per Funkgerät einen Ausdruck mit einem Dialog vor. „Tango Two, sind Ihnen auf dem Weg Revolutionsaktivitäten begegnet?“, fragt ein junger Mann aufgeregt. Ein anderer antwortet aufgeregt: „Romeo Zero Two, ja, da waren ein brennender Bus und zwei brennende Autos.“ Aus der Küche hört man das Krächzen des Haus-Papageis.

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Erstellt:
21. Dezember 2018, 11:42 Uhr

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