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Die Tsunamigefahr ist noch nicht vorbei

Hunderte Indonesier sind gestorben, doch die Zahl der Toten dürfte weiter steigen

Nach dem Tsunami in Indonesien mit mindestens 430 Toten ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Denn der Anak Krakatau, dessen Ausbruch den Tsunami ausgelöst hatte, ist weiter aktiv.

Pulau Sebesi Der Schrecken von Samstagnacht steht vielen Überlebenden, die auf wackeligen Holzbooten von der Insel Pulau Sebesi zu dem kleinen Küstenort Desa Cantik gebracht werden, noch immer ins Gesicht geschrieben. „Selbst das Meer stand in Flammen“, beschreibt einer die dramatischen Minuten am vergangenen Samstagabend, als eine etwa drei Meter hohe Wasserwand unaufhaltsam auf den kleinen Flecken Erde in der Sundastraße zuraste. Den Bewohnern blieb kaum Zeit, aus ihren Hütten ins Inselinnere auf die Hügel zu gelangen.

Pulau Sebesi liegt nur 20 Kilometer von dem feuerspeienden Vulkan Anak Krakatau entfernt, der am vergangenen Samstagabend nach Einbruch der Dunkelheit ausgebrochen war. Wissenschaftler vermuten, dass ein Erdrutsch oder massive Mengen austretender Lava unter Wasser den Tsunami auslöste. 430 Tote, etwa 1500 Verletzte und 16 000 obdachlose Überlebende meldeten Indonesiens Behörden bis Mittwoch. In diesen Angaben fehlen die Daten von sechs Dörfern im Westen von Java. Auch die Küste Sumatras an der Meerenge zwischen dem Indischen Ozean und der Java-See war betroffen.

Wie schon im September nach einem verheerenden Erdbeben samt Tsunami auf der Insel Sulawesi erreicht Hilfe die Opfer auch jetzt wieder nur tröpfchenweise. „Die meisten Überlebenden hausen in provisorischen Unterkünften“, erklärte die Internationale Föderation des Roten Kreuzes, die während der Weihnachtstage rund 400 Helfer in das Gebiet schickte, „und sie fangen langsam an, nach Überlebenden und Resten ihres Eigentums zu suchen.“

Doch viel können sie nicht suchen. Indonesiens Behörden, die von dem Tsunami völlig überrascht wurden, befahlen, zur Küste mindestens einen Kilometer Abstand zu halten. Grund der Anordnung: Am Mittwoch drohte eine hohe Flut und ex­trem schlechtes Wetter. Zudem herrscht die Furcht, dass Lava des Anak Krakatau erneut hohe Wellen verursachen könnte.

Laut Experten veränderte der Vulkan seit dem Ausbruch vom Samstag seine Aktivitäten. Er spuckt kein Feuer mehr aus seinem eingebrochenen Krater. Stattdessen brodelt und kocht das Meer in der Umgebung, weil Lava und heißes Gestein unter Wasser an den Flanken austritt oder in den Feuerkessel des Vulkans gelangt. Niemand weiß, was genau unter Wasser passiert.

Wissenschaftler der Universität von Oregon hatten bereits in ihrem Bericht „Tsunamirisiko nach einem Kollaps an einer Flanke des Anak Krakatau“ vor genau sechs Jahren exakt das Desaster vorhergesagt, dass sich zwei Tage vor Weihnachten nun tatsächlich ereignete. „Manchmal will niemand die Stimme der Wissenschaft hören”, lamentierten am Mittwoch Experten auf der Webseite Volcano Discovery.

Schon im September versäumten Indonesiens Behörden nach dem Erdbeben der Stärke 7,5 in Sulawesi, die Bevölkerung vor einer Tsunamigefahr zu warnen. 2000 Menschen starben. Diesmal wurden sie überrascht, weil das bestehende Warnsystem vor allem auf Erdbeben reagiert. Der Mangel an Geldmittel, randalierende Fischer, die hochempfindliche Bojen im Ozean beschädigen, und Nachlässigkeit bei der Auswertung spielen ebenfalls eine Rolle beim erneuten Versagen.

Die Regierung in Jakarta kündigte nun an, das Warnsystem aufzurüsten. Laut Experten gab es am Samstag eine Zeitspanne von maximal 38 Minuten, bevor die Welle die Küste erreichte. Die Überlebenden, viele von ihnen Christen, feierten Christmetten in Trauer. Der Leadsänger der indonesischen Popgruppe Seventeen begrub am Mittwoch seine Ehefrau. Sie gehörte zu den 200 Gästen eines Konzerts der Band in einem Hotel, als plötzlich eine Wasserwand hinter der Gruppe auftauchte und die Bühne wegschwemmte. Der Leadsänger ist der einzige Überlebende seiner Band.

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Erstellt:
27. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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