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Die Welt im Wandel – durch die Blume gezeigt

Auf dem Gartenschaugelände dreht sich viel um Zukunftsthemen. Ein Überblick von A bis Z

Aufbruch

Heilbronn erfindet sich neu. Die Stadt, die ihr altes Gesicht in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs weitgehend verloren hat, will die Buga-Zeit zur Imagepflege nutzen. In den vergangenen Jahren hat sich die prosperierende Stadt mächtig herausgeputzt. Um die Kneipenszene am Neckar dürften Landeshauptstädter Heilbronn jedenfalls beneiden.

Blühendes Leben

Mit diesem Slogan wirbt die Buga. In einer Gartenschau müssen die Blumen im Zentrum stehen, das wird der Buga-Chef Hanspeter Faas nicht müde zu betonen. Der 64-Jährige muss es wissen: Die Heilbronner Schau ist die vierte Bundesgartenschau, die er verantwortet – und seine letzte. Eine Premiere wird es dennoch für ihn geben: Ein während der Gartenschau bewohntes Gelände gab es noch nie.

Chor

Die Buga hat einen eigenen Chor mit 70 Sängern, der seit mehr als einem Jahr fleißig für die Eröffnung probt und sich vom 30. Mai bis zum 2. Juni in guter Gesellschaft befindet. Dann sind Chöre mit 7000 Sängern aus ganz Deutschland beim Bundeschorfest in Heilbronn zu Gast.

Digital

Das Beleuchtungskonzept des Geländes ist ganz schön smart: Die 174 Lichtstelen sind für die Buga konzipiert worden. Sie spenden nicht nur Helligkeit, sondern warten auch mit WLAN, Lautsprechern und Ladestationen für E-Fahrzeuge auf.

Experimenta-Schiff

Bis Mitte März hatte das Experimenta-Schiff an Stuttgart angedockt. Nun ankert das 105 Meter lange Motorschiff mit seinen Testlabors bei der Buga, lädt zum Experimentieren ein – und wirbt für das spektakuläre neue Mutterhaus neben der Gartenschau, das jüngst eröffnet wurde.

Fundstücke

Während des Umbaus auf dem Buga-Areal kamen einige Überraschungen zutage. Tonnenweise Schrott und Kampfmittel wurden ausgegraben, aber auch ein Tresor, ein Zugwagen und ein 35 Meter langer Schiffsbug gehören zu den Fundstücken, die man aus dem 1951 zugeschütteten Winterhafen geborgen hat und die als Zeugnisse der Vergangenheit gezeigt werden.

Gartenkabinette

18 unterschiedliche Gartenkabinette haben die Buga-Gärtner für die Schau angelegt, vom Australiengarten über den Bienen- und Echsengarten bis zum Rosengarten mit 8000 Pflanzen, dem Robotic- und dem Salzgarten reicht die Bandbreite.

Heiraten

Unvergesslich wird die Buga ganz sicher für 50 Paare, die sich auf der Gartenschau das Jawort geben wollen. An zehn Tagen vermählen Heilbronner Standesbeamte Heiratswillige inmitten der Blumen- und Besucherkulisse. Allerdings sind alle Termine bereits vergeben.

Integration und Inklusion

Schon die Vorbereitung zur Buga hat Gemeinsamkeiten geschaffen. So gibt es den interkulturellen Garten, der von Menschen verschiedener Nationen gepflegt wird. Im Neckarbogen wohnt eine Rollstuhlfahrer-WG. Und im Inklusionscafé Samocca bewirten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Handicap die Gäste.

Jugendherberge

Die jüngste Jugendherberge im Land ist in Heilbronn – und wer sich dort einquartiert, ist mittendrin in der Bundesgartenschau. Der Ziegelbau hat 10,5 Millionen Euro gekostet. Das 180-Betten-Haus wurde im Oktober eröffnet.

Karl, das Klauobjekt

Was hat man gemault, als der Buga-Zwerg Karl präsentiert worden ist: Zu eckig und zu grell sei das Maskottchen. Karl ist ein Streitobjekt geblieben. Von 86 Figuren, die man im Unterland verteilt hat, wurden schon acht geklaut, in Beilstein und Flein wurde der Zwerg gar zerstört.

Leben inmitten der Buga

Die Stadtausstellung Neckarbogen ist sicher die größte Besonderheit dieser Bundesgartenschau. In 22 Gebäuden wohnen während der Veranstaltung 800 Menschen. Die Häuser, darunter eines der höchsten Holzhochhäuser in Deutschland, sollen nicht nur architektonisch zukunftsweisend sein, sondern auch zeigen, wie der digitale Wandel unsere Wohnwelt beeinflusst. Die Post bekommen die Neckarbogen-Bewohner zum Beispiel von einem selbstfahrenden Paketwagen zugestellt und abgeholt.

Mesh-Taschen

Es gibt Heilbronner, die dürfen die Buga nicht besuchen. Ganz außen vor sind die Insassen des örtlichen Gefängnisses aber nicht. Mitarbeiter der Textilwerkstatt, die aus Lastwagenplanen Taschen herstellen und im Internet unter der Marke „Jailers“ vertreiben, haben alte Buga-Banner aus Mesh-Stoff zu 300 Taschen vernäht.

Neupflanzung

Für die Buga ist ein eigener kleiner Wald angelegt worden. 1700 schnell wachsende Pappeln hat man gepflanzt, die nach der Buga gefällt und energetisch verwertet werden sollen. Hinzu kommen 960 weitere Bäume wie Eichen, die ebenfalls neu gesetzt wurden, aber erhalten bleiben. Allerdings mussten im Vorfeld auch 294 Bäume der Parklandschaft weichen.

Open Air

Auf acht Bühnen werden die Besucher unterhalten. Eine davon ist wieder Zeugnis der Anstrengungen der Buga-Macher, die Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft zu verknüpfen. Die alte Haßmersheimer Fähre, die bis 2014 als eine der letzten Oberleitungsfähren Deutschlands den kleinen Ort mit dem Bahnhof jenseits des Neckars verband, hat am Altneckar angedockt – und bekommt als Fährlesbühne noch einmal eine tragende Rolle.

Pavillons

Weltweit einzigartig soll die Behausung sein, die sich das Land Baden-Württemberg von der Universität Stuttgart hat entwerfen lassen. Die sogenannten bionischen Pavillons, für deren Architektur die Natur Vorbild war, wurden komplett digital geplant und gefertigt. Der Holzpavillon besteht aus 400 einzelnen Kassetten. Der Faserpavillon, der der Struktur eines Seeigels nachempfunden ist, wurde aus 60 Glasfaser- und Kohlefaserelementen gefertigt, die laut Hanspeter Faas in der Architektur noch nie verbaut wurden und die extrem leicht, aber auch extrem belastbar sind.

Quelle

Wer gut durchgesalzen ist, bleibt lange frisch, heißt es. Also bieten die Nachbarstädte Bad Friedrichshall, Bad Rappenau und Bad Wimpfen mit ihren Salzquellen eine Frischzellenkur an. Im Campuspark haben die Kurstädte ein sogenanntes Gradierwerk aufgebaut. Über Schwarzdorn-Reisigschichten rieselt Sole, verdunstet und verbreitet so eine salzhaltige Luft. Direkt unter dem Buga-Gelände schlummert in 200 Meter Tiefe zudem ein gigantisches Salzlager, das für die Schau gehoben worden ist: Ein 20 Tonnen schwerer, jahrtausendealter Salzquader soll an den Salzschatz im Boden erinnern.

Reben

Wein ist wichtig im Unterland. Mehr als die Hälfte der Württemberger Weine kommt aus dem Kreis Heilbronn. Die Wengerter werben für Wein als Kulturgut. Und die Stadt hat einen eigenen Buga-Wein – Lemberger und Riesling – keltern lassen. Für Biertrinker ist Hopfen und Malz aber auch nicht verloren. Die Eppinger Brauerei Palmbräu hat ein Buga-Bier kreiert.

Seen

Ältere Heilbronner sind auf dem alten Winterhafenbecken noch Schlittschuh gelaufen. Jetzt hat die Stadt mit dem Karlssee und dem Floßhafen wieder zwei Wasserflächen da, wo früher Hafenbecken waren. Sogar die alten Kaimauern wurden recycelt: Sie sichern das Neckarufer ab.

Tulpen

Eine Million Blumenzwiebeln haben die Buga-Gärtner gesteckt, drei Viertel davon sind Tulpen in unterschiedlichen Sorten. Bis Ende Mai werden die Frühlingsboten Farbe beisteuern.

Uferpark

Mit dem frisch angelegten Neckaruferpark hat sich die Stadt ein Stück Fluss zurückerobert. Ein 600 Meter langer Steg führt jetzt durch die neue Ruhezone.

Verwandlung

Innerhalb weniger Jahre ist eine Industriebrache zur Parklandschaft mit modernem Stadtquartier geworden. Dafür wurde eine Bundesstraße mit täglich Zehntausenden von Autos verlegt. Die Lastwagenschlange mit den 600 000 Kubikmetern an Erdmasse, die bewegt wurde, würde von München bis nach Köln reichen.

Wassershow

Jeden Samstagabend wird der Karlssee zur Bühne einer spektakulären Wassershow. 160 Fontänen sprudeln bis zu 40 Meter hoch. Kleinere Shows gibt es donnerstags und freitags zu sehen.

X

-fach

Die 173 Gartenschautage sind prall gefüllt. Insgesamt mehr als 5000 Veranstaltungen sind in dieser Zeit geplant. Es treten Musiker, Comedians, Künstler, Zauberer, Forscher und Sportler auf. Am 21. April gastiert der Fernsehmoderator Reinhold Beckmann – nicht zum Talken, sondern zum Singen.

Yoga

Die Buga bringt in Schwung. Wer möchte, kann dort unter Anleitung sein Fitnessprogramm auf verschiedene Bereiche ausdehnen: vom klassischen Muskeltraining über Yoga bis hin zu Entspannungstechniken wird alles angeboten.

Zukunft

42 Jahre lang hat es in Baden-Württemberg nach Stuttgart 1977 keine Bundesgartenschau mehr gegeben. Die nächste lässt dieses Mal nicht mehr so lange auf sich warten, schon 2023 wird Mannheim Gastgeber einer Bundesgartenschau sein. Die nächste findet 2021 in Erfurt statt.

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Erstellt:
9. April 2019, 03:14 Uhr

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