Die Zecken stehen in den Startlöchern

Die AOK warnt vor schwerwiegenden Erkrankungsrisiken nach einem Zeckenstich – rückläufige Borreliosezahlen im Rems-Murr-Kreis.

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen. Foto: BKZ-Archiv

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen. Foto: BKZ-Archiv

Rems-Murr. Mit dem nahenden Frühling beginnt die Zeckensaison: Schon bei Temperaturen von über acht Grad werden die Blutsauger im Grünen aktiv, warnt die AOK in einer aktuellen Pressemitteilung. In Deutschland und damit auch in der Region können sie insbesondere Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Eine Borreliose, auch Lymeborreliose genannt, ist eine oft folgenschwere Infektionskrankheit. Auslöser sind Borrelienbakterien, die sich im Körper ausbreiten und verschiedene Organe und Systeme stark schädigen können – insbesondere Haut, Nervensystem, Gelenke und Herz.

Im Rems-Murr-Kreis waren 2024 laut AOK-Pressemitteilung 518 ihrer Versicherten offiziell an einer Borreliose erkrankt. Dies entspricht einem Anteil von 0,3 Prozent. Im Auswertungszeitraum von 2020 bis 2024 sind die Erkrankungszahlen im Landkreis jährlich im Durchschnitt um 1,22 Prozent und in Baden-Württemberg um 1,04 Prozent zurückgegangen. Im Landkreis waren mit 62 Prozent überwiegend Frauen betroffen.

Der Rems-Murr-Kreis ist FSME-Risikogebiet

Um das Risiko einer Borrelioseinfektion zu verringern, sollte eine bereits saugende Zecke so schnell wie möglich entfernt werden. „Dafür gibt es verschiedene Hilfsmittel wie etwa eine Pinzette mit nach innen gewinkelten Spitzen. Die Zecke darf dabei keinesfalls gequetscht werden, da sonst die Erreger aus der Zecke in den Körper gepresst werden können“, erklärt Klaus Hage, Gesundheitsexperte der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr.

Nach der Entfernung einer Zecke sei es wichtig, die Einstichstelle für einige Zeit zu beobachten. Die Entwicklung einer ringförmigen Hautrötung – beginnend nach frühestens drei Tagen – kann auf eine Borreliose hinweisen. Manchmal könne eine solche Hautrötung auch an anderen Körperstellen sichtbar werden. „Bei Verdacht auf eine Borreliose sollte man die Hausarztpraxis aufsuchen. Dies gilt vor allem, wenn innerhalb von sechs Wochen grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Gelenkschmerzen auftreten“, sagt der AOK-Experte Klaus Hage.

Anders als die bakterielle Borreliose ist die FSME eine grippeähnliche Virusinfektion, die zu einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung führen kann. Die Viren befinden sich im Speichel der infizierten Zecken und werden direkt beim Stich übertragen. 2024 verzeichnete das Robert Koch-Institut in Baden-Württemberg 258 FSME-Fälle, was gegenüber 2023 mit 149 Fällen einen deutlichen Anstieg darstellt. Wie fast ganz Süddeutschland gilt auch der Rems-Murr-Kreis als FSME-Risikogebiet. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Personen, die in einem solchen Risikogebiet viel in der Natur unterwegs sind, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Entgegen häufigen Erzählungen lassen sich Zecken nicht von Bäumen auf Menschen fallen, sie springen auch nicht. Wenn man jedoch durch Gebüsch, Gras oder Unterholz geht, streift man die kleinen Spinnentiere ab. Deshalb empfiehlt es sich, im Grünen geschlossene Schuhe und Kleidung zu tragen, die möglichst viel Körperfläche bedeckt.

„Zecken suchen manchmal über Stunden eine Körperstelle mit weicher Haut. Deshalb findet man sie oftmals am Haaransatz, in Hautfalten oder hinter den Ohren“, so Klaus Hage. Nach einem Wald- oder Wiesenspaziergang sowie einem Aufenthalt im Garten rät er zum systematischen Absuchen des Körpers nach einer Zecke. pm

Zum Artikel

Erstellt:
25. Februar 2026, 09:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen