Die Zeit der „hässlichen“ Weihnachtspullis

Auch in Backnang und Umgebung hat der Trend mit den „hässlichen“ Weihnachtspullis jede Menge Fans. Jedes Jahr werden sie erneut aus dem Schrank gekramt und mit Humor getragen. In Backnang findet sogar eine Party mit dem Motto „Ugly-Christmas-Sweater“ statt.

Gracia-Patricia Kronmüller, Christoph Kübler und Cersten Pfisterer (von links) freuen sich über ihr Weihnachtsgeschenk: Lukas-Gläser-Pullover im Ugly-Trend. Foto: Alexander Hornauer

Gracia-Patricia Kronmüller, Christoph Kübler und Cersten Pfisterer (von links) freuen sich über ihr Weihnachtsgeschenk: Lukas-Gläser-Pullover im Ugly-Trend. Foto: Alexander Hornauer

Von Anja La Roche

Rems-Murr. So kurz vor Heiligabend ist die heißeste Phase eingeläutet: Es weihnachtet auf Hochtouren. Überall leuchtet und blinkt es, im Radio laufen eigentlich nur noch Weihnachtssongs und es wurde schon fast zu viel Glühwein getrunken. Nicht zu vergessen: die bizarren Modetrends, die diese Zeit so mit sich bringt. Dazu gehört insbesondere der Ugly-Christmas-Sweater-Trend (zu Deutsch: der Hässliche-Weihnachtspullover-Trend), der durch amerikanische Weihnachtsfilmklassiker wie „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ auch in Deutschland populär wurde. Auch in Backnang und Umgebung haben dieses Jahr wieder jede Menge Fans der humorvollen Modeerscheinung ihre schönsten und verrücktesten Exemplare aus dem Schrank geholt. Bei den knallig-bunten Kleidungsstücken mit großformatigen Motiven geht es weniger um Ästhetik als ums Auffallen – und natürlich um den Spaß.

Wer sich noch so kurz vor Heiligabend nach Exemplaren in den Geschäften umschaut, hat nur noch eine schmale Auswahl: Die meisten Ugly-Christmas-Sweater sind wohl schon ausverkauft. Die Nachfrage nach ihnen steigt besonders ab Anfang Dezember, weiß Alexandra Rupp, Inhaberin des Modegeschäfts Zauberhaft in Backnang. Sie hatte selbst einst einige flippige Kreationen im Angebot, zum Beispiel einen Pullover, auf dem ein Elch zu sehen war, inklusive Glöckchen und Augen, die auf Knopfdruck geleuchtet haben. Doch mittlerweile würden die Spaßpullover in allen günstigen Modeketten verkauft – für inhabergeführte Geschäfte wie das von Alexandra Rupp lohne sich der Verkauf deshalb nicht mehr. Die Kunden greifen lieber zu den günstigsten Angeboten. Kaum jemand würde mehr Geld in einen Pullover investieren, den er nur zweimal im Jahr anzieht, sagt Rupp.

Jörg Rupp und Lea Rupp aus Backnang haben sich auch schon in Schale geworfen. Fotos: privat

Jörg Rupp und Lea Rupp aus Backnang haben sich auch schon in Schale geworfen. Fotos: privat

Beim Modegeschäft Schwarzmarkt etwa lassen sich hingegen neben ein paar modischeren Weihnachtspullovern auch schrillere Exemplare entdecken, doch die meisten sind bereits vergriffen. Der Inhaber Markus Sammet erinnert sich an keine Zeit ohne den alljährlichen Modetrend. „Wir haben Kunden, die jedes Jahr auf die Weihnachtspullover warten“, sagt er.

Und was halten die Backnanger Modeexperten persönlich von dem Trend? Markus Sammet hat zwar nichts dagegen, trägt aber lieber schlichtere Farben. Alexandra Rupp ist selbst stolze Besitzerin eines Ugly-Christmas-Sweaters, auf dem ein grüner Elch mit einer riesigen roten Nase zu sehen ist. „Eigentlich ist es witzig, man darf es nur nicht zu ernst betrachten. Als klassischer Winterpullover ist er weniger geeignet“, findet sie.

„Das Wohnzimmer“ veranstaltet erstmals eine Ugly-Christmas-Sweater-Party

Wer ebenfalls stolzer Besitzer eines „hässlichen“ Weihnachtspullovers ist, der hat dieses Jahr sogar die optimale Gelegenheit, ihn in Backnang zur Schau zu tragen. Die Musikbar-Lounge „Das Wohnzimmer“ veranstaltet am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, erstmals eine Ugly-Christmas-Sweater-Party. Die Gäste sind dazu angehalten, ihre ausgefallensten Weihnachtsoutfits anzuziehen. Los geht es um 20 Uhr. „Es gibt da ganz abgefahrene Motive. Ich bin echt gespannt, was die Leute anziehen“, sagt der Inhaber der Musikbar, Alexander Lisson. Die Idee dazu hatte er, nachdem er sich vergangenes Jahr selbst einen solchen Sweater zugelegt hatte. „Jeder hat doch so einen im Schrank rumfahren“, sagt er.

Am besten lässt es sich mit dem Pullover doch wohl angeben, wenn er nicht nur besonders kreativ und ausgefallen ist, sondern obendrein noch selbst gestrickt. Angefragt werden weihnachtliches Garn und Strickmuster deshalb auch bei entsprechenden Geschäften. „Das ist grad bei den jungen Leuten ein Thema“, sagt Marion Zens, Inhaberin von Wollin. „Die strecken dir irgendein Instagram-Bild hin und dann überlegen wir, wie man das umsetzen kann.“ Wer über einen klassischen Weihnachtspullover mit feuerroten, tannengrünen und wollweißen Farben hinauswill, der sollte laut Zens aber erprobte Strickfinger haben. „Ein Rentier auf einem Pulli, dafür kann ich kein Anfänger sein.“

Moritz, Nicole und Marius Huraj (von links) aus Cottenweiler wissen, wie es geht. Foto: privat

Moritz, Nicole und Marius Huraj (von links) aus Cottenweiler wissen, wie es geht. Foto: privat

Ähnlich sieht es Renate Grunert-Paul, Inhaberin des Wollfugiums in Weissach im Tal. Bei ihr sind weihnachtliche Mützen, Socken und Pullover zwar auch gefragt, doch aufwendigere Motive, die bei den Ugly-Christmas-Sweatern in der Natur der Sache liegen, seien auch den strickwütigsten Kunden meist zu arbeitsintensiv. „Diese Pullover kann man nur zu so wenigen Anlässen tragen, da lohnt sich die Arbeit nicht“, sagt Grunert-Paul.

Wer bei der Aspacher Firma Lukas Gläser beschäftigt ist, der muss sich weder die Finger wund stricken noch verzweifelt nach den letzten verrückten Weihnachtspullovern Ausschau halten: Gestern haben die 250 Mitarbeiter ihr Weihnachtsgeschenk erhalten, einen Ugly-Christmas-Sweater erster Sahne. „Die sind gnadenlos hässlich“, sagt Alexander Hornauer schmunzelnd, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Den Fans der „hässlichen“ Weihnachtspullis zahlenmäßig überlegen sein dürften nichtsdestotrotz diejenigen, die sich dem Trend vehement verweigern – noch jedenfalls. „Mit 58 trägst du keinen solchen Weihnachtspulli mehr, das ist peinlich“, findet Marion Zens, die sich ansonsten aber liebend gerne in bunten und verrückten Mustern einkleidet.

„Ich bin ein Weihnachtspulli-Gegner“, bekennt sich auch Thomas Weber, Betreiber des Theaters Kabirinett in Spiegelberg. Er trage nämlich lieber unifarbene Kleidung. Aus diesem Grund hat er seinen Weihnachtspullover, den er ursprünglich für sein aktuelles Theaterstück „Die Pfefferkuchenmänner – Speeddating mit Weihnachten“ ausgewählt hatte, sogar gegen einen roten Weihnachtsanzug getauscht.

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Erstellt:
22. Dezember 2023, 11:30 Uhr

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