Influenza in BW

Diese Regionen trifft die Grippewelle gerade besonders

In Teilen Baden-Württembergs schießt die Zahl der Krankschreibungen wegen Influenza nach oben. Eine gute Nachricht gibt es für alle, die sich jetzt noch impfen lassen wollen.

Krank im Bett statt bei der Arbeit: so geht es derzeit vielen Menschen in Baden-Württemberg.

© Philip Dulian/dpa

Krank im Bett statt bei der Arbeit: so geht es derzeit vielen Menschen in Baden-Württemberg.

Von Jan Georg Plavec und Regine Warth

Die Grippewelle in Baden-Württemberg geht jetzt richtig los – und sie verläuft stärker als im Mittel in den vergangenen drei Jahre. Das ergeben Daten der Krankenkasse AOK zu grippebedingten Krankschreibungen, also für berufstätige Versicherte. Landesweit wurden in der Vorwoche demnach 43 Krankheitsfälle je 100.000 Versicherte gezählt. Der Wert liegt um die Hälfte höher als im Vorjahr.

Die Grippewelle ist nicht überall gleich stark. In den Kreisen Ludwigsburg und Rems-Murr sowie den Räumen Schwarzwald-Baar und Heilbronn registrierte die AOK zuletzt nochmals mehr grippekranke Arbeitnehmer. In Stuttgart, Böblingen und im Raum Ulm / Biberach setzte sich der Trend dagegen nicht fort. Das habe mit dem Anteil älterer Versicherter ebenso zu tun wie mit der Impfquote. Im Raum Heilbronn seien eher wenige Menschen gegen Grippe geimpft, so der AOK-Mediziner Ralph Bier. Eine Korrelation mit den vielen Krankentagen sei „nicht von der Hand zu weisen“.

Die AOK-Werte liegen deutlich über dem Mittel der Jahre 2023 bis 2025. Der Höhepunkt der Grippewelle war in diesen Jahren typischerweise Mitte Februar erreicht. „Die Grippewelle scheint dieses Jahr etwas früher zu starten“, so ein AOK-Sprecher. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) hat den Beginn der aktuellen Grippesaison auf die letzte Novemberwoche festgelegt – zwei bis drei Wochen früher als in den beiden Vorjahren.

Für die hausärztliche Versorgung bedeutet dieser frühe Start deutlich mehr Arbeit auf einem stabilen hohen Niveau: „Die aktuelle Infektionslage ist saisontypisch angespannt“, bestätigt die Vorsitzende des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, Susanne Bublitz. „Viele Hausarztpraxen berichten über eine erhöhte Zahl an Patientinnen und Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen, darunter auch Influenza.“ Wichtig sei, ältere Menschen und andere Risikogruppen zu schützen. Wer Husten, Halsschmerzen oder Fieber hat, bleibt am besten zu Hause, um niemanden anzustecken.

Dreimal so viele Patienten im Klinikum Stuttgart

Spürbar ist die aktuelle Welle insbesondere in den Notaufnahmen der Kliniken in Baden-Württemberg: Die Zahl der stationär behandelten Influenza-Fälle liege derzeit über dem Niveau des vergleichbaren Zeitraums im Vorjahr, heißt es seitens des Uniklinikums Ulm. „Entgegen dem subjektiven Eindruck gibt es allerdings derzeit keine Hinweise auf ungewöhnlich schwere Krankheitsverläufe oder eine Zunahme intensivpflichtiger Fälle“, sagt die Kliniksprecherin Julia Brenner. Stationär behandelt werden am Universitätsklinikum Ulm vor allem ältere Patientinnen und Patienten über 80 Jahre sowie Menschen mit relevanten Vorerkrankungen.

Im Klinikum Stuttgart werden derzeit ungefähr dreimal so viele Patienten stationär mit Influenza behandelt wie im Vorjahr. Der Klinikvorstand Jan Steffen Jürgensen sieht das Klinikum allerdings gut vorbereitet: „Dass diese Grippesaison leider eher schwerer wird, hat sich abgezeichnet. Der medizinische Betrieb ist nicht eingeschränkt und wir erwarten auch keine Einschränkungen.“

Grippesaison „ungewöhnlich und vergleichsweise stark“

Der AOK-Mediziner Ralph Bier beschreibt den Verlauf der Grippesaison 2025/26 als „ungewöhnlich“ und „vergleichsweise stark“. Das habe mit dem frühen Beginn der Grippewelle zu tun und mit einer neuen Virusvariante namens Influenza-A(H3N2)-Subklade K, gegen die eine Impfung bei jüngeren Menschen nur bedingt wirkt. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Infektionskrankheiten wird die Effektivität der aktuellen Influenza-Impfstoffe auf 52 bis 57 Prozent geschätzt. Das sei bei Grippe-Impfstoffen durchaus normal, heißt es seitens des RKI.

Klinikärzte raten insbesondere Risikogruppen wie Älteren, chronisch Kranken und Schwangeren weiter zur Impfung. Statt einem hundertprozentigen Schutz gehe es vielmehr darum, sich vor schweren Verläufen oder gar einem Krankenhausaufenthalt zu schützen. Das leiste der aktuelle Impfstoff. Drei von vier Über-60-Jährigen sind laut RKI-Daten gegen Grippe geimpft, Tendenz zuletzt steigend.

Wer sich jetzt noch impfen will ...

EngpassNach Meldungen über einen Impftsoff-Lieferengpass insbesondere im Südwesten hat das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine Ausnahmeregelung für den Grippe-Impfstoff Efluelda bis Ende April erteilt. Es sei „pharmazeutisch identisch mit dem in deutscher Sprache gekennzeichneten Produkt und unterscheidet sich lediglich in den Packmitteln“, so das PEI.

ErlaubnisDer Hersteller Sanofi darf das Vakzin mit italienischer Kennzeichnung auch in Deutschland auf den Markt bringen. Wann dieser Impfstoff in den Apotheken ankommt, dazu habe der Landesapothekerverband „noch keine Informationen erhalten“, sagt der Sprecher Frank Eickmann.

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Erstellt:
23. Januar 2026, 15:56 Uhr

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