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Digital in die Zukunft

Eduard-Breuninger-Schule schickte vor einem Jahr erste Tabletklasse ins Rennen: Schüler und Lehrer ziehen erstes Fazit

Tippen, wischen, animieren, mit dem Stift drauf schreiben: „Hefte auf“ war gestern, heute heißt es „Tablets raus“. Als die erste Klasse der Eduard-Breuninger-Schule wurde die jetzige 12.4 zur Tabletklasse. Schon seit einem Jahr ist das Tablet ständiger Begleiter und Bestandteil des Unterrichts.

Alisa Kraft (links) und Leonie Wölfer wollen das Tablet in ihrem Lernalltag nicht mehr missen. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Alisa Kraft (links) und Leonie Wölfer wollen das Tablet in ihrem Lernalltag nicht mehr missen. Fotos: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. 30 Sekunden bleiben, um die Frage zu beantworten. Vier Antwortmöglichkeiten sind vorgegeben – wer weiß es? Noch 20 Sekunden auf der Uhr, 17 Schüler haben bereits ihre Antworten auf ihrem Tablet eingeloggt, ein paar fehlen noch. Die Musik dümpelt vor sich hin. Noch drei, zwei, eins, da ist das Ergebnis: „Oh nein!“, kommt’s aus der hinteren Ecke. Auf der Leinwand erscheint, wie viele Schüler sich für die jeweilige Antwort entschieden haben. Die Tablets der Jugendlichen erscheinen in rot für „falsch“ und grün für „korrekt“. Etwas nicht verstanden? Dann wird schnell noch einmal die animierte Grafik gezeigt, die vor ein paar Wochen schon dran war.

Das Tablet gehört für die 27 Schüler der Klasse 12.4 der Eduard-Breuninger-Schule in Backnang seit über einem Jahr in den Rucksack. Sie sind eine von zwei Tabletklassen, die Teil eines auf vier Jahre angelegten Schulversuchs des Kultusministeriums sind. Es ist der erste von insgesamt drei Jahrgängen, der vom Kultusministerium mit je 15000 Euro gefördert wird.

„Es ist total normal geworden, das Tablet zu benutzen“, findet Leonie Wölfer. Hergeben will sie das Gerät nicht mehr. Das Lernen ist einfacher geworden, finden die Schüler. Vieles läuft übers Tablet, die sich vernetzen lassen, Screenshots, Fotos und Ergebnisse lassen sich so ganz einfach teilen und verschicken. Das schätzt auch die Klassenlehrerin Carmen Kubik am Projekt: „Ich kann mich viel einfacher mit Kollegen austauschen.“ Man könnte viel mehr teilen, so Kubik, doch da macht oft das Urheberrecht ein Strich durch die Rechnung.

„Es hat sich gezeigt, dass vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern, das Tablet häufig zum Einsatz kommt“, weiß Kubik. Die Klassenlehrerin betreut das Projekt als pädagogische Ansprechpartnerin und musste schnell feststellen, dass es ohne Regeln nicht geht. Da das Tablet zwar der Schule gehört, die Schüler es aber mit nach Hause nehmen dürfen, sind darauf Apps wie Instagram oder Snapchat installiert. „Ich kann schon verstehen, dass es sehr verführerisch ist, eine Nachricht öffnen zu wollen, die da auf dem Bildschirm aufploppt“, so Kubik. Deshalb gibt es nun die Classroom-App, mit der die Lehrerin am Ende der Stunde sehen kann, wer welche anderen Apps geöffnet hatte. Wer sich mit anderen Dingen beschäftigt, der muss im schlimmsten Falle nachsitzen und bekommt einen Eintrag ins Klassenbuch – so steht’s in den Tablet-Regeln.

Doch wer jetzt befürchtet, die Jugendlichen würden das Schreiben oder Zeichnen verlernen, der sei beruhigt: „Wir zeichnen genau so viel, wie vorher auch“, versichert Kubik. Auf jedem Tisch im Klassenzimmer liegen außerdem Bücher, geschrieben wird mit dem Stift direkt auf dem Tablet oder auf dem Papier. Letzteres bevorzugen wie Luisa Fehr und Giulia Bihlmaier immer noch. „Das Tablet ist essenziell für unseren Schulalltag“, wissen die beiden. Doch ihre Lernblätter schreiben sie analog. „Die kann ich dann in die Tasche stecken und überall hin mitnehmen“, sagt Luisa. Auf ihr Tablet achtet sie nämlich ganz besonders.

Das iPad hat vieles einfacher gemacht, davon sind Schüler, Lehrer und auch Eltern überzeugt. Lehrer stellen Infos bereit, ohne ständig zum Kopierer rennen zu müssen. Schüler können ihren Kenntnissen angepasst Übungen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen machen. Leonie Wölfer findet, es habe vor allem das Aufsätze schreiben und später besprechen einfacher gemacht: „Ich kann einen Text abtippen, mir im Bus noch mal anschauen, ihn mir aufs Handy schicken.“ Da stimmt ihr Alisa Kraft zu: „Man kann Texte leichter besprechen, Zeilen rausnehmen oder Dinge einfügen. Auf Papier geht das nicht so einfach.“ Genau so wie das Entfernen, findet auch Marvin Moritz: „Auf Papier geht’s nicht so einfach wie hier auf dem Tablet.“ Außerdem müsse er nun nicht mehr so viele Ordner rumschleppen und zudem: „Es schont auch die Umwelt.“

„Ob man dadurch besser lernt, weiß ich nicht. Man lernt aber sicherlich nicht schlechter“, meint Kubik. Was man aber auf jeden Fall zudem mitnimmt, sind digitale Kompetenzen. „Die Wirtschaft verlangt solche Kompetenzen“, weiß der Schulleiter Wolfgang Waigel, „man kommt nicht dran vorbei.“

„Kahoot“ heißt die App, mit der sich spielerisch Fragen beantworten lassen. Ein Punkte-Ranking weckt den Ehrgeiz der Schüler.

© Pressefotografie Alexander Beche

„Kahoot“ heißt die App, mit der sich spielerisch Fragen beantworten lassen. Ein Punkte-Ranking weckt den Ehrgeiz der Schüler.

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Erstellt:
9. November 2018, 06:00 Uhr

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