Digitale Prozesse sollen vereinfacht werden
Der Rems-Murr-Kreis und die Diakonie Stetten haben am Freitag eine Absichtserklärung zur Vereinfachung digitaler Prozesse unterzeichnet.
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Im Rahmen des geplanten Pilotprojekts sollen insbesondere diejenigen Abläufe untersucht werden, die aktuell noch häufig von Papierausdrucken und aufwendiger manueller Bearbeitung auf beiden Seiten geprägt sind. Foto: MPStudio/stock.adobe.com
Rems-Murr. Der Rems-Murr-Kreis und die Diakonie Stetten haben eine Absichtserklärung („Letter of Intent“, LOI) unterzeichnet, die dabei helfen soll, zentrale Verwaltungsprozesse in der Eingliederungshilfe gemeinsam zu vereinfachen, zu standardisieren und zu digitalisieren.
Damit setzen beide Partner ein Zeichen für einen Perspektivwechsel in der aktuellen Debatte um mögliche Einsparpotenziale im Sozialbereich. Anstatt bei den direkten Unterstützungsleistungen anzusetzen, soll der Fokus möglicher Einsparungen auf die aufwendigen Verfahrensabläufe und Prozesse bei der Beantragung, Dokumentation und Abrechnung von Hilfen gerichtet werden. Eine Vereinfachung und Beschleunigung dieser Verwaltungsprozesse soll auf beiden Seiten für Entlastung sorgen, sodass die Zeit und Energie der Mitarbeitenden sowohl beim Landratsamt als auch bei der Diakonie Stetten wieder dort ankommt, wo sie hingehört: bei den Menschen.
„Wir haben in unserem Jugendamt seit 2017 intensiv an unseren Abläufen und Prozessen gearbeitet“, erklärt Landrat Richard Sigel. „Zudem setzen wir konsequent auf Digitalisierung und moderne Arbeitsplatzkonzepte. Der Erfolg ist messbar. Wir lagen 2017 bei den Ausgaben in der Jugendhilfe noch deutlich über dem Landesdurchschnitt. Inzwischen geben wir weniger aus als der Durchschnitt der Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg. Übersetzt steckt dahinter ein Einsparpotenzial im Millionenbereich, das nach unserer Überzeugung auch dieser Neuausrichtung geschuldet ist.“
„Auch unser Amt für Soziales und Teilhabe hat sich längst auf diesen Weg gemacht und möchte die Digitalisierung in der Eingliederungshilfe weiter konsequent voranbringen. Dort sehen wir große Potenziale. Im Alleingang wird dies allerdings nicht gelingen. Deshalb sind wir froh, mit der Diakonie Stetten einen Partner aus der Praxis zu haben, der in die gleiche Richtung denkt. Zudem setzen wir darauf, dass die Digitalisierungsanstrengungen auf Landes- und Bundesebene schneller werden, damit unsere ehrgeizigen Ziele auch erreichbar sind“, betont Sozialdezernentin Stefanie Böhm. „Auch weitere Träger im Landkreis werden mit einbezogen.“
Im Rahmen des geplanten Pilotprojekts sollen insbesondere diejenigen Abläufe untersucht werden, die aktuell noch häufig von Papierausdrucken und aufwendiger manueller Bearbeitung auf beiden Seiten geprägt sind. Dazu zählen Leistungsbescheide, Teilhabeberichte sowie die Rechnungsstellung und Zahlungsabwicklung.
„Jede Stunde, die nicht in unnötiger Dokumentation und Abstimmungsschleifen gebunden ist, kommt direkt den Menschen zugute“, ergänzt Dietmar Prexl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten. „Unsere Fachkräfte brauchen Zeit für Begleitung, Assistenz und Beziehung – genau dafür schafft dieses Projekt Raum.“ pm
Hintergrund Die Eingliederungshilfe steht unter erheblichem finanziellem Druck. Gleichzeitig sind Teilhabeleistungen rechtsverbindliche Leistungen, die Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Digitalisierung und Standardisierung der Verwaltungsprozesse sind daher ein zentraler Ansatz, um Kosten zu dämpfen, ohne nur an Leistungskürzungen zu denken.
Diakonie Die 1849 gegründete Diakonie Stetten gehört heute zu den großen Trägern sozialer Dienstleistungen in Baden-Württemberg. Auf Basis christlicher Werte und im Sinne der Inklusion setzt sie sich ein für eine Welt, in der niemand mehr ausgegrenzt wird. Die rund 4000 Mitarbeitenden begleiten Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe: Menschen mit Behinderung, Senioren, Menschen mit psychischer Erkrankung, junge Menschen mit besonderem Förderbedarf, Kinder, Jugendliche und Familien. Die vielfältigen personenzentrierten Angebote in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Assistenz, Förderung, Pflege, Bildung und Beratung sind vor Ort in den Städten und Gemeinden gut eingebunden und vernetzt – am Stammsitz in Kernen-Stetten, in Stuttgart und an weiteren 35 Orten.
