„Dr. Kübler macht bundesweit Schule“

Ärzteverband greift die Plakataktion des Backnanger Orthopäden gegen unverschämte Patienten auf

Mit Plakaten unter dem Titel „Patientenverhalten gegenüber Praxispersonal“ hat der Backnanger Orthopäde und Unfallchirurg Michael Kübler sich an seine Patienten gewandt und einen respektvollen Umgang mit seinen Angestellten gefordert. Die Problematik mit unverschämten Patienten scheint weitverbreitet zu sein, denn nun hat auch ein landesweiter Ärzteverband Küblers Aktion aufgegriffen.

Nachdem Michael Kübler sich mittels Plakaten an seine Patienten wandte, um ein respektvolles Verhalten anzumahnen, hat nun auch ein Ärzteverband die Aktion aufgenommen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Nachdem Michael Kübler sich mittels Plakaten an seine Patienten wandte, um ein respektvolles Verhalten anzumahnen, hat nun auch ein Ärzteverband die Aktion aufgenommen. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Als immer mehr Patienten anfingen, das Praxispersonal zu beleidigen und anzupöbeln, hatte Michael Kübler genug. Mit einem Plakat wandte sich der Backnanger Orthopäde an seine Patienten und machte klar: Wer sich nicht benehmen kann, der fliegt raus. Die BKZ berichtete darüber – der Fall verursachte vielerlei Reaktionen in Form von Leserbriefen, Kommentaren in den sozialen Netzwerken und nun auch in einer landesweiten Aktion des Ärzteverbunds Medi, zu dessen Mitgliedern etwa 5000 Ärzte sowie Psychotherapeuten gehören. Sie sei durch den BKZ-Artikel auf Küblers Plakate aufmerksam geworden, erzählt Angelina Schütz, Pressesprecherin des Ärzteverbands. Der Orthopäde Michael Kübler ist Mitglied des Verbands, weshalb Medi die Gelegenheit nutzte, ihn und seine Plakate über die eigenen Kanäle vorzustellen. In einem kurzen Video kommen er und seine Mitarbeiterin, die medizinische Fachangestellte Nadine Stehle, zu Wort und erzählen von ihren Erfahrungen.

Die Rückmeldung vieler Ärzte lautete: Uns geht es genauso

Stehle schildert etwa ihr schlimmstes Erlebnis mit einer rabiaten Patientin. Diese sei schon motzend in der Praxis eingetroffen. Stehle habe ihr den Zutritt verwehren wollen. „Dann hat sie mich zur Seite geschubst und ist reingekommen.“ Für Michael Kübler war dies der Anlass zu sagen: „Wir müssen jetzt einfach mal Klartext reden.“ Die Problematik mit unverschämten Patienten ist in Medizinerkreisen nichts Neues – der Medi-Verbund bietet deshalb auch spezielle Deeskalationsseminare für seine Mitglieder an. „Die sind regelmäßig ausgebucht“, erzählt Angelina Schütz. Für sie sei es deshalb wenig verwunderlich gewesen, dass, nachdem Kübler auf die Missstände hingewiesen hatte, viele Ärzte und Therapeuten rückmeldeten: Uns geht es genauso.

Einige äußerten zudem den Wunsch, ein derartiges Plakat auch in der eigenen Praxis aufzuhängen. „Wir dachten uns, dass das doch ein guter Service wäre“, erklärt Schütz. Deshalb habe Medi nun ein eigenes Plakat gestaltet – vom Inhalt ist es dem Küblers ähnlich, allerdings etwas weniger textlastig und weniger konfrontativ. Dieses ist nun im Online-Shop des Verbands zu finden und es seien auch schon erste Bestellungen eingegangen. Und es geht noch weiter: Auch der deutschlandweite Spitzenverband Fachärzte sei auf die Aktion aufmerksam geworden, sagt Schütz. „Die haben sich gemeldet und fanden das Plakat toll.“ Nun wolle der Spitzenverband sich ebenfalls beteiligen. „Dr. Kübler macht bundesweit Schule“, merkt Schütz schmunzelnd an.

Der Ideengeber selbst zeigte sich angesichts der hohen Wellen, die seine Aktion geschlagen hat, verwundert: „Das Problem scheint eine ganz andere Dimension zu haben, als angenommen.“ Umso mehr verwundere es ihn, dass bisher niemand dagegen aktiv geworden sei. „Es ist eigentlich traurig, dass die Resonanz so groß ist.“ Ob seine Plakate Wirkung zeigen, kann auch Michael Kübler schlecht abschätzen: „Am Telefon ist die Problematik gleich geblieben. An der Anmeldung mag es sich ein bisschen geändert haben.“ Ihm sei vor allem wichtig an der Sache, dass seine Angestellten eine schriftliche Rückendeckung haben. Sie können sich auf das Plakat berufen, wenn Patienten ausfallend werden, und diese der Praxis verweisen.

Kübler macht jedoch auch klar, dass das Plakat kein Totschlagargument für Diskussionen sein soll. „Wenn jemand aufgrund der langen Wartezeit ungeduldig wird oder eine Diskussion in etwas schärferem Ton führt, ist das ja alles noch okay“, findet er. Schließlich sei der Großteil der Patienten geduldig und freundlich. Das solle man bei den ganzen Diskussionen nicht vergessen. Nur wenn es unter die Gürtellinie gehe, wolle er dem einen Riegel vorschieben. „Das akzeptieren wir nicht“, macht Kübler klar. Vielleicht sei er da besonders hart im Umgang, räumt er ein, mehr noch als manch anderer Arzt. Die Rückendeckung der meisten Bürger dürfte ihm aber sicher sein. Denn nicht nur in örtlichen Facebook-Gruppen und auf der Seite der BKZ, auch unter dem Beitrag von Medi im sozialen Netzwerk war das Feedback eindeutig: „Richtig so“, kommentierte mehr als nur ein Nutzer.

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Erstellt:
14. Mai 2019, 06:00 Uhr

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