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Drei Täuflinge stellen sich der üblen Prozedur

Rathaussturm und Narrentaufe in Althütte – Bürgermeister Reinhold Sczuka gibt sich am Ende den Rechaspitzern geschlagen

Augen zu und durch: Die Täuflinge bekommen stinkende Brühe auf den Kopf. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Augen zu und durch: Die Täuflinge bekommen stinkende Brühe auf den Kopf. Fotos: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

ALTHÜTTE. Für Nachwuchs ist bei den Rechaspitzern auch in diesem Jahr gesorgt. Drei Täuflinge haben den Mut gefasst, sich der Prozedur der Narrentaufe zu unterziehen. Der 32-jährige Oliver Holzhauser und die 16-jährigen Leni Elsner und Lea Kühnle nehmen auf der Bank vor dem Rathaus Platz. In weiße Nachthemden mit Zipfelmütze oder Häubchen sind sie gekleidet. Doch sie sollen noch ein bisschen auf die Folter gespannt werden. Obwohl Althütte eigentlich schon den ganzen Tag in närrischer Hand ist, gilt es jetzt, die Macht im Rathaus offiziell beim Narrensturm einzunehmen. Auf Rufen der Zunftmeisterin Conny Bauer erscheint Bürgermeister Reinhold Sczuka auf dem Rathausbalkon. Die Lacher hat er bei diesem Auftritt auf seiner Seite, denn er reitet sozusagen auf den Schultern des US-Präsidenten Donald Trump daher. Der Triumph des Schultes soll jedoch nicht von langer Dauer sein.

Zum Thema Schließung des Edeka-Marktes in Althütte muss sich der Bürgermeister Vorwürfe gefallen lassen. „Du lässt deine Bürger verhungern! In ganz Althütte und seinen Teilorten kann man keine Lebensmittel mehr kaufen“, wirft ihm die Zunftmeisterin vor und fordert, eine Notversorgung im Rathaus einzurichten. „Das geht leider nicht“, entgegnet der Rathauschef, „weil das Hampelmännchen unter mir sagt: America first and no shopping near the president!“

In der Zwischenzeit haben die Taufpaten von den Spiegelberger Wetzsteinhexa und dem Fasnetsverein Steinheim begonnen, die Taufbrühe aus Wasser, Erde und Laub anzurühren und mit geheimen, übel riechenden Zutaten zu versehen. Aber die Täuflinge müssen noch ein wenig bei den kühlen Temperaturen in ihren Hemdchen ausharren. Erst mal kommt die Zunftmeisterin aufs Thema Krankenhausbus von Althütte ins Klinikum Winnenden zu sprechen. „Um doch ein paar Überlebende aus deiner Hungerkur zu retten, hast du den Krankenhausbus ins Leben gerufen. Und keiner traut sich einzusteigen.“ Das liege wohl daran, dass alle Angst haben, mit dem Bus direkt in der Notaufnahme zu landen, wenn auf der Fahrt ein Betonteil auf den Bus fliegen sollte, kontert Sczuka.

Vizezunftmeister Robin Heissenberger hat inzwischen schon mehrmals zum Sturm auf das Rathaus aufgerufen. Aber jetzt wird zuerst bei der Narrentaufe zur Tat geschritten. Nach dem Taufspruch müssen Zipfelmütze und Häubchen weichen, bevor den Täuflingen die kalte, stinkende Brühe über den Kopf gekippt wird. Unter kräftigem Applaus ertragen sie die Prozedur tapfer. Nach Übergabe der Taufgeschenke und Urkunden sind sie erlöst und dürfen duschen gehen.

Die Zunftmeisterin hat dem Bürgermeister noch ein drittes Thema vorzuwerfen: den Zustand der Hauptstraße. Sczuka wolle wohl aus der ganzen Gemeinde einen Golfplatz machen. Achtzehn Löcher habe man schon gezählt. Und es würden nicht nur Golfbälle hineinpassen. In den Löchern könne man einen ganzen Smart versenken, ruft Conny Bauer dem Gemeindechef zu. Alle Verteidigungsversuche des Schultes nützen nichts. Er muss sich geschlagen geben und den Rathausschlüssel an die Narren übergeben. Ein Banner wird am Rathausbalkon gehisst: „Besetzt bis Aschermittwoch.“ Inzwischen beginnt es, dunkel zu werden. Das siegreiche närrische Volk zieht zur Festhalle, wo beim Narrenball noch bis tief in die Nacht gefeiert wird.

Muss den Rathausschlüssel herausgeben: Bürgermeister Reinhold Sczuka hoch zu Trump.

© Jörg Fiedler

Muss den Rathausschlüssel herausgeben: Bürgermeister Reinhold Sczuka hoch zu Trump.

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Erstellt:
17. Februar 2020, 06:00 Uhr

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