Dresdner Juwelendiebstahl: Weitere Durchsuchungen in Berlin

dpa Dresden/Berlin. Gut neun Monate nach dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe Dresden wächst bei den Ermittlern die Zuversicht, die Täter identifizieren zu können. Im Fokus dabei stehen weitere Orte in Berlin.

Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband. Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa

Zwei Mitarbeiter der Spurensicherung stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband. Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa

Bei den Ermittlungen zum spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Schatzkammermuseum Grünes Gewölbe 2019 führt eine weitere Spur nach Berlin.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden vom Donnerstag wurden am 9. September und am Mittwoch weitere Gewerberäume in der Hauptstadt durchsucht. „Wir sind zuversichtlich, die Täter identifizieren zu können, und das ist ein weiterer Schritt dazu“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Dresden.

In mehreren Betrieben, in denen Fahrzeuge mit Folien beklebt werden, wurden Geschäftsunterlagen und Daten sichergestellt. Es bestehe der Verdacht, dass dort das für den Coup genutzte und später in Brand gesetzte Fluchtauto optisch verändert wurde. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die Auftragnehmer den Zweck nicht kannten. Die Firmeninhaber sind laut Staatsanwaltschaft nicht tatverdächtig und als Zeugen befragt worden. Sie hoffen auf Hinweise auf mögliche Auftraggeber der Folierung im Beweismaterial - und eine Spur zu den Juwelendieben.

Bereits am 2. September waren ein Internet-Café in Berlin-Neukölln und die Wohnung eines dort Beschäftigten durchsucht worden. Das dort sichergestellte Material wird noch ausgewertet. Die Soko Epaulette geht davon aus, dass der Mann den Tätern auf fiktive Personalien registrierte SIM-Karten verkaufte oder sie zum Vertrieb an das Café gab. Die fraglichen SIM-Karten wurden bei der Vorbereitung und Ausführung des Coups zur Kommunikation genutzt.

Zwei Unbekannte waren am Morgen des 25. November 2019 über eines der vergitterten Fenster in das berühmte Museum im Dresdner Residenzschloss eingedrungen. Im Juwelenzimmer schlugen sie mit einer Axt die Vitrine mit den kostbarsten Schmuckstücken ein, sie raubten historische Diamanten und Brillanten von unschätzbarem Wert. Der Einbruch dauerte nur wenige Minuten und machte international Schlagzeilen. Von den Dieben und der Beute fehlt bisher jede Spur.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von mindestens sieben Tätern aus - und davon, dass der Einbruch lange vorbereitet wurde. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, ist eine halbe Million Euro Belohnung ausgesetzt. Bisher gingen fast 1300 Hinweise ein, gegen vier Wachmänner des Museums wird ermittelt. Auch mögliche Parallelen zum Goldmünze-Diebstahl aus dem Berliner Bode-Museum 2017 wurden geprüft. Daraus ergaben sich keine Ansätze, die zur Identifizierung der Dresdner Täter führen. In dem Berliner Prozess wurden Anfang 2020 zwei Mitglieder eines arabischstämmigen Clans und ein Wachmann aus dem Museum verurteilt.

© dpa-infocom, dpa:200917-99-602483/2

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Erstellt:
17. September 2020, 15:06 Uhr

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