Droht den Expressbussen das Aus?

Expressbuslinien, die unterwegs Haltestellen auslassen, um schneller ans Ziel zu kommen, ergänzen das Netz von Bus und Bahn in der Region Stuttgart. Doch drei von ihnen könnten gestrichen werden.

Die Busse der Expresslinie X 2 könnten von den Straßen der Region Stuttgart verschwinden.

© Lichtgut/Max Kovalenko

Die Busse der Expresslinie X 2 könnten von den Straßen der Region Stuttgart verschwinden.

Von Christian Milankovic

Stuttgart - Legen die Expressbusse in der Region Stuttgart eine Vollbremsung hin? Zumindest scheint die Zukunft der drei in Stuttgart beginnenden und in die Region hinausfahrenden Schnellbuslinien massiv gefährdet. Es geht – wie so oft im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs – ums Geld und um die Frage, wer sich mit welchem Betrag am zwar verkehrlich sinnvollen, aber eben auch nicht rentablen Betrieb beteiligt.

Konkret von der Einstellung bedroht sind die Linien X 2 (Stuttgart-Gerlingen-Leonberg), X 4 (Stuttgart-Filderstadt-Nürtingen) sowie X 7 (Stuttgart-Filderstadt). Das Trio wurde im Zusammenhang mit dem Kampf um sauberere Luft aus der Taufe gehoben, der sich in den sogenannten Luftreinhalteplänen des Landes niederschlägt.

Die finanzielle Unterstützung aus dem Landeshaushalt läuft aber zum 30. September 2024 aus. Dabei geht es um die Übernahme von 75 Prozent des Abmangels. Wegen des sich abzeichnenden Finanzierungsproblems unternehmen nun die Landeshauptstadt Stuttgart sowie die betroffenen Landkreise einen gemeinsamen Vorstoß.

In einem Brief an Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) warnen OB Frank Nopper und die Landräte Roland Bernhard (Böblingen), Heinz Eininger (Esslingen), Dietmar Allgaier (Ludwigsburg) sowie Richard Sigel (Rems-Murr) vor einem Aus für die Schnellbuslinien. „Die Situation stellt sich so dar, dass – sollte die Kofinanzierung des Landes tatsächlich wegfallen – die Landeshauptstadt und die Landkreise mit Blick auf den zu finanzierenden Abmangel von rund 3,4 Millionen Euro pro Jahr momentan keine Möglichkeit sehen, dieses attraktive Angebot aufrechtzuerhalten.“ Die Absender erinnern auch daran, dass Stuttgart und die zum Verkehrsverbund (VVS) gehörenden Landkreise „schon heute eine im Landesvergleich sehr hohe Finanzierungslast für den ÖPNV“ schultern.

Rund 6000 Fahrgäste nutzten zuletzt die drei Linien täglich. Seit 2019 sei die Nachfrage auf den Verbindungen zwischen Landeshauptstadt und den Nachbarkreisen um bis zu 20 Prozent gestiegen. Ein Weiterbetrieb sei auch nicht zuletzt „mit Blick auf die gemeinsamen Klimaschutzziele des Landes, der Landeshauptstadt und der Landkreise angezeigt“. Die Briefschreiber bitten Hermann zu prüfen, ob sich das Land nicht auch über den September 2024 hinaus finanziell engagieren könne. Konkret bringen sie eine eine mögliche „Ergänzung der Regiobus-Förderrichtlinie“ ins Gespräch. Damit unterstützt das Land die Einrichtung von neuen regionalen Busverbindungen und übernimmt die Hälfte des Abmangels. Stuttgart und die Landkreise regen Gespräche mit dem Land darüber an.

In der Region gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Schnellbusangeboten, die mal vom Verband Region Stuttgart und mal von den beteiligten Landkreisen finanziert werden. In Stuttgart ist bereits eine Expressbuslinie wieder verschwunden. Ebenfalls als Maßnahme der Luftreinhaltepläne, aber auch zur Entlastung der notorisch überfüllten Stadtbahnlinie U 1, dreht von 2018 an der X 1 seine Runden zwischen Bad Cannstatt und der Stuttgarter Innenstadt. Weil das Angebot bei den Fahrgästen nur auf verhaltenes Interesse stieß, war im Dezember 2022 Schluss für dieses Angebot.

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Erstellt:
27. Februar 2024, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
28. Februar 2024, 21:51 Uhr

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