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Duftende Seifen aus natürlichen Zutaten

Ihr Hobby hat Kathrin Marotta zu ihrem Beruf gemacht und siedet mitten im Welzheimer Wald Naturseifen

Kathrin Marotta ist mit ihren „Kronseifen“ eines der neuesten Mitglieder der Interessengemeinschaft Limes Plus. Die Seifen siedet sie selbst, nur natürliche Zutaten finden den Weg in ihre Produkte. Und nicht nur das: Wer möchte, kann bei ihr das Seifensieden lernen.

Kathrin Marotta in ihrer Manufaktur. Die Seifen dürfen in Holzkisten lagern und dort in aller Ruhe sechs Wochen lang reifen. Fotos: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Kathrin Marotta in ihrer Manufaktur. Die Seifen dürfen in Holzkisten lagern und dort in aller Ruhe sechs Wochen lang reifen. Fotos: A. Becher

Von Silke Latzel

KAISERSBACH. Zimt, Kardamom, Nelke und Vanille: Bei Kathrin Marotta in Kaisersbach-Cronhütte riecht es derzeit stark nach Weihnachten. Klar, das Fest steht vor der Tür und sie passt ihre Produktion gerne den Jahreszeiten an. „Im Sommer riecht es dafür dann nach Pfefferminze oder Eukalyptus. Alles was frisch ist und kühlt“, erzählt sie. Die 37-Jährige stellt Naturseifen in eigener Produktion und in Handarbeit her.

Eigentlich hat alles aus „purer Verzweiflung“ angefangen: Marotta leidet an Schuppenflechte und Neurodermitis. Kein Pflegeprodukt hilft. Vor zehn Jahren nimmt die junge Frau das Problem selbst in die Hand – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie liest sich Wissen an, experimentiert, stellt gleichzeitig ihre Ernährung um und hat am Ende eine Seife kreiert, die ihrer Haut Linderung verschafft. „Ich weiß, wie schwer es ist, mit einer Hautkrankheit durchs Leben zu gehen“, sagt sie. „Es ist verbunden mit viel Scham. Oft kommen die Menschen außerhalb der Öffnungszeiten zu mir in die Manufaktur, weil sie sich sonst nicht trauen, ihre Haut so offen zu zeigen.“

Was als Hobby angefangen hat, wird 2019 zum Haupterwerb der gelernten Bankkauffrau. „Am Anfang habe ich tatsächlich nur für mich selbst Seife gemacht, dann halt auch ein bisschen rumgespielt, besondere Sorten für meine Familie oder Freunde kreiert, zu Geburtstagen oder Weihnachten“, erzählt sie. „Und das ist dann plötzlich immer mehr geworden.“ Nicht nur ihrer Haut tut die selbst hergestellte Seife gut, sondern auch ihrem allgemeinen Wohlbefinden. „Ich habe das als Ausgleich zu meiner Arbeit am Schreibtisch gemacht und es ist meine Leidenschaft geworden.“

„Hautprobleme sind oft nur das Symptom seelischer Probleme“

Marottas Seifen sind palmölfrei, kommen ohne Tierversuche und synthetische Duft- oder Farbstoffe aus. Sie verwendet ausschließlich Bioöl aus Raps oder Sonnenblumen. Und die Kräuter baut sie entweder im eigenen Garten an oder sammelt sie auf den Wiesen rund um das Haus, in dem sie mit ihrer Familie wohnt. „Hier gibt es noch ganz viel in der Natur, etwa Mädesüß und Frauenmantel. Das wächst sonst nur noch selten einfach so.“ Das Wissen über die Kräuter hat sie durch ihre Ausbildung am agrarwissenschaftlichen Gymnasium. „So hat sich alles gefügt und kommt irgendwann zum Einsatz“, sagt sie lachend.

Übrigens: Nicht nur Frauen sind ihre Kunden. Auch Männer finden immer häufiger den Weg zu den Naturseifen aus dem Welzheimer Wald. „Sie brauchen länger, um sich zu öffnen. Aber wenn sie dann einmal dabei sind, dann gibt es für sie nichts anderes mehr.“ Marotta ist eine positive, herzliche Frau, die für ihre Kunden oder auch Patienten, wie sie sie nennt, oft mehr zu bieten hat als „nur“ die passende Seife. „Hautprobleme sind oft nur das Symptom seelischer Probleme. Und ich habe eine offenes Ohr, höre mir die Probleme der Menschen an. Das hilft ihnen auch.“

Natürlich war nicht immer alles einfach für sie, erzählt sie offen. „Es gab auch Tage und Nächte, da war ich einfach fertig. Und ich habe sehr viele Fehlversuche hinter mir, saß oft heulend da, weil nichts geklappt und mein Mann die Seife mit Hammer und Meißel aus dem Topf schlagen musste“, sagt sie lachend. „Aber aus Fehlern lernt man, so ist das eben.“

Immer wieder kreiert die 37-Jährige neue Seifen, fertigt sie zudem nach individuellen Wünschen an. Und auch bei den Formen gibt es eigentlich keine Grenzen. „Nur zu filigran darf es nicht werden, sonst sind sie zu zerbrechlich.“ Mittlerweile arbeitet Marotta mit einem Formenmacher zusammen, der ihr jede Form am 3-D-Drucker erstellen kann. Aber auch ihr Mann steht bereit und stellt aus jeder Form ein Negativ her, um daraus eine Silikonfassung anzufertigen. „Das kann auch mal ganz simpel ein schöner Stein sein, den ich auf dem Weg sehe und der mir gefällt.“

Die Seifen stellt Marotta aus Natronlauge her. Brille und Mundschutz sind deshalb Pflicht bei der Arbeit, denn die Lauge ist zu Beginn hochgradig ätzend. Durch einen sechswöchigen Reifeprozess bildet sich natürliches Glyzerin in den Seifen, das, anders als synthetisch hergestelltes Glyzerin, die Haut nicht abhängig macht, erklärt sie. „Gute Seifen atmen, sie leben und man muss sie richtig behandeln, damit am Ende ein qualitativ hochwertiges Produkt entsteht.“ Deshalb dürfen ihre Seifen nach dem Sieden erst einmal bis zu 48 Stunden in einen Wärmeschrank, um es sich dort bei 30 Grad Celsius gemütlich zu machen.

Die Seifen aus dem Welzheimer Wald sind vegan oder vegetarisch. Honig und Alpakawolle für ihre Produkte bezieht Marotta aus der Region. „Vor Jahrhunderten haben die Seifensieder Seife aus tierischen Fetten und Pottasche hergestellt, das macht heute eigentlich niemand mehr, höchstens noch auf Mittelaltermärkten.“ Ganz so weit möchte Marotta die Zeit nicht zurückdrehen, jedoch ist sie der Meinung, dass „wir zurück sollten, zu dem, wo wir herkommen, und uns auf das besinnen, was wichtig ist, wie etwa Familie, Gemeinschaft und Natur. Und mit der richtigen Einstellung kann man eigentlich alles meistern.“

Die Seifen aus dem Welzheimer Wald gibt es in vielen verschiedenen Formen und Düften. Marottas eigener Favorit ist ganz klar Ringelblume, „die Königin der Hautpflege“, sagt sie.

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Seifen aus dem Welzheimer Wald gibt es in vielen verschiedenen Formen und Düften. Marottas eigener Favorit ist ganz klar Ringelblume, „die Königin der Hautpflege“, sagt sie.

Info
Onlineshop und Kurse

In der Interessengemeinschaft Limes Plus haben sich Erzeuger, Direktvermarkter, Touristiker und Gastronomen aus der Limesregion zusammengetan, um die Vielfalt ihrer Heimat zu präsentieren.

Kathrin Marotta bietet in ihrer Seifenmanufaktur Kurse für Erwachsene an, die lernen wollen, wie man Seife siedet.

Ihre Seife kann man entweder online im Shop unter www.kronseifen.de bestellen oder direkt vorbeikommen. Freitags von 14 bis 18 Uhr (außer an Brückentagen oder Feiertagen) ist die Manufaktur geöffnet. Die Adresse lautet: Kronweg 15, Kaisersbach-Cronhütte.

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Erstellt:
29. November 2019, 11:30 Uhr

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