E-Autos erobern Stuttgarts Straßen

Knapp jeder vierte Neuwagen, der in Stuttgart zugelassen wird, fährt vollelektrisch. Bis 2029 könnten es bereits 50 Prozent sein.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur spielt auch in Stuttgart eine wichtige Rolle in der Elektrifizierung des Verkehrs.

© Weißbrod

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur spielt auch in Stuttgart eine wichtige Rolle in der Elektrifizierung des Verkehrs.

Von Sebastian Steegmüller

Stuttgart - „Wenn Du Dir ein Auto kaufst, kaufe Dir ein Elektroauto.“ Jan Böhmermanns mehrfache Empfehlung im Podcast „Fest & Flauschig“ spiegelt sich in Stuttgart wider: Nach Angaben des statistischen Amts der Landeshauptstadt waren im Jahr 2025 von 34 233 neu zugelassenen Pkw 23,9 Prozent E-Autos. Ein neuer Höchststand, 2020 waren es noch 7,2 Prozent. Unter den einzelnen Antriebsarten führten die reinen Verbrenner mit 30,8 Prozent die Statistik an, gefolgt von Hybridfahrzeugen (25,9 Prozent). Plug-in-Hybride haben mit 19,4 Prozent den kleinsten Anteil.

Zahl der Neufahrzeuge sinkt

Im Rathaus geht man jedoch davon aus, dass sich die Zahl der Neuzulassungen deutlich zugunsten der E-Autos verschieben wird. „Übernimmt man das EU-weite Ziel von 90 Prozent emissionsfreien Neufahrzeugen im Jahr 2035 und schreibt die Ausgangslage linear fort, landet man 2029 bei knapp über 50 Prozent“, sagt Stadtsprecherin Marie-Sophie Herr. „Bei progressiveren Annahmen oder anderen politischen Rahmenbedingungen entsprechend darüber.“

Auch im Gesamtbestand schlägt sich diese Entwicklung nieder: Im Jahr 2025 ging die Zahl der Pkw um 3826 auf 293 642 zurück. Parallel dazu stieg die Zahl der E-Autos in Stuttgart jedoch um 3899. Es folgte die Hybrid-Antriebsart mit einem Plus von 3664 Fahrzeugen. Plug-in-Hybride (579) legten ebenfalls zu, während die Bestände an Diesel (-2879) und Benzinern (-8919) schrumpften.

Dass in Stuttgart insgesamt weniger Autos unterwegs sind, ist nach Angaben der Stadtsprecherin ein Trend. Ausgehend von 302 740 Pkw zum Stichtag 31. Dezember 2020 ist im Fünf-Jahres-Zeitraum ein Rückgang von drei Prozent zu verzeichnen. „Auch wenn die kurzfristigen Veränderungen von Jahr zu Jahr vereinzelt auch positiv ausfallen“, sagt Marie-Sophie Herr.

Zuschuss für Privatpersonen

Martin Körner, Leiter der Grundsatzabteilung des Oberbürgermeisters für Klima, Mobilität und Wohnen, ist überzeugt davon, dass die Zunahme der E-Autos „die Luft in Stuttgart noch sauberer macht“. Und somit leiste man einen Beitrag zum weltweit notwendigen Klimaschutz, sagt der ehemalige SPD-Stadtrat. „Es gibt gute Argumente für Elektroautos: sie werden immer besser, es gibt immer mehr bezahlbare Angebote und in Stuttgart viele Lademöglichkeiten.“ Das neue Förderprogramm des Bundes setze einen weiteren Kaufanreiz, sodass mit immer mehr E-Autos in Stuttgart zu rechnen sei. Privatpersonen können einen Zuschuss von bis zu 6000 Euro erhalten.

Auch Björn Peterhoff, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, begrüßt die Entwicklung. „Bereits rund 70 Prozent aller Neuzulassungen sind elektrisch oder hybrid angetrieben. Das zeigt: Gerade hier in Stuttgart und der Region sollten wir die Elektrifizierung konsequent weiter vorantreiben.“ Dazu brauche es jedoch einen noch schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Stromnetze. Trotz Förderprogrammen fragt sich Peterhoff, ob die städtische Strategie mit dem Trend mithalten könne. Der Grüne fordert, dass die Verwaltung noch vor Ostern über ihre Pläne berichtet. „Jetzt kommt es darauf an, durch frühzeitiges und vorausschauendes Handeln die notwendigen Rahmenbedingungen für das weitere Wachstum der E-Mobilität in Stuttgart zu schaffen.“

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Erstellt:
12. Februar 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2026, 23:54 Uhr

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