Ein Arbeitsplatz mit Wohlfühlfaktor

Sieglinde Baumgart ist die neue Leiterin der Talschule in Backnang-Waldrems – Ihr gefällt der dörfliche Charakter der Grundschule

Von der Schillerschule in der Backnanger Innenstadt ist Sieglinde Baumgart ab diesem Schuljahr als Leiterin an die Talschule in Waldrems gewechselt. An ihrer neuen Stelle gefällt der zweifachen Mutter vor allem die Nähe zur Natur und das gute Miteinander aller Beteiligten. Für die kommenden Jahre hat sie sich schon so manches Ziel gesetzt.

Der neu angelegte Garten der Talschule gefällt Sieglinde Baumgart besonders gut. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Der neu angelegte Garten der Talschule gefällt Sieglinde Baumgart besonders gut. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Dass sich Sieglinde Baumgart an ihrem neuen Wirkungsort wohlfühlt, ist ihr anzusehen. „Es macht einen glücklich, wenn man hierherkommt“, sagt sie strahlend. Von Anfang habe sie sich wohlgefühlt, Sie habe in den Sommerferien schon drei Wochen lang allein vor sich hin gewerkelt und sich eingearbeitet, erzählt die 45-Jährige, und dabei eine gut geführte Schule vorgefunden. Man habe sie auch gut aufgenommen, erzählt Baumgart. Damit meint sie nicht nur die vier Lehrerinnen der Talschule, sondern auch die Eltern und Mitglieder des Fördervereins. „Die Ortschaftsräte von Heiningen und Waldrems waren auch zur Begrüßung hier“, erzählt die Schulleiterin. Nachdem sie zuvor an der Backnanger Schillerschule als stellvertretende Schulleiterin tätig war, ist der Wechsel nach Waldrems für die 45-Jährige eine Umstellung. Schon allein, weil die Zahl der Schüler mit derzeit 74 wesentlich geringer ist. Auch sei die Talschule noch eine richtige Dorfschule, wo man mit den Schülern, Eltern und anderen Verantwortlichen schnell in Kontakt komme. Sie empfinde das aber als positiv. „Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt“, beschreibt Baumgart ihren ersten Eindruck.

Nähe zur Natur soll

weiterentwickelt werden

Momentan ist die neue Leiterin der Grundschule noch damit beschäftigt, sich ein Bild der Schule zu machen und richtig anzukommen. Längerfristige Ziele hat sie aber – zusammen mit dem Kollegium – schon ins Auge gefasst. Seit die Talschule eine reine Grundschule ist, sei noch kein Leitbild erarbeitet worden. Auch gebe es kein Schulmotto. Das soll sich bald ändern. Zudem hat sich Sieglinde Baumgart vorgenommen, die Schule als Schule mit sport- und bewegungsspezifischem Schwerpunkt zertifizieren zu lassen. Ein weiterer Wunsch der 45-Jährigen ist es, am Gesundheits- und Präventionsprogramm Klasse 2000 teilzunehmen. In dessen Rahmen wird den Schülern über das ganze Jahr hinweg Wissen zur Gesundheitsförderung, Sucht- sowie Gewaltvorbeugung vermittelt. Den ländlichen Charakter der Talschule und ihrer Umgebung will Sieglinde Baumgart außerdem dafür nutzen, die Nähe zur Natur in der Schule weiter zu verankern. Langfristig werde angestrebt, eine zertifizierte Naturparkschule zu werden. „In der Gesamtlehrerkonferenz und im Elternbeirat wurden die nötigen Beschlüsse schon gefasst“, erzählt die Schulleiterin. Der nächste Schritt sei es nun, die Zustimmung des Schulträgers einzuholen.

Sie selbst sei gerne im eigenen Garten tätig, erzählt die zweifache Mutter, die mit ihren Kindern in Backnang wohnt. „Die Natur beruhigt mich, ist angenehm für die Augen und das Gärtnern als körperliche Betätigung gefällt mir“, erzählt Baumgart. Aber auch abseits des Gartens ist die 45-Jährige sportlich. In jüngeren Jahren habe sie Handball und Volleyball gespielt. Mehrere schwere Knieverletzungen zwangen sie aber dazu, diese Sportarten aufzugeben. Stattdessen betätigt sie sich nun im Fitnessstudio, geht wandern und fährt Fahrrad. „Ich wollte ursprünglich Sport studieren“, erinnert sich die Schulleiterin. Sie habe sich dann aber doch für die Lehrerlaufbahn entschieden – eine gute Wahl, wie sich schnell zeigte. Während ihres Studiums an der Uni Heidelberg habe sie sich schon nach drei Trainingseinheiten im Volleyball erneut verletzt.

Da Sieglinde Baumgart aber Wert auf Bewegung legt, ist ihr auch schon positiv aufgefallen, dass viel Talschüler morgens zu Fuß oder mit einem Tretroller zur Schule kommen. „Die Kinder sind viel draußen, auch außerhalb der Schulzeiten. Sie bewegen sich viel. Ich bin ganz begeistert, wie schnell, aber auch ausdauernd die Schüler sind“, schildert sie. Das habe auch Auswirkungen auf den normalen Unterricht. Die Ausdauer aus dem Sport lasse sich auch gut auf andere Fächer übertragen, etwa Mathematik.

Englisch erst ab Klasse 3 – für die Schulleiterin eine gute Entwicklung

Da sie selbst momentan als Fachlehrerin für Mathematik und Sport im Einsatz an der Talschule ist, sehe sie täglich, welches Durchhaltevermögen die Kinder in beiden Fächern an den Tag legen. Denn: „Das Lernen darf natürlich nicht zu kurz kommen.“ Deshalb werde an der Schule auch die datengestützte Schulentwicklung gefördert. Im Zuge dessen schreiben die Schüler der dritten Klasse Tests, die ihren Lernstand hinsichtlich der verbindlichen Bildungsstandards im zweiten Schulhalbjahr der Klasse untersuchen. Anhand der Ergebnisse kann wiederum der Lehrplan angepasst werden.

„Auf Deutsch und Mathe legen wir viel Wert“, sagt Sieglinde Baumgart. Sie begrüßt es deshalb, dass Englisch ab dem kommenden Schuljahr erst ab Klasse 3 gelehrt wird. Dadurch werde eine Wochenstunde für diese Fächer frei. Für die Leseförderung gibt es in der Schule inzwischen auch eine Bücherei, außerdem seien Leseomas und -opas an der Schule im Einsatz. Dass sich in der Talschule alles in einem kleineren Rahmen als in der Schillerschule abspielt, ist für die Schulleiterin insofern ein Vorteil, dass man damit eine engere Bindung zu den Beteiligten hat. „Hier kann jeder seine Stärken einbringen“, sagt sie. Im kleinen Kollegium könnten Ideen auf dem kurzen Dienstweg besprochen werden.

Neue Ideen hat die 45-Jährige viele – ein Grund, weshalb sie sich auf die Stelle in Waldrems beworben hat. „Wenn man Visionen hat, sollte man eine leitenden Position anstreben“, erklärt sie. Über Ute Offtermatt, die Leiterin der Schillerschule, habe sie viel davon mitbekommen, was es bedeutet, eine Schule zu leiten. „Das hat mich gereizt“, erinnert sich Baumgart. Sie habe dann an einigen Fortbildungen teilgenommen. „Das wird vom Schulamt großartig betreut, davon habe ich viel profitiert.“ Als dann die Stelle als Leiterin der Talschule offen stand, habe sie die Chance darin gesehen. „Hier kann man etwas angehen“, habe sie sich gedacht. Das Kennenlernen des engagierten Teams habe sie in dieser Ansicht nur bestärkt. „Ich bereue nicht, dass ich mich hierher beworben habe“, sagt Sieglinde Baumgart. Und wer sie in ihrer Schule erlebt, glaubt es ihr sofort.

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Erstellt:
7. November 2018, 06:00 Uhr

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