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Ein Bogenparcours mit Urwaldflair

Sommerreportage: Helmut Landenhammer betreibt in einem Waldstück bei Spiegelberg ein Areal, auf dem man das Bogenschießen auf Tierfiguren inmitten der Natur praktizieren kann. Der Betreiber entdeckte seine Leidenschaft in den USA.

Helmut Landenhammer zielt mit dem Compoundbogen auf eines der Ziele in Tiergestalt. Mit dem Spielgerät aus Kindertagen haben die modernen Geräte nur noch wenig gemein. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Helmut Landenhammer zielt mit dem Compoundbogen auf eines der Ziele in Tiergestalt. Mit dem Spielgerät aus Kindertagen haben die modernen Geräte nur noch wenig gemein. Fotos: A. Becher

Von Bernhard Romanowski

SPIEGELBERG. Leoparden, tasmanische Teufel oder gar Gorillas gehören nicht zur üblichen Fauna rund um den Weiler Vorderbüchelberg. Wer dort trotzdem solche Tiere im Wald erblickt, dem muss man nicht gleich unterstellen, zu viel des guten Weins im nahe gelegenen Gasthaus Siller genossen zu haben. Vielmehr handelt es sich bei den tierischen Erscheinungen um lebensecht nachempfundene Kunststofffiguren, die sich außerhalb der Ortschaft rechts im Forst entlang der Lindenstraße Richtung Spiegelberg befinden. Dort nämlich betreibt Helmut Landenhammer seinen 3-D-Bogenparcours.

Ein Bauwagen mit herrlichem Ausblick über das Tal ist der Dreh- und Angelpunkt des Parcours, mit dem Landenhammer seit vergangenem Jahr dort ansässig ist. Vorher hatte er rund zehn Jahre lang einen Parcours in Nassach. In dem Bauwagen in Vorderbüchelberg können sich die Leute anmelden, die den Parcours durchlaufen wollen, und dort erhalten sie auch die entsprechende Ausrüstung, wenn sie nicht mit eigenem Equipment anreisen, was auch viele tun. Bogenschützen mit Parcourserfahrung können die Bogenstrecke jederzeit benutzen. „Bogenschützen ohne Parcourserfahrung dürfen ihn ohne eine Einweisung in die notwendigen Regeln und Sicherheitsvorschriften nicht benutzen“, betont Landenhammer, denn er weiß freilich, welch verheerende Wirkung ein verirrter Pfeil haben kann.

Im Elsass ist er Mitglied im Jagdverein, und alljährlich geht er dort auf die Pirsch.

Aber sicherheitstechnisch setzt der Betreiber auf verschiedene wohlüberlegte Maßnahmen, sodass sich auch die Wanderer und Radler, die rund um Vorderbüchelberg unterwegs sind, keine Sorgen machen müssen. Selbst ernannte Robin Hoods, die aus Spaß an der Freud mal eben ein bisschen mit spitzen Pfeilen rumballern wollen, haben bei Landenhammer keine Chance. „Die Gefahr beim Bogenschießen wird von manchen unterschätzt“, so der Experte. Bogenschützen, die keine Erfahrung auf einem Parcours haben, erhalten von ihm eine Einweisung. Für Anfänger bietet er zudem einen Kurzlehrgang an. Darin erfahren sie nicht nur, was auf dem Parcours zu beachten ist, sondern auch, was generell beim Bogenschießen hilfreich ist und was man vermeiden sollte. Das Ganze funktioniert allerdings nicht nach Schema F, wie Landenhammer verdeutlicht.

„Man muss immer den einzelnen Menschen mit seinen individuellen Befindlichkeiten und körperlichen Eigenheiten im Blick haben, wenn man das Bogenschießen unterrichtet“, sagt Landenhammer, der auch viele Jahre im Verein tätig war und zweimal im Jahr an einem Turnier teilnimmt, und zwar in Maulbronn und in Karlsruhe.

Ein Visier wie dieses macht das Schießen über verschiedene Distanzen recht komfortabel.

© Alexander Becher

Ein Visier wie dieses macht das Schießen über verschiedene Distanzen recht komfortabel.

Was heutzutage an Technik beim Bogenschießen zum Einsatz kommt, hat mit dem guten alten Flitzebogen und den saugnapfbewährten Pfeilen aus Kindertagen nicht mehr viel zu tun. Die Langbogen erinnern noch am ehesten daran. Auch die Recurve-Variante mit den geschwungenen Enden für einen besseren Wirkungsgrad der Kräfte fällt optisch noch nicht aus dem gewohnten Raster. Aber bei den sogenannten Compoundbogen hat man es doch eher mit Hightech-Geräten zu tun. Im Compoundsystem wird die Sehne des Bogens über Kabel und Rollen so umgelenkt, dass sich die Zugverhältnisse entscheidend verbessern. Bei einem Bogen dieser Machart mit beispielsweise 50 Pfund Zuggewicht wird der Kraftaufwand für den Schützen geringer, je weiter die Sehne ausgezogen wird. So kann man dann auch in Ruhe zielen, ohne dabei die ganze Zeit die vollen 50 Pfund halten zu müssen. Ausgeklügelte Visiere, zum Teil mit winzigen bunten LED-Leuchten, sind ebenfalls gängig bei ambitionierten Schützen. Mit ihnen gerät das Schießen über unterschiedliche Distanzen komfortabler.

Landenhammer kam während einer beruflichen USA-Reise auf den Geschmack des Bogenschießens, oder besser gesagt erst einmal zu einem Bogen. Dort ist die Bogenjagd – anders als in Deutschland, Österreich und der Schweiz – erlaubt und wird viel praktiziert. „Die Bogen hingen dort in allen Arten und Größen in meterlangen Regalen in den Geschäften“, erinnert sich Landenhammer. Also griff er zu. Daheim in Deutschland konnte er aber nicht einfach durch den Wald laufen und damit schießen. Also ging er in einen Verein. Daraus entwickelte sich irgendwann die Idee zu einem Parcours. Das echte Jagen mit dem Bogen praktiziert Landenhammer aber auch, allerdings in Frankreich. Im Elsass ist er Mitglied im Jagdverein, und alljährlich geht er dort auf die Pirsch, um Niederwild zu erlegen. „Bogenschießen ist die waidgerechteste Art zu jagen“, sagt er. Wobei er oft genug abends mit leeren Händen in das Jagdlager zurückkehrt. Wichtiger als der Jagderfolg ist ihm das Prozedere als solches. „Es ist einfach beruhigend und entspannend, im Wald und an der frischen Luft zu sein. Auch im Winter hat das Bogenschießen seinen Reiz.“

Bogenschützen ohne Parcourserfahrung und Anfänger erhalten eine entsprechende Einweisung.

© Alexander Becher

Bogenschützen ohne Parcourserfahrung und Anfänger erhalten eine entsprechende Einweisung.

Die volle Waldeslust ist auch auf seinem Parcours gewährleistet, wo man sich mitunter wie im Urwald vorkommt und an einigen der Stationen die Augen schon arg scharf stellen muss, bis man in einiger Entfernung – je nach Schwierigkeitsgrad mitunter auch durch ein paar Baumstämme hindurch – das Zielobjekt in Tiergestalt entdeckt. Landenhammer selbst scheint damit keine Probleme zu haben. Beim Besuch unserer Zeitung legt er an, zielt kurz und trifft das Kunststoffeichhörnchen in knapp 20 Metern Entfernung mit waidmännischer Präzision. Auf seinem früheren Parcoursareal in Nassach hat Landenhammer auch Turniere veranstaltet – ein sehr aufwendiges Unterfangen, wie er sagt. Wenn der Wirt des Gasthauses Siller, dem das Parcoursterrain angrenzend an den Staatsforst in Vorderbüchelberg gehört, seine Pläne für eine große Halle auf dem Areal realisiert, kann sich Landenhammer auch vorstellen, dort Turniere zu veranstalten.

Wer sich einen Bogen anschaffen will, ist bei Landenhammer ebenfalls gut beraten. Er hat das Know-how, will einem nichts aufdrängen – wie es laut Landenhammer in manchen Läden üblich ist – und kennt die richtigen Adressen.

Der 3-D-Bogenparcours in Spiegelberg

Der Parcours von Helmut Landenhammer ist ganzjährig geöffnet. Personen unter 18 Jahren dürfen den Parcours aber nur in Begleitung eines volljährigen und erfahrenen Bogenschützen benutzen.

Einzelne Leihbogen mit den Zuggewichten von 12 bis 40 Pfund stehen leihweise zur Verfügung. Man sollte sie nur vor der Parcoursbegehung immer reservieren.

Die Nutzung des Parcours erfolgt ausschließlich auf eigene Gefahr. Eine Haftung des Grundstückseigentümers oder des Betreibers ist demnach ausgeschlossen.

Jeder Schütze haftet für seinen Schuss. Vor dem Schuss hat sich jeder Schütze zu versichern, dass das Schussfeld vor, seitlich und hinter dem Ziel frei ist. Besteht auch der geringste Zweifel, ist der Schuss sofort abzubrechen.

Auf dem gesamten Parcours gilt absolutes Rauchverbot, dies gilt auch für den Einschießplatz.

Der Parcours eignet sich auch bestens für Familien. Und da zu den Familien mittlerweile auch immer öfter ein Hund gehört, gibt es auch dafür Regeln. „Denn ausgeschlossen werden sollen sie ja nicht“, so Landenhammer. Die Hunde sind aber auf dem gesamten Parcours an der Leine zu „führen“. Etwaige Hinterlassenschaften der Hunde sind dann zu entfernen und mitzunehmen.

Kontaktdaten und Informationen etwa zu den Preisen und zur Anfahrt findet man online unter www.bow-land.de.

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Erstellt:
11. September 2020, 06:00 Uhr

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