Ein Gartenparadies für Kinder

BKZ-Leser helfen Auf der Farm der Zukunftswerkstatt Rückenwind haben nicht nur Hühner und Hasen eine Heimat. Auch Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund finden hier einen Ort zur Erholung, zum Auspowern und um Neues über die Natur- und Tierwelt zu lernen.

Besonders die Tiere begeistern die Kinder, wie hier den achtjährigen Talal. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Besonders die Tiere begeistern die Kinder, wie hier den achtjährigen Talal. Foto: Alexander Becher

Von Kristin Doberer

Backnang. Der Garten am Rande eines Backnanger Wohngebiets ist ein Paradies für Kinder und Jugendliche: eine große Wiese mit Platz zum Fußball- und Volleyballspielen, eine kleine Lagerfeuerstelle, Gemüsebeete, eine Sitzgruppe und vieles mehr. Das Beste aber sind die Hasen, die in ihrem Gehege gemütlich vor sich hinmümmeln, und die Hühner, die am unteren Ende des Gartens ihr Gehege haben. Besonders begeistern sich die Kinder nämlich für die Tiere in dem Garten, erzählt Sozialarbeiterin Hannah Nothstein von der Zukunftswerkstatt Rückenwind (ZWR), einer gemeinnützigen Organisation, die unter anderem geflüchtete Familien unterstützt. Da deren Räume in der Backnanger Innenstadt schon lange nicht mehr genug Platz bieten, gibt es seit etwa zweieinhalb Jahren die Kinder- und Jugendfarm als zusätzliche Begegnungsstätte – und es dauerte nicht lange, bis hier auf Wunsch der Kinder die Hasen und Hühner einzogen.

„Viele der Kinder wissen gar nicht, was es bedeutet, ein Tier zu halten“, erklärt Hannah Nothstein. Bei vielen Familien gebe es in den Wohnungen oder Unterkünften weder Platz für Haustiere noch einen eigenen Garten. „Sie lernen hier Empathie gegenüber dem Tier, wie man sich verhält und dass es auch Angst hat, wenn man mal zu laut ist, und auch mal Ruhe braucht.“ Andererseits gebe es aber auch Familien, die in ihrer Heimat selbst einen Garten und Tiere hatten. „Hier kann die Farm einen Teil des Verlustschmerzes auffangen.“

Viele Aktionen rund um Umwelt, Ernährung und Sport finden hier statt

Die Idee zu dem Garten kam mit Beginn der Coronapandemie auf. Die Räumlichkeiten des Vereins waren zu klein, um ausreichend Abstand zu halten, und die Kinder haben dringend Platz für Bewegung benötigt. Aber schnell wurden immer mehr Ideen auf dem Gartengrundstück umgesetzt. Zunächst haben die Kinder gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und den Mitarbeitern der ZWR Gemüse- und Kräuterbeete angelegt, dann kamen die Tiergehege, ein Insektenhotel und im Sommer auch Bienenstöcke hinzu. Rund um das Thema Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Regionalität und gesunde Ernährung hat der Verein dann verschiedene Aktivitäten für die Kinder angeboten. „Wir hatten Imkerworkshops, Kochworkshops und eine Wildkräuterführung auf der Wiese“, sagt ZWR-Mitarbeiterin Lea Rupp.

Außerdem fanden verschiedene weitere Workshops und Aktionstage im Garten statt. Zum Beispiel gab es Fußballturniere und Boxtraining, Lagerfeuer, gemeinsames Kochen und Musizieren. Der Garten bietet aber Platz für mehr: So wurde im Sommer zum Beispiel mit mehrern Kindergruppen gezeltet, beim Sommerfest des Vereins kamen über 100 Menschen zum Feiern zusammen und zum Teil wird der Garten auch mal für eine Geburtstagsparty genutzt. „Manche haben Zuhause nicht den Platz für einen Kindergeburtstag“, so Nothstein.

Die Kinder- und Jugendfarm ist in diesem Jahr eines der Schwerpunktprojekte unserer Spendenaktion „BKZ-Leser helfen“. Mit den Geldern sollen auch im kommenden Jahr die Honorare für die Workshopleiter sowie Material für die Aktionen und Angebote finanziert werden, die für die Kinder und Jugendlichen komplett kostenlos sind. „Aber auch Setzlinge für die Beete, die Versorgung der Kinder, Tierarztkosten, Tierfutter und Material, zum Beispiel für die Zäune, oder Bastelmaterial werden benötigt“, so Lea Rupp.

Der Verein sucht dringend ein neues Gartengrundstück

Aber im nächsten Jahr kommt noch eine weitere Herausforderung hinzu, nicht nur finanziell. „Durch den Ausbau der B14 verlieren wir unser Gartengrundstück“, meint Rupp. Es befindet sich nämlich neben der B14. Hier soll zum einen eine Unterführung entstehen, zum anderen werden auf dem Grundstück vermutlich auch die Baumaterialien und Baumaschinen abgestellt werden. „Wir vermuten, dass wir im Oktober oder November umziehen müssen“, schätzt Rupp. Auch dafür wird ein Teil des Spendengeldes benötigt. Zwar seien die Gehege so gebaut, dass man sie auch schnell abbauen und an einem anderen Ort wieder aufbauen könne, trotzdem wird Geld für den Umzug und einige Materialien nötig sein. Denn bisher war auf dem Grundstück schon sehr viel vorhanden. „Wir hatten bisher die absolute Luxusvariante“, sagt Hannah Nothstein. Zum Beispiel gab es bereits eine Scheune, in der das Tierfutter lagert, und eine kleine Gartenhütte, in der Gartengeräte verstaut sind. Zusätzlich befindet sich eine kleine Quelle direkt auf dem Grundstück, es war komplett umzäunt und es wurde dem Verein kostenlos zur Verfügung gestellt. „Wir hoffen, dass wir wieder einen Garten finden, der von Backnang fußläufig zu erreichen ist“, sagt Nothstein.

Denn für die nächsten Jahre hat sich die Zukunftswerkstatt Rückenwind eigentlich viel vorgenommen. „Wir hätten gerne noch weitere Tiere, zum Beispiel Schafe. Aber das geht erst, wenn wir einen langfristigen Ort für sie haben.“ Auch Ideen für viele weitere Workshops gibt es bereits und es steht bereits fest, dass der Verein einen Bauwagen mit einer kleinen Küche zur Verfügung gestellt bekommt.

Ein Gartenparadies für Kinder
Zukunftswerkstatt Rückenwind

Mitarbeiter Neben einem Grundstück ist die gemeinnützige Organisation auch dringend auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern. Nicht nur Sozialarbeiter, sondern auch eine Bürokraft oder Quereinsteiger, die Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben, werden gesucht.

Kontakt Weitere Informationen zu dem Verein und den verschiedenen Projekten gibt es unter https://zwrev.de/. Kontakt aufnehmen kann man per E-Mail an info@zwrev.de. oder per Telefon unter der Telefonnummer 0159/01235146.

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Erstellt:
10. Dezember 2022, 06:00 Uhr

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