Ein Herz für Tiere und Menschen in Not

Die Tierfreundin Gabriele Bühner aus Althütte hat drei ehemaligen Straßenkatzen aus Rumänien ein neues Zuhause gegeben. Zudem engagiert sich die 64-Jährige in der Nachbarschaftshilfe und übernimmt für mehrere Senioren in der Gemeinde und der näheren Umgebung Einkaufsfahrten sowie Näh- und Gartenarbeiten.

Kati hat nach zwei Monaten bereits genügend Zutrauen zu Gabriele Bühner, sodass sie sich von ihrem Frauchen schon mal auf den Arm nehmen lässt.

© Alexander Becher

Kati hat nach zwei Monaten bereits genügend Zutrauen zu Gabriele Bühner, sodass sie sich von ihrem Frauchen schon mal auf den Arm nehmen lässt.

Von Annette Hohnerlein

ALTHÜTTE. Die schwarz-weiß gefleckte Kati ist die zutraulichste der drei Katzen von Gabriele Bühner. Sie lässt sich schon mal von ihrem Frauchen auf den Arm nehmen und knuddeln. Missy und Lena dagegen sind noch sehr scheu. „Die tauen jetzt langsam auf. Das kann zwei Jahre dauern, bis man sie auf den Arm nehmen kann“, erklärt ihre Besitzerin. Die beiden Katzenschwestern mit ihrem schwarz-rot-weißen Fell sind sogenannte Tricolorkatzen, sie sollen Glück bringen. Beide sind kleinwüchsig und sehr zierlich, außerdem haben sie einen verkürzten Schwanz und Missy hat zudem eine verkrüppelte Pfote. Diese angeborenen Fehlbildungen, die vermutlich auf Inzucht zurückzuführen sind, hindern die beiden aber nicht daran, wie ein Wirbelwind durch die Wohnung zu toben.

Seit Mitte Juli haben die zwei und vier Jahre alten Kätzchen bei Gabriele Bühner ein liebevolles neues Zuhause gefunden. Sie stammen aus dem Tierheim Smeura in Rumänien, dem größten weltweit. Es liegt 120 Kilometer nordöstlich von Bukarest und entstand vor 15 Jahren auf dem Gelände einer ehemaligen Fuchsfarm. Betreiber ist der Förderverein Tierhilfe Hoffnung aus Dettenhausen bei Tübingen. Heute werden in dem Tierheim knapp 6000 Straßenhunde und auch viele herrenlose Katzen versorgt und, wenn möglich, an neue Besitzer vermittelt.

Gabriele Bühners neue Hausgenossen kamen schon als Babys dorthin. Sie wurden kastriert, geimpft und mit einem Chip im Ohr versehen, mit dem sie identifiziert werden können, wenn sie verloren gehen. Später wurden sie vom Verein Pfötchenhilfe Neckarsulm übernommen, der eine Zweigstelle in Kaisersbach hat und regelmäßig Tiere aus Smeura nach Deutschland vermittelt. Nach dem Tod ihrer letzten Katze wurde Bühner durch einen Medienbericht auf diese Organisation aufmerksam. Sie beschloss, die schwarz-weiße Kati bei sich aufzunehmen und fuhr nach Kaisersbach. Aber als sie dort Missy und Lena sah, wurde sie schwach. „Mir haben die beiden so leidgetan; wer will solche verkrüppelten Katzen, die sind schlecht an den Mann zu bringen.“ Am Ende kam sie statt mit einer mit drei Katzen nach Hause.

Im Moment darf nur Kati im Freien herumstreunen, die beiden anderen sind noch nicht so weit. Bei ihnen bleibt die Katzenklappe zu, die durch ein Programm gesteuert wird, das die Chipdaten ausliest. „Solange sie noch Hauskatzen sind, ist das keine einfache Sache“, weiß Gabriele Bühner, „wie bei Kleinkindern muss man alles in Deckung bringen. Das geht so lange, bis sie Freigänger sind und sich draußen austoben können.“ Bis es so weit ist, sorgt sie dafür, dass ihre Schützlinge auch im Haus genug Unterhaltung haben. Im Wohnzimmer steht ein großer Kratzbaum, Decken und Spielsachen der Tiere sind auf dem Boden verteilt. Ihre großherzige Entscheidung hat sie noch keinen Moment bereut, bekräftigt die Tierfreundin. „Ich bin sehr glücklich mit meinen Katzen.“

Gabriele Bühner wuchs in Althütte auf. Nach einer Schneiderlehre und kurzer Berufstätigkeit sattelte sie um und machte eine weitere Ausbildung zur Schreinerin. Später arbeitete sie viele Jahre lang bis zu ihrem Renteneintritt bei der Firma Bosch in Waiblingen. „Ich habe mein Leben lang mit Tieren gelebt“, erzählt die 64-Jährige. Während ihrer Kindheit waren es die Hunde, Katzen, Gänse, Enten und Hasen auf dem benachbarten Bauernhof, später hatte sie eigene Haustiere; selbst in ihrer Stadtwohnung in Stuttgart hielt sie einen Hamster. 2001 kehrte sie nach Althütte zurück in das elterliche Haus. Sie brachte ihre eigene Katze mit und übernahm zusätzlich den Hund ihrer Eltern. Später kam eine zweite Katze dazu, der sie das Leben gerettet hatte. Der Besitzer hatte sie in eine Plastiktüte gesteckt und in einem Abfallkorb beim Wunnebad in Winnenden entsorgt.

Ihre Tierliebe lässt Gabriele Bühner auch im Urlaub nicht los. In Marokko, Bulgarien oder auf Teneriffa hatte sie schon manche schlaflose Nacht, weil ihr das Elend der dortigen Straßentiere so nahe ging. Sie verbrachte ihre Ferien dann damit, die hungrigen Hunde und Katzen mit Nahrung zu versorgen.

Aber auch Menschen, die Hilfe brauchen, profitieren von Bühners Fürsorge. Sie leistet auf privater Basis Nachbarschaftshilfe und übernimmt für mehrere Senioren in der Gemeinde Althütte und Umgebung Dienste wie Einkaufen und Nähen sowie Gartenarbeit. Zudem ist sie politisch engagiert und war während ihrer Berufstätigkeit Ersatzbetriebsrätin und Vertrauensfrau in ihrer Firma. „Ich bin jemand, der nicht wegschaut, egal ob bei Tieren oder bei Menschen“, erklärt Bühner ihr Engagement, „ich bin eine Kämpferin und setze mich für Veränderungen in der Gesellschaft ein.“

Missy und Lena dagegen sind sehr scheu. Sie brauchen noch Eingewöhnungszeit. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Missy und Lena dagegen sind sehr scheu. Sie brauchen noch Eingewöhnungszeit. Fotos: A. Becher

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Erstellt:
29. September 2020, 11:30 Uhr

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