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Ein Jahr Büffel im Bottwartal

Initiator Claus-Peter Hutter zieht positive Bilanz: Die Tiere sind wohlauf und haben sogar Nachwuchs bekommen. Die Auswirkungen auf die Landschaft scheinen positiv zu sein.

Die Wasserbüffel fühlen sich im Bottwartal sichtlich wohl. Es hat schon einigen Nachwuchs gegeben. Fotos: W. Kuhnle

Die Wasserbüffel fühlen sich im Bottwartal sichtlich wohl. Es hat schon einigen Nachwuchs gegeben. Fotos: W. Kuhnle

GROSSBOTTWAR (red/mz). Friedlich grasen die Wasserbüffel auf der Weide. Von der Ferne ist ein Kuckuck zu hören, Frösche quaken, Libellen schwirren umher, Scharen von Staren steigen auf. Dann trotten die Büffel zur Suhle. Instinktiv werden die Kälbchen meist in der Mitte der Herde geführt. Solch idyllische Erlebnisse gibt es seit jetzt einem Jahr in der Bottwaraue zwischen Großbottwar und Steinheim-Kleinbottwar.

Im Mai vergangenen Jahres wurden nach mehrjähriger, gründlicher Vorbereitung des Projekts sechs Wasserbüffel in der Aue eingesetzt. „Eigentlich wollten wir zum Jahrestag gemeinsam mit Projektpartnern und Sponsoren vor Ort Bilanz ziehen und an zwei Tagen Führungen für die vielen interessierten Bürger anbieten. Auch wenn uns die Coronakrise einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, können wir eine erste positive Bilanz ziehen“, so Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltstiftung NatureLife-International und Initiator des Projekts.

„Wir sind vom großen Zuspruch für das Weideprojekt zur ökologischen Verbesserung der Talaue ebenso überwältigt wie von der Einsatzbereitschaft unserer Helfer und dem sichtlich spürbaren Wohlbefinden der Büffelherde“, erzählt Hutter. Inzwischen sind es zehn Wasserbüffel, die durch ihre Neigung zum Suhlen, ihre Trittsiegel und die Vorliebe auch für konkurrenzstarke Pflanzen auf natürliche Art und Weise für Vielfalt sorgen. Hinter dem erfreulich positiven Projektverlauf steckt handfestes Engagement; nach Angaben der Projektpartner hat das Helferteam allein in den vergangenen zwei Jahren mehr als 2200 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet.

Nachdem die Herde im September durch das später „Habo“ getaufte Kälbchen überraschend Zuwachs erfahren hat, kamen im Februar und März noch drei weitere dazu. „Wir haben es den Tieren bis zum Schluss nicht angesehen, dass sie trächtig sind“, berichtet Gerhard Fahr, Vorsitzender des Verein für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal. Doch da Wasserbüffel eine Tragezeit von 330 Tagen haben und wie sich herausstellte in dem Projektgebiet am Bodensee, aus dem sie stammen, in einer gemischten Herde gehalten wurden, konnte man sich beim Projekt-Team nach Mitteilung von Büffelmanager und Landwirt Andreas Weigle den Nachwuchs erklären. Behutsam wurden die Tiere an die aus fünf mit Elektrozäunen umgebenen Weideflächen herangeführt.

Ein wissenschaftliches Team aus Biologen, Landespflegern und IT-Spezialisten dokumentiert akribisch die Entwicklung des Gebietes sowie dessen Pflanzen- und Tierwelt. „Noch stehen wir hier ganz am Anfang, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass die biologische Vielfalt und dabei besonders auch gefährdete Arten profitieren werden“, sagt Claus-Peter Hutter. Während mit genauen Ergebnissen einfach abgewartet werden muss, haben Umweltbildung und Naherholung schon jetzt ganz erheblich profitiert. Darauf weist auch Felix Graf Adelmann, stellvertretender Vorsitzender des Wasserbüffelprojekt-Fördervereins, hin. „Neben dem Weinbau und den Burgen haben die Bottwartal-Büffel für eine neue Attraktion und vor allem für eine gestärkte Identifikation mit dem Heimat- und Landschaftsraum gesorgt“, so Graf Adelmann. Dieser Effekt werde noch verstärkt, wenn der geplante Natur-, Kultur- und Weinerlebnispfad realisiert werden könne, mit dem dann verschiedene Landschaftselemente und Biotop-Typen vermittelt werden. Die Vermittlung von Naturerfahrung steht auch im Mittelpunkt von Naturerlebnistouren für Kinder und Multiplikatoren aus der Pädagogik in der Umgebung der Büffelweide. Durch die Coronakrise mussten auch solche bereits geplanten Initiativen vorerst verschoben werden.

Um dem großen Informationsbedarf und den vielen Nachfragen gerecht zu werden, werde nach Ankündigung von Gerhard Fahr eine Website beim Verein für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal eingerichtet.

Die Tiere sind ein Anziehungspunkt unter anderem für Radtouristen. Hier halten sie Ausschau nach den Tieren.

Die Tiere sind ein Anziehungspunkt unter anderem für Radtouristen. Hier halten sie Ausschau nach den Tieren.

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Erstellt:
10. Juni 2020, 06:00 Uhr

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