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Ein Jahr Mislintat beim VfB: Was soll jetzt noch kommen?

dpa/lsw Stuttgart. Vor einem Jahr fing Sven Mislintat als Sportdirektor beim VfB Stuttgart an. Nach diesen turbulenten zwölf Monaten kann ihn kaum noch etwas erschüttern.

Sven Mislintat. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild

Sven Mislintat. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild

Für sein erstes Jahr beim VfB Stuttgart könnte man Sven Mislintat bedauern. Als der Sportdirektor am 1. Mai 2019 seine Arbeit aufnahm, stand noch nicht mal fest, in welcher Liga der VfB künftig Fußball spielen wird. Kurz darauf erlebte Mislintat den Absturz in die Zweitklassigkeit mit. Ein paar Wochen später trat der von einigen Mitgliedern heftig kritisierte Präsident Wolfgang Dietrich per Facebook zurück. Im Winter folgte die Trennung von Trainer Tim Walter und die Verpflichtung seines Nachfolgers Pellegrino Matarazzo. Und jetzt noch die Corona-Krise.

Es überrascht daher nicht, dass Mislintat sich nach seinen ersten zwölf Monaten fragt: „Was soll jetzt eigentlich noch kommen, was einen extremer fordern kann?“ Man hört ihn lächeln in der Telefonleitung. Diese turbulente Zeit hat den 47-Jährigen nicht an seine mentalen Grenzen getrieben. Im Gegenteil: „Mein erstes Jahr war alles andere als langweilig. Aber ich möchte nicht einen Tag davon missen. Gerade in solchen Phasen lernt man das Meiste und wächst an den Herausforderungen“, sagt Miislintat. Heftiger könne es nun eigentlich nicht werden.

Als Sven Mislintat vor einem Jahr vom sportlich mal wieder schwer kriselnden VfB verpflichtet wurde, sprachen nicht wenige von einem Coup. Als Chefscout von Borussia Dortmund hatte der gebürtige Kamener sich über viele Jahre einen exzellenten Ruf erarbeitet. Er spielte eine maßgebliche Rolle bei zahlreichen Toptransfers, für den BVB entdeckte er etwa Ousmane Dembélé, Pierre-Emerick Aubameyang oder Robert Lewandowski, um nur einige zu nennen. Auch deshalb wurde der FC Arsenal später auf das „Diamantenauge“ aufmerksam.

Umso überraschender wirkte es, dass er nach seiner Zeit bei den Gunners zu einem Krisenclub wie dem VfB Stuttgart wechselte. Ex-Präsident Dietrich sprach von einem „absoluten Experten mit hohem Renommee“. Der heutige Vorstandschef Thomas Hitzlsperger schwärmte von Mislintats „Wissen, seinem Netzwerk und seiner Art, Fußball zu denken“. Mislintat selbst begründete seinen Schritt unter anderem damit, dass ihm die Atmosphäre von Traditionsclubs sehr wichtig sei. Wenige Wochen danach erlebte er den Abstieg in die 2. Liga nach dem 0:0 im Relegations-Rückspiel bei Union Berlin.

Seitdem ist viel passiert. Mit der Rückendeckung von Hitzlsperger krempelte Mislintat fast den kompletten Kader des VfB um. Fast 20 neue Spieler haben die Schwaben unter ihm mittlerweile verpflichtet, so gut wie jeder von ihnen geht auf Mislintats Expertise zurück. „Er lässt mir in meinen Kernkompetenzen meine Freiheit und vertraut mir“, sagt Mislintat über die Zusammenarbeit mit Hitzlsperger: „Er weiß ganz genau, war er will und was er kann, und wo er auf die Expertise anderer zurückgreifen möchte.“ Das Team könne sich mit dem Vorstandschef „aber permanent spiegeln und reflektieren“.

Mislintat weiß aber auch, dass letztlich nur der Aufstieg über den Erfolg oder Misserfolg seiner Arbeit entscheiden wird. Wird er verpasst, gerät auch der in weiten Teilen von ihm zusammengestellte Kader in die Kritik. Und damit auch Mislintat selbst. „Ich bin nicht der Typ, der das Leistungsprinzip ausruft und möchte, dass es für mich ausgesetzt wird“, sagt er. Aber das sind Themen für die Zeit, in der wieder gespielt wird.

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Erstellt:
29. April 2020, 17:58 Uhr

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