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Ein Liberaler auf dem Posten des Landrats

Der frühere Kreischef Johannes Fuchs wird heute 70 Jahre. Wegbegleiter und Nachfolger würdigen die Leistung des Jubilars.

Stand 14 Jahre an der Spitze des Rems-Murr-Kreises: Johannes Fuchs. Archivfoto: G. Habermann

© Gabriel Habermann

Stand 14 Jahre an der Spitze des Rems-Murr-Kreises: Johannes Fuchs. Archivfoto: G. Habermann

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Verwaltungsmann, Bürgermeister, Kreisrat, FDP/FW-Fraktionsvorsitzender und dann Landrat: Johannes Fuchs, der Liberale, der es als Nachfolger von Horst Lässing auf den Rems-Murr-Thron geschafft hat, wird heute 70 Jahre. Sein Name wird vor allem mit dem Klinikbau in Winnenden verbunden.

Der in Heilbronn aufgewachsene gebürtige Stuttgarter hat 1970 sein Abitur gemacht und nach dem Wehrdienst ein Studium der Verwaltungswissenschaft in Konstanz aufgenommen. Schwerpunkte waren Jura, Volkswirtschaft und kommunale Planung. Nach dem Abschluss als Diplom-Verwaltungswissenschaftler kam Fuchs zum Landkreis, wo er ab 1977 als Leiter des Kreisplanungsamtes tätig war. Bereits 1978 wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde Urbach gewählt und 1986 und 1994 bestätigt. Noch während seiner ersten Amtsperiode, 1984, zog der Liberale in den Kreistag ein und übernahm dort 1998 den Vorsitz der FDP/FW-Fraktion. Aus dieser Position heraus bewarb er sich um das Amt des Landrats. Die Wahl fand am 14. Januar 2002 in Backnang statt. Sein Widersacher: der damalige Murrhardter Bürgermeister Ulrich Burr (CDU). Fuchs setzte sich – für viele überraschend – klar durch.

Acht Jahre später kam es zum nächsten Showdown. Als Gegenkandidat hatte ein anderer Liberaler den Hut in den Ring geworfen: der in Backnang geborene und in Weissach tätige Rechtsanwalt Gunnar Stuhlmann. Bei der Wahl in Schorndorf erzielte Fuchs zwar eine deutliche Mehrheit. Doch von den 85 anwesenden Kreisräten verweigerten dem Amtsinhaber 26 die Zustimmung – sie votierten teils für den Herausforderer, teils machten sie ihren Stimmzettel ungültig. All das war symptomatisch für die aufgeheizte Stimmung, die in Backnang und Umgebung herrschte und die sich an dem Repräsentanten des Landkreises festmachte. Denn mit dem Namen Johannes Fuchs wurde vor allem ein Projekt verbunden: der Bau des Rems-Murr-Klinikums Winnenden und die Schließung der Kreiskrankenhäuser Backnang und Waiblingen. Das Konzept rief im Murrtal heftige Proteste hervor. Unterschriften wurden gesammelt, Lichterketten gebildet, Kundgebungen abgehalten, letzten Endes aber ohne Erfolg: Das neue Klinikum ging – wenn auch wegen diverser baulicher Pannen verspätet – schließlich doch in Betrieb. In dem jahrelangen erbitterten Ringen trat völlig in den Hintergrund, dass sich Fuchs an vielen Stellen für den Backnanger Raum starkmachte, sei es bei den Planungen für die Biovergärungsanlage Neuschöntal mit dem vorgezogenen Verkehrsanschluss an die künftige B14, sei es das Engagement für einen Campus Backnang der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Auch die personelle und konzeptionelle Neuordnung der Abfallwirtschaft im Kreis nach den Affären um den früheren Geschäftsführer trug Fuchs’ Handschrift.

Nach den zermürbenden Zeiten als Landrat verabschiedete sich Fuchs mit dem 65. Geburtstag von seinem Amt und zog sich zurück, um ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen: Im Ostalbkreis erwarb er ein Gebäudeensemble aus dem 18. Jahrhundert und nahm zusammen mit seiner Frau Evi die Herausforderung des Sanierens an.

Politische Wegbegleiter wie der heutige Vorsitzende der FDP/FW-Kreistagsfraktion Ulrich Lenk und der FDP-Landtagsabgeordnete und -Kreisvorsitzende Jochen Haußmann attestieren dem früheren Landrat „Beharrlichkeit und Mut, wobei selbst persönliche Anfeindungen Sie hierbei nicht beirren konnten“, sowie eine „auf Ausgleich bedachte Art“. Auch sein Nachfolger Richard Sigel würdigt den Jubilar: „Sie haben Wertvolles für den Rems-Murr-Kreis geleistet und sich stets für eine demokratische Kultur der Fairness und des Vertrauens eingesetzt – ein Wert, den wir gerade jetzt nicht vergessen dürfen.“

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Erstellt:
4. August 2020, 06:00 Uhr

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